Im englischen Burnaston hat Toyota ein ehemaliges Produktionswerk des Corolla in eine sogenannte Circular Factory umgewandelt und damit ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wo einst Neuwagen vom Band liefen, werden heute Altfahrzeuge systematisch zerlegt, um ihnen ein zweites Leben in Form von Einzelteilen zu geben. Hintergrund ist nicht nur die reduzierte Produktion infolge des Brexit, sondern auch der strategische Aufbau eines neuen Geschftsmodells, das freie Kapazitten nutzt.
Fr den Konzern steht dabei mehr auf dem Spiel als ein reines Pilotprojekt. Wir lernen hier, wie wir knftig mehr Wertstoffe zurckgewinnen knnen, sagt Leon van der Merwe, verantwortlich fr Kreislaufwirtschaft und Energiemanagement bei Toyota Europe, im Gesprch mit dem Portal Edison. Die Anlage soll langfristig wirtschaftlich sein und gleichzeitig zentrale Herausforderungen der Branche adressieren.
Der Druck auf europische Autobauer wchst: Sie mssen ihre Produktion dekarbonisieren und strengere Klimavorgaben erfllen. Auch nach 2035 will Toyota Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bauen, deren CO-Emissionen jedoch kompensiert werden mssen etwa durch den Einsatz von Recyclingmaterialien. Parallel dazu bleibt der Hybridantrieb Teil der Strategie, whrend die Werke bis 2040 klimaneutral arbeiten sollen.
Neben regulatorischen Anforderungen spielt die Versorgungssicherheit eine entscheidende Rolle. Die Abhngigkeit von Rohstoffen aus politisch instabilen Regionen betrifft zunehmend auch Batterien und elektrische Antriebe. Noch landen vergleichsweise wenige Elektroautos bei uns. Aber Hybridfahrzeuge schon. Auch hier lernen wir, wie sich wertvolle Materialien zurckgewinnen lassen, erklrt van der Merwe.
Auto-Demontage ist anspruchsvoll
Die praktische Umsetzung der Demontage erweist sich jedoch als anspruchsvoll. Rund 400 Beschftigte in Burnaston mussten feststellen, dass sich Fahrzeuge deutlich leichter herstellen als zerlegen lassen. Whrend Toyota mit seinem Produktionssystem TPS weltweit Mastbe setzte, gilt es nun, dieses Prinzip in umgekehrter Richtung zu denken. Ziel ist ein Reverse TPS, bei dem Fahrzeuge knftig auch auf effiziente Demontage hin konstruiert werden.
Der Standort in Burnaston ist erst der Anfang. In Walbrzych in Polen entsteht bereits ein zweites Demontagewerk, dessen Erffnung fr Ende 2026 geplant ist. Langfristig will Toyota ein europaweites Netzwerk solcher Anlagen etablieren, um Fahrzeuge industriell zu zerlegen und wertvolle Materialien systematisch zurckzugewinnen.
Der Zerlegeprozess selbst ist przise organisiert: Innerhalb von etwa drei Stunden wird ein Fahrzeug vollstndig demontiert. Nach der Auslsung der Airbags folgen Rder, Motor, Getriebe und Fahrwerk, bevor schlielich Kunststoffteile entfernt werden. Gerade Kunststoffe stellen eine besondere Herausforderung dar, da ihre Vielfalt die Wiederverwertung erschwert. Whrend Metalle wie Stahl und Aluminium vergleichsweise effizient recycelt werden knnen, steigt der Kunststoffanteil in Fahrzeugen stetig an.
Auch wirtschaftlich steht das Modell noch unter Druck. Zwar sind Komponenten wie Katalysatoren wegen ihrer Edelmetalle besonders wertvoll, und knftig knnten auch Batterien ein groes Potenzial bieten. Dennoch decken die Erlse aus den zurckgewonnenen Materialien dem Bericht zufolge bislang nicht die Kosten. In Burnaston werden demnach jhrlich rund 12.000 Fahrzeuge zerlegt deutlich weniger als die parallel laufende Neuwagenproduktion. Toyota setzt daher auf Lernkurveneffekte und will innerhalb von drei Jahren klren, ob sich das Konzept wirtschaftlich trgt.
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