Deutscher Werkleiter: Tesla „ein Tech-Konzern“, baut aber noch „sehr lange“ Autos

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Der Werksleiter der Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg, Andr Thierig, hat in einem Interview mit der Automobilwoche ber die Entwicklung des Standorts in der Gemeinde Grnheide sowie ber strategische Ausrichtungen gesprochen. Whrend das Werk in der Vergangenheit mit Themen wie Betriebsratswahlen, hohen Krankenstnden und schwchelndem Absatz konfrontiert war, verzeichnet Tesla derzeit steigende Absatzzahlen beim in Deutschland gebaut Model Y und stellt neues Personal ein.
Thierig beschreibt den Unterschied zu etablierten Herstellern wie seinem frheren Arbeitgeber Ford durch das Fehlen von Altlasten in Fabrik, Konstruktion und Organisation. Er betont die flachen Hierarchien und kurzen Entscheidungswege des US-Elektroautopioniers. Durch eine hohe Fertigungstiefe knne Tesla Produktionskapazitten schneller anpassen – wie etwa bei der Entscheidung, das Model Y fr den kanadischen Markt in Berlin zu fertigen.

Die Batteriezellfertigung in Grnheide wird von 8 auf 18 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr ausgebaut. Ziel ist es laut dem Werkleiter, die Regionen und Fabriken unabhngiger von globalen Lieferketten zu machen, da Akkus derzeit noch aus Texas geliefert werden. Ein weiterer Ausbau der Zellkapazitt sei aktuell nicht geplant, jedoch biete der vorhandene Platz in der Fabrik Mglichkeiten fr zuknftige Erweiterungen.
Bezglich neuer Tesla-Produkte wie dem E-Lkw Semi, dem humanoiden Roboter Optimus oder die Pick-up-Truck Cybercab gibt es am Standort noch keine konkrete Entscheidung. Hier hnge die Einfhrung vom Markt ab, erklrt Thierig. Bisher wird in Deutschland exklusiv das Mittelklasse-SUV Model Y hergestellt. Der deutsche Manager bezeichnet Tesla als Tech-Konzern. Er sieht das Unternehmen jedoch weiterhin als Hersteller von Automobilen, da das Auto ein elementarer Teil der vorangetriebenen Knstliche-Intelligenz-Anwendungen sei – vor allem beim autonomen Fahren.
Thierig warnt vor zu starker Regulierung
Hinsichtlich der Zulassung des Assistenzsystems mit fortschrittlichen Selbstfahr-Funktionalitten Full-Self Driving (FSD) in Europa erwartet Thierig bei einer Freigabe eine deutliche Adoptionskurve. Er sieht die Gefahr, dass zu starke Regulierung junger Technologien wie der Zelltechnik Innovationen hemmt und den Anschluss an Unternehmen aus den USA oder China gefhrdet.
Zum Thema Krankenstand gab der Leiter des Brandenburger Standorts an, dass dieser aktuell unter fnf Prozent liege. Zuvor waren Spitzenwerte von 17 Prozent erreicht worden. Um der Ausnutzung des Systems entgegenzuwirken, wurden Manahmen wie eine Anwesenheitsprmie sowie die Prfung von Krankmeldungen eingefhrt. Hausbesuche bei langzeitkranken Mitarbeitern durch den Personalleiter und den Fertigungsleiter fanden statt, um das Interesse an der Arbeit zu prfen.
Das Verhltnis zwischen Tesla und der IG Metall ist seit Jahren von Konflikten geprgt. Eine Verhandlung mit der Gewerkschaft sieht Thierig nicht als notwendig an. Er begrndet dies damit, dass die Entgelte in der Produktion seit 2022 um ber 25 Prozent erhht wurden und das Angebot des Unternehmens besser als der regionale Tarif sei. Zudem habe die IG Metall bei den letzten drei Betriebsratswahlen ihre Ziele nicht erreicht.
Als zentrale Herausforderungen fr eine profitable Produktion in Deutschland nennt Thierig Energiepreise, Versorgungssicherheit und Genehmigungsverfahren. Zur Deckung des Strombedarfs nutzt das deutsche Werk seinen Angaben zufolge bereits 15 MWp installierte Photovoltaik-Kapazitt. Mit Blick auf die Brokratie meint der Werkleiter: Wenn wir agil sein wollen, mssen Behrden und Politik mitgehen. Wenn wir etwa aufgrund einer FSD-Zulassung schnell eine neue Fertigung aufbauen wollten, wren sehr lange Genehmigungsverfahren problematisch.
Effizienz bleibe fr Tesla entscheidend, erklrt Thierig. Man vergleiche bei den internationalen Standorten viele Kennzahlen: Personaleffizienz, Energieeffizienz, Qualitt, Kosten. Die Kosteneffizienz des Werks in Shanghai werde man in Deutschland nie erreichen. Aber ein Auto aus China msse nach Europa verschifft werden und Einfuhrzlle tragen. Solange wir dieses Delta nicht berschreiten, haben wir mit der Fertigung in Deutschland ein gutes Geschftsmodell, so der deutsche Werkleiter.

Automobile Magazine – Germany
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