Nachdem die Premiere des Runderneuerungsgipfels im Herbst 2024 im bayerischen Günzburg stattgefunden hatte, ging es für die Teilnehmenden der zweiten Auflage weit in den Norden Deutschlands. Als Gastgeber des Events bot der im niedersächsischen Werlte ansässige Trailerhersteller Krone mit seinem Trailerforum nicht nur eine Plattform für den intensiven Austausch, sondern öffnete auch seine Werkstore für die Besucherinnen und Besucher. Seinen Beitritt zur Allianz Zukunft Reifen (AZuR) hatte Krone auf der IAA Transportation 2024 verkündet. „Wir sind davon überzeugt, durch das AZuR-Netzwerk, dessen Wissen sowie durch offenen und innovativen Austausch mit den Partnern die Nachhaltigkeit in der Transportbranche gemeinsam vorantreiben können”, hatte Krone-Geschäftsführer Ralf Faust damals mitgeteilt und diese Worte in seiner Funktion als Gastgeber nun auch mit Leben gefüllt.
Mit rund 120.000 Reifen, die bei dem Trailerspezialist im Einsatz sind, ist den Verantwortlichen ein möglichst ökologischer wie auch ökonomischer Umgang mit dem Produkt Reifen ein zentrales Anliegen. Einblicke in das diesbezügliche Vorgehen von Krone gab Nachhaltigkeitsmanager Philipp Sander, der insbesondere auf noch vorhandene „Nachhaltigkeits-Potenziale im Aftersales-Netzwerk von Krone” verwies.
Ein vielfältiges Programm erwartete die Teilnehmenden des Runderneuerungsgipfels. Foto: Daniel Lorenz
Beharrlichkeit auf politischer Ebene
Was den Trailerhersteller in seiner Geschäftstätigkeit dabei ebenso wie das AZuR-Team um Netzwerkkoordinatorin Christina Guth beschäftigt, sind bürokratische Vorgaben und Regeln sowie entsprechende Gespräche mit Politikerinnen und Politikern. Gero Schulze Isfort, VDA-Vorstandsmitglied und geschäftsführender Direktor bei Krone verwies als Beispiel etwa auf die die VECTO-Vorgaben, die auch für Krone als Trailerhersteller verpflichtende CO2-Reduktionen – und bei Nichteinhaltung Strafzahlungen – vorschreiben. Einen Kern seiner Ausführungen konnte auch Christina Guth bestätigen: „Gespräche auf politischer Ebene fangen leider immer wieder bei Null an.”
Als entsprechend wichtig erachten es alle Beteiligten, den Ausbau des AZuR-Netzwerks voranzutreiben und sich zudem die Unterstützung weiterer starker Partner und Institutionen zu sichern. Das spiegelte sich auch bei einer Live-Umfrage vor Ort nach den Wünschen der Teilnehmenden an die AZuR-Verantwortlichen wider: Noch mehr politische Lobbyarbeit und die gezielte Vernetzung etwa auch mit Verbänden aus den Bereichen Logistik und Spedition wurden als häufigste Punkte genannt. Nach konkreten Erwartungen an politische Entscheiderinnen und Entscheider gefragt, brachten die Teilnehmende ein wirksames Vorgehen gegen Billigimporte, mögliche Quoten für den Einsatz runderneuerter Reifen sowie die Möglichkeit eines Labels auch für Runderneuerte ins Spiel.
Die vielfach als aktuell besonders drängende Herausforderungen bezichneten Faktoren wie die hohen Energiekosten sowie ein Übermaß an Bürokratie und Regulierungen – etwa die EUDR – dürfen gleichfalls als Auftrag an die Politik verstanden werden. „Diese Punkte nehmen wir als Hausaufgaben mit”, versprach Anna-Maria Guth, die die Veranstaltung moderierte.
Mit Warnwesten ausgestattet, ging es für Besucherinnen und Besucher ins Krone-Werk. Foto: Daniel Lorenz
Kommunale Betriebe im Fokus
Gleichwohl zeigte sich an mehreren Stellen, dass das Wirken des AZuR-Netzwerks Erfolge zeigt. So hat die EU-Kommission inzwischen bestätigt, dass runderneuerte Reifen taxonomiekonform sind. Welche Möglichkeiten das eröffnet, erläuterte Christoph Priewasser von Kraiburg Austria in seinem Vortrag: „Flottenbetreiber, die auf runderneuerte Lkw-Reifen setzen, können ihre Nachhaltigkeitsziele dokumentieren, ihre CO2-Bilanz verbessern und sich so einen Vorsprung bei Ausschreibungen verschaffen, da Nachhaltigkeitskriterien zunehmend entscheidend sind.“ Mit Blick auf die zunehmenden Reifenimporte und deren vielfach nicht immer gegebene Runderneuerungsfähigkeit betonte er jedoch: „Runderneuerung verlangt qualitativ gute Reifen!”
Dass zugleich auch Runderneuerte ihrerseits in qualitativer Hinsicht überzeugen, verdeutlichen unter anderem die Erfahrungen von Christoph Schorsch, Teamleiter der Reifenwerkstatt bei der BSR Berliner Stadtreinigung. Über 80 Prozent der BSR-Fahrzeuge sind mit runderneuerten Reifen unterwegs. Christina Guth will dieses Positivbeispiel nutzen, um insbesondere bei Kommunen verstärkt für den Nutzen der Runderneuerung zu werben. Aktuell scheitere es noch an einer fehlenden Auseinandersetzung mit dem Thema und dem fehlenden Bewusstsein für die Vorteile. In der anschließenden Diskussionsrunde bekräftigte dann auch Daniel Jatzek, Produktionsleiter bei der RuLa-BRW GmbH: „Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten!”
(v.l.n.r.) Diskussionsrunde mit Gero Schulze Isfort (Krone/VDA), Philipp Sander (Krone), Christoph Schorsch (BRS), Daniel Jatzek (RuLa-BRW) und Anna-Maria Guth (AZuR). Foto: Daniel Lorenz
NERO-Projekt blickt auf die Pkw-Runderneuerung
Aufklärungsarbeit in eigener Sache leisteten in Werlte derweil die teilweise noch recht neuen AZuR-Mitglieder BearCut, Cima Impianti, CO2Opt oder SDS Systemtechnik, die ihre Arbeit und ihre Beiträge zum Netzwerk vorstellten. Ein mögliches Recycling-System für RDKS-Sensoren präsentierte darüber hinaus Christian Markert von TireCheck. „Dieser persönliche Dialog ist durch nichts zu ersetzen – er schafft Vertrauen und bringt die Branche gemeinsam nach vorn“, resümierte Christina Guth.
In kleinerem Maßstab leistet das auch die AZuR-Projektgruppe Runderneuerung, die sich etwa alle sechs Wochen trifft. Teil dieser Austauschrunde wiederum ist auch das NERO-Projekt, zu dessen aktuellen Stand im Rahmen des Runderneuerungsgipfels Sebastian Schmitt von der TH Köln referierte. Er konstatierte, dass „der politische Fokus aktuell eher auf dem Recycling denn auf der Runderneuerung liegt”. Mit Blick auf einen sogenannten „Realitäts-Check” der Pkw-Runderneuerung hoffen die Projektverantwortlichen, im kommenden Jahr spätestens zur Tire Cologne Ergebnisse vorlegen zu können. Auf der Branchenmesse soll das Themenfeld Runderneuerung eine zentrale Rolle spielen, weshalb ein separater Runderneuerungsgipfel seitens des AZuR-Netzwerks künftig nur noch in ungeraden Jahren und damit in solchen ohne eine TTC stattfinden soll. Für die diesjährige Auflage des Veranstaltungsfornats bilanziert Christina Guth erfreut: „Der Gipfel hat gezeigt, wie stark das Netzwerk ist, wenn alle Marktbeteiligten gemeinsam anpacken. Unser Ziel bleibt klar: den Marktanteil runderneuerter Reifen in Deutschland deutlich zu erhöhen.“
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„Wir müssen mehr Aufklärung leisten”
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