Volkswagen leitet nach eigenen Angaben einen grundlegenden Kurswechsel bei seinen Elektroautos ein. Der Konzern rumt ein, bei den ursprnglichen Modellen ID.3 und ID.4 falsch gelegen zu haben. Den Auftakt der neuen Phase soll der berarbeitete ID.3 Neo bilden, der vor wenigen Tagen vorgestellt wurde. Danach sollen in kurzer Folge der ID. Polo, der ID. Cross, der ID. Polo GTI und ein erneuerter ID.4 starten.
Markenchef Thomas Schfer, seit 2022 im Amt, beschreibt laut AutoExpress die damalige Lage als Suche nach einer neuen Richtung. Rckblickend habe sich schnell gezeigt, wo es nicht funktionierte. Es war fr mich klar, dass wir gerade unseren Kern verlieren, sagte er. Gemeint gewesen sei das, wofr Volkswagen stehe, und das besondere Volkswagen-Gefhl fr Kunden, Fans und Teams.
Schfer benennt mehrere Fehlentscheidungen beim Kompaktwagen ID.3 und dem Mittelklasse-SUV ID.4. Dazu zhlten Exterieur-Designs, die aus seiner Sicht keine echten Volkswagens gewesen seien, wenig intuitive Bedienelemente wie Klimaregler per Slider sowie eine Markenstrategie, die etablierte Namen und Erscheinungsbilder von Modellen wie Golf, Polo und Tiguan aufgegeben habe. Mit der neuen Generation der Elektroauto-Familie ID. solle das korrigiert werden.
Fr diesen Kurswechsel habe Volkswagen auch intern seine Arbeitsweise verndert. Schfer berichtet, das Management mit 600 Fhrungskrften zusammengebracht und smtliche Zahlen und Probleme ohne Filter auf den Tisch gelegt zu haben. Statt Zurckhaltung habe es Applaus gegeben und die Reaktion, man schaue nun endlich an die richtigen Stellen. Nach etwa 1400 Tagen im Amt trete er nun mit einem starken Team und einem klaren Ziel auf. Man wolle wieder echte Volkswagen-Modelle bauen, Autos, die den Geist der Marke tragen.
„Wir machen viele Kundenkliniken“
An dem Neuaufbau arbeitet Schfer mit Entwicklungsvorstand Kai Grnitz zusammen. Grnitz, seit 30 Jahren im Unternehmen, stellt den frheren Fhrungsstil dem heutigen Vorgehen gegenber. Die Unternehmens-Ikonen Ferdinand Pich und Martin Winterkorn htten ein Gespr dafr gehabt, was Kunden wollten. Er selbst setzt nach eigenen Worten nicht auf Intuition, sondern auf Kundenrckmeldungen. Wir machen viele Kundenkliniken, sagte er. Eine Kundenklinik ist ein Test mit ausgewhlten Kunden, die geplante Fahrzeugideen und Funktionen begutachten und Rckmeldung geben.
Die Entwickler arbeiten demnach nun mit klaren Kundenprofilen und mit Listen mglicher Ausstattungsmerkmale, die Interessenten zur Rckmeldung vorgelegt werden. Dabei gehe es auch um Grundsatzfragen der Bedienung, etwa ob fr Klima und Temperatur berhaupt Tasten ntig seien. Grnitz bezeichnet das als grundlegende Vernderung. Fr die umstrittenen, smartphone-inspirierten Slider im ID.3 macht er den frheren Konzern- und Markenchef Herbert Diess verantwortlich. Wenn ein neuer Vorstandsvorsitzender eine solche Lsung verlange, werde ihr am Ende gefolgt. Genau das htten Schfer und er nun dramatisch verndert, sagte der Entwicklungschef.
VW ID.3 Neo (Zum Vergrern anklicken) | VW
Auch gestalterisch sollte sich Volkswagen neu ausrichten. Schfer bernahm zunchst Klaus Bischoff, den Gestalter der ursprnglichen ID.-Familie, als Designchef, doch die Zusammenarbeit verlief offenbar schwierig. In seinen ersten Designrunden habe Schfer immer wieder gedacht: Das ist nicht Volkswagen. Ende seines ersten Jahres holte er deshalb Andy Mindt von Bentley als neuen Leiter des Volkswagen-Markendesigns, der seit 2026 auch den Titel Leiter Volkswagen Group Design innehat.
Mindt begann unmittelbar nach seinem Wechsel mit der Arbeit und entwarf drei Monate spter das als ID. 2all prsentierte Showcar eines kommenden elektrischen Kleinwagens. Schfer beschreibt dessen Ansatz mit klar, zeitlos und selbstbewusst – das Auto solle auch nach zehn Jahren noch gut aussehen. Die Designlinie des ID. 2all, dessen Serienversion ID. Polo heien wird, setzt auf eine Frontleiste mit freundlichem Gesicht, eine krftige Haltung und klar gepresste Flchen.
Zugleich soll alles von Nutzbarkeit geprgt sein. Dazu gehrt die Rckkehr von Auentrgriffen, die sich Schfers zufolge auch mit vollen Einkaufstaschen gut greifen lassen. Fr ihn sind intuitive Bedienung, Sympathie im Gebrauch, echte Tasten und unmittelbar verstndliche Modellnamen Teil des neuen Ansatzes. Grnitz verknpft diese Aufgabe auch persnlich mit Volkswagen: Sein Vater habe im Unternehmen gearbeitet und Generation um Generation des Golf betreut. Sein Team habe daher ein einfaches Ziel erhalten: Wenn die neuen Fahrzeuge 2026 vorgestellt werden, solle wieder Stolz ber die positiven Rckmeldungen von Familien, Freunden, Kollegen und Kunden mglich sein.
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