Die Kritik europäischer Autohersteller am „Automobilpaket“ der EU wächst. Besonders deutlich äußerte sich der Mercedes-Chef und Präsident des europäischen Herstellerverbands ACEA, Ola Källenius (Artikelbild), der eine grundlegende Kurskorrektur der geplanten Regelungen fordert.
Hintergrund ist ein Entwurf der EU-Kommission vom 16. Dezember 2025, der das ursprünglich geplante Verbrenner-Aus ab 2035 teilweise aufweicht. Statt einer vollständigen Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge sollen Hersteller künftig nur noch 90 Prozent ihrer Neuwagen emissionsfrei zulassen.
Nach Ansicht von Källenius führen die vorgesehenen Ausgleichsmechanismen faktisch dennoch zu einer vollständigen Emissionsfreiheit. „90 Prozent dürfen nicht versteckte 100 Prozent sein”, sagte er laut Automobilwoche vor Journalisten in Brüssel. Der EU-Entwurf sieht vor, die verbleibenden Emissionen durch ein detailliertes Regelwerk zu kompensieren: sieben Prozent durch CO₂-armen Stahl und drei Prozent durch synthetische Kraftstoffe.
Källenius schlägt stattdessen vor, stärker den bestehenden Fahrzeugbestand in der EU einzubeziehen. Rund 250 Millionen Gebrauchtwagen seien weiterhin auf Europas Straßen unterwegs. Schon eine geringe Erhöhung des Anteils synthetischer Kraftstoffe („E-Fuels“) in dieser Bestandsflotte könne einen spürbaren Effekt für das Klima haben. Zugleich betonte er, dass es nicht um eine grundsätzliche Infragestellung der Dekarbonisierung gehe. „Wir führen keine Debatte über das Ob auf dem Weg zur Dekarbonisierung und Elektromobilität. Wir wollen eine Debatte über das Wie – und das ist entscheidend.”
Darüber hinaus forderte der ACEA-Präsident mehr Zeit für die Erfüllung der CO₂-Vorgaben. Die EU-Kommission hatte die Frist bereits verlängert: Statt bis Ende 2025 müssen Hersteller die Grenzwerte nun im Durchschnitt der Jahre bis Ende 2027 erreichen. Källenius plädiert jedoch für eine weitere Ausdehnung auf fünf Jahre.
Besonders kritisch sieht der Automanager die Annahmen hinter den vorgesehenen Kompensationsmaßnahmen. „Ich kenne den Markt für grünen Stahl und weiß, wie unrealistisch es ist, was da gefordert wird“, sagte er. Sollte die Regelung unverändert Gesetz werden, befürchtet er einen möglichen Kollaps des Neuwagenmarktes. Die geplanten Vorgaben hätten das Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Realität und Klimazielen aus seiner Sicht verloren.
Grundsätzlich begrüßte Källenius die „Made in Europe“-Initiative der EU, die Investitionen in die Autoindustrie und die industrielle Fertigung stärken soll. Der am 4. März vorgelegte Entwurf sei jedoch so komplex, dass der Herstellerverband ACEA bislang noch keine abschließende Bewertung abgeben könne.
Zum Artikel Europas Autobauer drängen auf Kurskorrektur beim EU-„Automobilpaket“ auf ecomento.de
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