Die Zahl der offenen Stellen in der deutschen Autoindustrie ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Nach einer Analyse des Mediaforschungsunternehmens Index wurden 86.105 veröffentlichte Stellenangebote gezählt – rund 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor mit etwa 99.000 Anzeigen. 2023 lag die Zahl sogar noch bei 136.000. Der Rückgang betrifft laut der Welt vorliegenden Untersuchung besonders Stellen für Akademiker.
Parallel laufen in der Branche zahlreiche Programme zum Stellenabbau, häufig verbunden mit hohen Abfindungen. Betroffen sind unter anderem der Volkswagen-Konzern, Mercedes sowie Zulieferer wie Schaeffler, Bosch und Mahle. Der Sparkurs spiegelt sich in der Entwicklung der Neu- und Wiederbesetzungen wider. Zunehmend geraten auch Entwicklungsabteilungen unter Druck, die zuvor oft verschont geblieben waren. Dort sank die Zahl offener Stellen um 29 Prozent.
Ein Beispiel ist die Continental-Abspaltung Aumovio, die angekündigt hat, ihre Entwicklungsstellen deutlich reduzieren zu wollen. Auch Mahle will in diesem Bereich zurückfahren. Unternehmenschef Arnd Franz erklärte im Welt-Interview, frühere Projekte hätten nicht den erhofften Erfolg gebracht, „etwa bei Wasserstoff“.
Noch stärker als in der Entwicklung brach die Nachfrage im Management ein: Hier verzeichnet die Analyse einen Rückgang von 37 Prozent. Viele Unternehmen bauen derzeit Führungsebenen ab, um Kosten zu senken. Beim Volkswagen-Konzern wird etwa der organisatorische Aufbau vereinfacht.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Besonders stark ist der Rückgang in Bayern mit minus 32 Prozent, während Baden-Württemberg einen Rückgang von 22 Prozent verzeichnet. Gleichzeitig entstehen neue Jobangebote außerhalb klassischer Autostandorte. In Hamburg testet die Volkswagen-Tochter Moia autonomes Fahren, in Frankfurt baut Aumovio eine eigene Konzernzentrale auf.
Eine Ausnahme bildet der Bereich Recht und Steuern: Dort stieg die Zahl der ausgeschriebenen Stellen um 16 Prozent. Grundlage der Analyse ist der Index-Service „Anzeigendaten“, der 97 Printmedien, 321 Onlinebörsen, das Stellenportal der Bundesagentur für Arbeit sowie rund 969.000 Firmenwebsites auswertet.
Die Autoindustrie hat derzeit mit großen Herausforderungen zu kämpfen: Eine schwächere Konjunktur und sinkende Autoverkäufe führen dazu, dass Unternehmen stärker auf ihre Kosten achten und weniger neue Stellen ausschreiben. Gleichzeitig erhöhen internationaler Wettbewerb, neue Zölle im Handel und günstigere Elektroautos aus China den Druck auf die Hersteller. Der Wandel zur E-Mobilität sorgt für Umstrukturierungen, da für Elektroautos teilweise weniger Arbeitskräfte benötigt werden und Unternehmen deshalb vorsichtiger bei Neueinstellungen sind.
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