Bei Verbrennerautos war Volkswagen lange Markfhrer in China. Mit Elektroautos hat man dagegen bisher nur berschaubaren Erfolg, hier fhren die einheimischen Marken. Die aufstrebenden chinesischen Hersteller machen es dem Traditionskonzern zunehmend auch in anderen Lndern schwer. Dazu uert sich Volkswagen-China-Vorstand Ralf Brandsttter ausfhrlich im Gesprch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Von rund 30 Millionen in China produzierten Fahrzeugen gingen laut dem Manager etwa sechs Millionen ins Ausland, in diesem Jahr voraussichtlich sieben Millionen. Der grere Teil entfalle weiterhin auf gnstige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, zugleich nehme der Anteil der E-Fahrzeuge zu. Besonders stark sei die Prsenz chinesischer Fahrzeuge im globalen Sden. Die Welle reiche von Sdostasien ber den Nahen Osten und Afrika bis nach Sdamerika und prge dort zugleich technologische Standards.
Mit Blick auf den weltgrten Automarkt sagt Brandsttter: „Wir haben uns in den letzten drei Jahren mit unserer ‚In China, fr China‘-Strategie auf den sehr harten Wettbewerb im Markt ausgerichtet. Mit dieser Kostenbasis knnen wir fr den Konzern jetzt neue Mrkte erschlieen.“
Hinsichtlich geopolitischer Spannungen verweist der Manager auf ein robusteres Geschftsmodell. VW entwickle und baue seine Autos in China komplett vor Ort, mit eigener Software-Architektur und eigenen Plattformen. Zugleich entstnden zwei Technologie-Sphren fr Westen und Osten mit unterschiedlichen gesetzlichen Vorgaben und Standards. Der Konzern habe dafr eigenstndige technische Lsungen und Partner fr die Regionen aufgebaut.
„Wir kommen sicher nicht zu den Superrenditen frherer Jahre zurck“
VW habe seine Kapazitten an die Markterwartungen angepasst und treibe die Umstellung der Werke auf E-Mobilitt voran. Im laufenden Jahr solle im Durchschnitt alle zwei Wochen ein neues E-Fahrzeug auf den Markt kommen, fast alle in China entwickelt. Im ersten Quartal habe man im Wettbewerbsvergleich „ordentlich“ abgeschnitten, vor allem mit Verbrennern. „Wir kommen aber sicher nicht zu den Superrenditen frherer Jahre zurck. Diese Zeiten sind vorbei. Dafr ist der Wettbewerb in China mittlerweile viel zu gro“, rumt Brandsttter ein.
Bei Elektroautos will VW den eigenen Marktanteil ausbauen, rechnet aber erst schrittweise mit sprbaren Effekten. Viele neue Produkte kmen erst in der zweiten Jahreshlfte, die volle Wirkung der Modelloffensive werde 2027 erwartet. Im Verbrennergeschft liege der Marktanteil bei 22 Prozent. Ziel sei es, fhrender internationaler Hersteller in China zu bleiben und zugleich zu den drei fhrenden Unternehmen im Markt zu gehren. Das ist ein Marathon, betont Brandsttter.
Fr den Gesamtmarkt erwartet VWs China-Topmanager eine Bereinigung nicht kurzfristig, sondern eher mittelfristig gegen Ende des Jahrzehnts. Kleinere Unternehmen drften es schwerer haben, wiederholt zu investieren, ohne Gewinne zu erzielen. Zugleich habe die chinesische Regierung das Regelwerk verschrft, gehe strker gegen unfaire Wettbewerbspraktiken vor, fahre Subventionen auf Provinzebene zurck und verlange, dass Zulieferer innerhalb bestimmter Fristen bezahlt werden.
Unterschiedliche Kundenerwartungen in China und Europa
Als einen zentralen Unterschied zwischen China und Europa beschreibt Brandsttter die Erwartungen der Kunden. In China seien Neuwagenkufer im Durchschnitt 34 Jahre alt und mit fortschrittlicher Digitalisierung aufgewachsen. Das Auto werde dort als Erweiterung des Lebensraums wahrgenommen, digitale Funktionen, Unterhaltung und Einbindung in das digitale kosystem seien entsprechend wichtig. In Europa liege das Durchschnittsalter von Neuwagenkufern bei 54 Jahren, das Auto sei in der Breite vor allem ein Transportmittel. Unterschiede gebe es auch bei Assistenzsystemen und beim Einsatz von Sprache, Bildschirmen und analogen Bedienelementen.
Technologische Fhigkeiten lieen sich nicht ohne Weiteres von China nach Europa bertragen, weil regionale Anforderungen verschieden seien. In der Volksrepublik finde Verkehr vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten statt, in Deutschland msse Technik auch bei hohen Geschwindigkeiten zuverlssig funktionieren. Zugleich bertrgt VW Brandsttter zufolge Prozesse aus China nach Deutschland, etwa schnellere Entwicklungszyklen und eine strker softwaregetriebene Fahrzeugentwicklung. In China bringe man Fahrzeuge in 24 bis 36 Monaten auf die Strae.
Mit Blick auf den neuen Fnfjahresplan sieht Brandsttter in China einen klaren Schwerpunkt auf Innovationen. Die Ausgaben fr Forschung und Entwicklung sollen jhrlich um sieben Prozent steigen, ein groer Teil davon fliee in Knstliche Intelligenz, Quantencomputing und Robotik. Fr Deutschland fordert er einen strkeren Fokus auf Forschung und Entwicklung sowie mehr Verlsslichkeit in der Umsetzung groer Transformationsthemen. Als Beispiel nennt Volkswagens China-Vorstand die langfristig festgelegte Frderung von Elektroautos in China bis 2027.
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