Jeroen van Tilburg, CEO des europischen Ladesulenbetreibers Ionity, hat sich im Interview mit dem Tagesspiegel zur Debatte ber Preise und Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland geuert. Elektromobilitt, so der Kontext, ist auf eine verlssliche und bezahlbare Ladeinfrastruktur angewiesen, doch hohe Preise und langsamer Ausbau sorgen regelmig fr Kritik.
Ionity ist ein 2017 gegrndetes Joint Venture der Automobilhersteller BMW, Mercedes, Volkswagen, Ford, Hyundai Motor Group sowie des Finanzinvestors BlackRock. Nach dem Fokus auf ffentlicher Schnellladeinfrastruktur an Autobahnen stehen nun verstrkt auch Stromtankstellen im urbanen Raum im Fokus des Netzausbaus.
Ionity-Chef Van Tilburg widerspricht der verbreiteten Wahrnehmung ber zu hohe Ladepreise. Die Menschen vergleichen den Strompreis unterwegs mit ihrem Haushaltsstrompreis, der natrlich deutlich niedriger liegt. Aber das ist so, als ob man den Preis fr Leitungswasser mit dem fr Mineralwasser in einem Rasthof vergleichen wrde, erklrt er. Zudem verweist er darauf, dass viele Kostenbestandteile insbesondere Netzentgelte, Steuern und Abgaben staatlich bestimmt seien und vom Unternehmen nicht beeinflusst werden knnten.
Gleichzeitig hebt er den Zeitvorteil des Schnellladens hervor. Whrend das Laden zu Hause viele Stunden dauere, ermgliche Ionity deutlich krzere Ladezeiten. Zudem relativiert er die ffentliche Wahrnehmung hoher Preise: Die mehr als 80 Cent pro Kilowattstunde werden fr Schlagzeilen genutzt, aber Studien zeigen, dass 83 Prozent der E-Auto-Fahrer in Deutschland noch nie oder sehr selten so viel gezahlt haben.
Als zentrale Voraussetzung fr sinkende Preise nennt van Tilburg einen schnelleren Hochlauf der Elektromobilitt. Mehr Fahrzeuge wrden die Fixkosten besser verteilen. In Deutschland werde dies jedoch durch komplexe Regulierung ausgebremst. Genehmigungsprozesse und Netzanschlsse dauerten deutlich lnger als in anderen Lndern, wodurch sich Projekte verzgerten.
„Deutsche Brokratie killt viel Zeit und Ressourcen“
Besonders kritisch sieht der Ionity-Boss die brokratischen Hrden. Ladeparks knnten in anderen Lndern innerhalb weniger Monate entstehen, whrend es in Deutschland bis zu zwei Jahre dauere. Unterschiedliche Zustndigkeiten und fehlende Standardisierung erhhten die Komplexitt erheblich. Van Tilburg fordert daher vereinfachte Verfahren, bundesweite Standards und feste Fristen.
Trotz dieser Herausforderungen sieht sich Ionity auf Kurs. Bis 2030 plant das Unternehmen Investitionen von bis zu 600 Millionen Euro und den Ausbau auf 13.000 Ladepunkte. Ionity arbeitet eigener Aussage nach bereits profitabel, whrend ein Groteil der Schnellladeinfrastruktur in Europa noch nicht rentabel sei. Ein Grund dafr sei die geringe Auslastung: Statt der ntigen rund 100 Fahrzeuge pro Sule seien es derzeit etwa 60.
Kritik bt van Tilburg an der ffentlichen Debatte in Deutschland. Nicht das Ziel des „Verbrenner-Aus“ bis 2035 sei problematisch, sondern die Kommunikation darber. Diese sorge fr Verunsicherung bei Verbrauchern und bremse die Entwicklung. Ionity sei daher aus dem Autoverband VDA ausgetreten und lsst seine Positionen nun ber einen anderen Verband vertreten.
Technologisch zeigt sich van Tilburg optimistisch. Ionity arbeite an neuen Ladeleistungen, darunter Megawattladen mit bis zu 1000 Kilowatt. Erste Standorte existierten bereits, weitere seien geplant. Auch die bestehende Ladeinfrastruktur werde weiter ausgebaut. Fr den Manager steht fest: Die Zukunft ist um die Ecke.
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