Renault steht vor einer strategischen Neuausrichtung. Im März will der französische Autobauer seinen neuen Mittelfristplan vorstellen, der den Namen „FutuREady“ trägt. Schon jetzt kündigt Konzernchef François Provost im Gespräch mit AutoExpress an, an Erfolgsmodelle wie den neuen Twingo, den Renault 5 und die Scenic-Modelle anzuknüpfen. Ziel ist es, Fahrzeuge, Technologien und Arbeitsweisen in den kommenden vier Jahren weiterzuentwickeln, Kosten zu senken und dem wachsenden Wettbewerbsdruck – insbesondere aus China – zu begegnen.
Provost übernahm den Chefposten vor sieben Monaten von Luca de Meo. Dessen „Renaulution“-Programm hatte tiefgreifende Einschnitte gebracht: Kosten wurden gesenkt, das Unternehmen restrukturiert und 22 neue Modelle eingeführt. Renault wandelte sich so von einem Verlust in Höhe von sieben Milliarden Euro zu Rekordgewinnen. Provost, zuvor Einkaufschef und seit 23 Jahren im Unternehmen, will diesen Kurs fortsetzen.
„Das Produkt war das Herzstück unseres Renaulution-Plans und wird auch im nächsten Mittelfristplan oberste Priorität haben“, so Provost. Geplant ist ein zweiter Zyklus erfolgreicher Neuprodukte in Europa. Hintergrund ist die Erfahrung, dass Renault nach starken Modellreihen oft an Schwung verlor. Provost will verhindern, dass sich dieser Zyklus wiederholt und drängt auf eine kontinuierliche Erneuerung der Palette.
Ein besonderer Fokus liegt auf größeren und margenstärkeren Fahrzeugen des C-Segments (Kompaktklasse). Modelle wie der elektrische Kompaktwagen Mégane und das SUV Austral haben bislang keinen durchschlagenden Verkaufserfolg erzielt. Künftig soll eine neue Plattform die Basis für mittelgroße und große Fahrzeuge bilden. Diese Architektur wird auch die Serienversion des Embleme-Konzepts (Artikelbild) tragen, das als möglicher Nachfolger des Espace gilt. Die ersten Modelle auf dieser Plattform sind ab 2028 vorgesehen.
Renault setzt auf Flexibilität
Technologisch setzt Renault auf Flexibilität. Obwohl das Unternehmen an der Elektromobilität festhält, reagiert es auf die stockende Nachfrage mit einem verstärkten Hybridangebot. Die neue Plattform soll sowohl reine Elektro- als auch Hybridantriebe ermöglichen. Für größere Fahrzeuge prüft Renault sogenannte Range-Extender-Hybride, bei denen ein 1,5-Liter-Verbrennermotor als Stromgenerator dient. „Der Super-Hybrid kann Menschen helfen, mit weniger Angst in die elektrische Welt einzusteigen“, so Produktchef Bruno Vanel im Gespräch mit AutoExpress.
Im Kleinwagensegment setzt Renault weiter auf eigenständige Elektrofahrzeuge wie den Renault 5 sowie auf Hybridlösungen für Modelle wie Clio und Captur. Provost kündigte Investitionen in die bestehende Hybridplattform an und formulierte ein ehrgeiziges Ziel: Renault wolle Toyota als Marktführer in Europa für kleine und mittlere Hybridfahrzeuge ablösen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Beschleunigung von Entwicklungsprozessen. Bereits unter de Meo hatte Renault in Shanghai ein Entwicklungszentrum aufgebaut, um von der Geschwindigkeit chinesischer Hersteller zu lernen. Der neue Twingo mit einer Entwicklungszeit von 21 Monaten gilt als Maßstab. „Wir müssen unsere Agilität stärken“, betonte der neue CEO Provost. Entscheidend sei ein Mentalitätswandel, damit Ingenieure und Organisation ähnlich schnell arbeiten wie die Konkurrenz aus China.
Neben Europa rücken internationale Märkte stärker in den Fokus. 2025 verkaufte Renault etwas mehr als eine Million Fahrzeuge in Europa sowie 621.000 Einheiten in Überseemärkten wie der Türkei und Marokko. Mit einem Investitionsprogramm von drei Milliarden Euro sollen in vier Jahren acht neue Modelle außerhalb Europas eingeführt werden. Schwerpunkte sind Südamerika und Indien. Ziel ist es, Skaleneffekte zu steigern, die Entwicklungskapazitäten global zu nutzen und die Umsätze außerhalb Europas zu verdoppeln.
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