Führungskräfte in der Automobilbranche blicken mit größerer Sorge auf ihre berufliche Zukunft als Manager in jeder anderen Industrie. Das geht aus dem „2026 Disruption Index“ der Beratung AlixPartners hervor, von dem Automotive News berichtet. Mehr als vier von zehn befragten Auto-Managern äußerten demnach Bedenken hinsichtlich ihrer Arbeitsplatzsicherheit. Branchenübergreifend lag dieser Wert bei durchschnittlich 28 Prozent.
Die wachsende Verunsicherung steht im Zusammenhang mit einer weiteren zentralen Erkenntnis der Studie: Die Automobilindustrie gilt bereits zum zweiten Mal in Folge als weltweit am stärksten von Umbrüchen betroffene Branche. Mehr als 3000 Führungskräfte aus elf Ländern vergaben für den Sektor den höchsten Disruptionswert von 74. Einige Entscheider aus Autoherstellern, Autohäusern, Servicezentren, dem Aftermarket und autoaffinen Dienstleistungen berichteten sogar von noch stärkeren Verwerfungen als im Vorjahr.
An der Befragung nahmen ausschließlich Manager auf Direktorenebene oder höher teil, 60 Prozent davon aus dem C-Level (oberste Führungsebene). Die Unternehmen erzielten mindestens 100 Millionen Dollar Umsatz, die Hälfte eine Milliarde Dollar oder mehr. Die Erhebung wurde im Herbst 2025 durchgeführt – in einem Jahr, das von Zöllen, einem daraus resultierenden Handelskonflikt mit China, anhaltend hoher Inflation sowie den Herausforderungen der Elektromobilität und softwaredefinierter Fahrzeuge geprägt war.
Große Herausforderungen
Als größte Störfaktoren nannten die Befragten Protektionismus und Zölle, geopolitische Konflikte sowie Inflation und steigende Zinsen. Hinzu kommen tiefgreifende technologische Veränderungen, die bestehende Geschäftsmodelle infrage stellen.
Dan Hearsch von AlixPartners: „Wenn man ein wirklich drastisch anderes Produkt einführt, mit anderen Testanforderungen, anderen Entwicklungsanforderungen, anderen Entwicklungszyklen, anderen Fähigkeiten und einer anderen Geschwindigkeit bis zur Markteinführung, stellt das grundlegend infrage, was für die Führung dieses Geschäfts wichtig ist.“ Die Art der Disruption verschiebe sich stärker als in den Vorjahren, was für Unternehmen entscheidend sei.
Trotz der Unsicherheit sehen viele Führungskräfte auch Chancen. 72 Prozent der Befragten erkennen eine positive Seite in den Umbrüchen rund um autonome Fahrzeuge, Fahrerassistenzsysteme, künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und softwaredefinierte Fahrzeuge. Unternehmen und Analysten verweisen darauf, dass autonome Fahrzeuge und Software-Abonnements neue Einnahmequellen erschließen könnten.
Allerdings erschweren die langen Entwicklungszyklen der Branche eine schnelle Monetarisierung neuer Technologien. Laut Hearsch nutzen Auto-Manager künstliche Intelligenz (KI) seltener zur Umsatzsteigerung als Führungskräfte anderer Industrien. Stattdessen setzen Unternehmen KI vor allem ein, um Kosten zu senken – angesichts weiterhin hoher Preise für Materialien, Komponenten und Transport.
Hearsch betont den strukturellen Unterschied der Branche: „Es unterstreicht wirklich, wie unterschiedlich der Entwicklungszyklus in der Automobilindustrie im Vergleich zu anderen Konsumgütern ist, selbst zu anderen langlebigen Konsumgütern.“ Die Transformation trifft die Branche damit in ihrem industriellen Kern – und verstärkt die Nervosität an der Spitze.
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