Eine Analyse des Beratungsunternehmens AlixPartners zeigt auf Basis einer internationalen Befragung von ber 1000 Fhrungskrften aus Automobil-, Zuliefer- und Technologieunternehmen deutliche Unterschiede im Wettbewerb um softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV). Demnach geraten westliche Hersteller und Zulieferer insbesondere bei zentralen Software-Steuerungspunkten, Wiederverwendbarkeit und Wirtschaftlichkeit ber den Lebenszyklus ins Hintertreffen. Chinesische Akteure bauen derweil ihren Vorsprung aus.
Himanshu Khandelwal von AlixPartners beschreibt SDV als die eigentliche Zukunft der globalen Automobilindustrie. Diese Zukunft werde derzeit in erheblichem Ma von chinesischen Herstellern und Technologieunternehmen geprgt. Khandelwal warnt, westliche Unternehmen liefen Gefahr, zu viel Einfluss an entscheidenden Steuerungspunkten abzugeben. Das schrnke Flexibilitt ein, verschlechtere Kostenpositionen und knnte die Nutzung operativer Vorteile ber den gesamten Fahrzeuglebenszyklus erschweren.
Chinas SDV-Vorsprung wchst
Die Befragung der Fhrungskrfte aus Nordamerika, Europa und Asien zeigt, dass chinesische Automobilhersteller strker auf den Aufbau und die Skalierung von SDV-Fhigkeiten fokussiert sind. Westliche Hersteller hingegen arbeiten laut der Studie hufig mit lteren Plattformen, fragmentierten Softwarestrukturen und bergangsarchitekturen. Dies erhhe die Abhngigkeit von externen Partnern und erschwere die vollstndige Ausschpfung von Investitionen in SDV.
Ein weiterer Faktor fr die der Studie zufolge enttuschenden Renditen ist die zunehmende Ablehnung von Abonnementmodellen durch Kunden. Die Folge seien niedrigere Verlngerungsraten als erwartet.
Zustzlich geraten Tier-1-Zulieferer unter Druck. Hersteller betrachten laut der Umfrage insbesondere Cloud, knstliche Intelligenz, Rechenleistung, Daten und sogenannter Middleware als entscheidende Steuerungspunkte. Gleichzeitig werde die Rolle des Systemintegrators zunehmend von den Automobilherstellern selbst bernommen, was den Handlungsspielraum traditioneller Zulieferer einschrnkt.
Westliche Hersteller kmpfen mit Altlasten und Monetarisierung
Die Daten zeigen mehrere strukturelle Unterschiede: 41 Prozent der chinesischen Hersteller entwickeln SDV-Initiativen intern, gegenber 27 Prozent im Westen. Zudem setzen 59 Prozent der chinesischen Anbieter auf entkoppelte Technologie-Stacks, whrend 70 Prozent der westlichen Hersteller weiterhin mit einheitlichen, nachgebesserten Systemen arbeiten. Auch bei den Architekturen bestehen Unterschiede: 39 Prozent der chinesischen Unternehmen nutzen zentrale oder zonale Strukturen, whrend 67 Prozent der westlichen Hersteller hybride Anstze einsetzen.
Laut der Studie monetarisieren 94 Prozent der westlichen Hersteller derzeit weniger als die Hlfte ihrer SDV-Funktionen. Als Grnde werden technische Einschrnkungen und Kundenwiderstand genannt.
Sebastian Boeswald von Berylls by AlixPartners: Die Tatsache, dass praktisch alle westlichen Automobilhersteller bei der Monetarisierung von SDV-Funktionen scheitern, sagt viel aus. Er ergnzt, dass Kunden bei Fahrzeugen im Preisbereich von 50.000 bis 100.000 US-Dollar automatische Over-the-Air-Updates erwarten, jedoch berwiegend nur Fehlerbehebungen erhielten.
Darber hinaus weist die Studie darauf hin, dass sich die Annahme eines global einheitlichen Fahrzeugmodells abschwcht. Chinesische Unternehmen wrden sich schneller an eine Welt mit getrennten Technologie-Stacks anpassen als westliche Hersteller, die weiterhin versuchen, in China zu operieren.
SDV erzwingt Umbau von Geschftsmodellen und Strukturen
Die Ergebnisse deuten den Beratern zufolge auf eine umfassendere Herausforderung hin. Um wettbewerbsfhig zu bleiben, mssten westliche Hersteller und Zulieferer nicht nur ihre Geschftsmodelle, sondern auch ihre Betriebsstrukturen berdenken. Dabei gehe es zunehmend darum, Kosten ber den gesamten Fahrzeuglebenszyklus durch Wiederverwendung, effizientere Updates, Qualitt, Garantien und Geschwindigkeit zu optimieren.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Investitionen: 36 Prozent der chinesischen Hersteller investieren mehr als die Hlfte ihres Forschungs- und Entwicklungsbudgets in SDV. In den USA und Europa tun dies nur 21 Prozent der Unternehmen.
Auch bei der Wiederverwendung von Software bestehen Unterschiede: 48 Prozent der chinesischen Hersteller erreichen eine Wiederverwendung auf Plattformebene, gegenber 33 Prozent im Westen. Bei stark skalierenden Technologieunternehmen liegt dieser Wert bei 39 Prozent, whrend nur 19 Prozent der Tier-1-Zulieferer weltweit entsprechende Wiederverwendung erzielen.
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