Bidirektionales Laden: Wie es sich finanziell auszahlen kann

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Die Einspeisung von Strom aus Fahrzeugbatterien kann sich für Nutzer von E-Autos finanziell lohnen und gleichzeitig dem Stromsektor dienen. Das verdeutlicht eine Analyse der Denkfabrik Agora Verkehrswende, in der mögliche Erlöse durch bidirektionales Laden im Jahr 2030 berechnet wurden.
Agora Verkehrswende empfiehlt, die Anwendung der Technologie durch eine Reform der politischen Rahmenbedingungen möglichst attraktiv zu machen, um einerseits Kosten für Elektroautos zu senken und andererseits ihre Speicherkapazität für die Energiewende zu nutzen.
„Elektrofahrzeuge bieten dem Stromsystem wichtige Flexibilität. Indem sie Strom aus ihrer Batterie ins Netz einspeisen, können sie schwankende Verfügbarkeiten von Wind- und Solarenergie ausgleichen und die Netzstabilität erhöhen. Das ermöglicht einen größeren Anteil erneuerbarer Energien am Strommix und günstigere Strompreise. Gleichzeitig können die finanziellen Anreize den Hochlauf der Elektromobilität beschleunigen. Im besten Falle können damit die Stromkosten für die jährliche Fahrleistung eines E-Autos vollständig kompensiert werden – emissionsfrei zum Nulltarif!“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Finanzielle Vorteile für E-Autofahrer
Laut der Analyse, die das Reiner-Lemoine-Institut im Auftrag von Agora Verkehrswende angefertigt hat, ermöglicht die Vermarktung des Stroms in Fahrzeugbatterien Erlöse von mehreren hundert Euro pro Elektrofahrzeug und Jahr. Indem das Fahrzeug bei niedrigen Strompreisen lädt und bei höheren Strompreisen ins Netz einspeist, lassen sich durch den Handel am Strommarkt im Jahr 2030 voraussichtlich Erlöse von bis zu 500 Euro jährlich erzielen. Wird das Auto zusätzlich durch eine eigene Photovoltaikanlage geladen – und als Speicher für den Haushalt genutzt – können die Erlöse sogar noch höher ausfallen.
Die prognostizierten Erlöse sind allerdings stark von Strompreisen und Marktbedingungen abhängig. „Die Bundesregierung sollte insbesondere die Einspeisung ins allgemeine Stromnetz (‚Vehicle-to-Grid‘) finanziell attraktiver machen – denn diese Anwendung nutzt auch dem Stromsektor“, erklären die Studienautoren. Eine Möglichkeit dafür böten etwa flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA). Durch sie könnten Netzbetreiber sicherstellen, dass das Laden und Entladen netzverträglich erfolgt. Im Gegenzug reduzierten sie Netzentgelte für zwischengespeicherten Strom, was die individuellen Stromkosten signifikant senken würde. Hilfreich wären außerdem mehr Aufklärung und Vertrauensbildung unter Nutzern von E-Autos.
Eine wachsende Zahl von Fahrzeugen und Wallboxen verfügt inzwischen über die Voraussetzungen, bidirektionale Anwendungen umzusetzen. Die größte technische Hürde bleibt der stockende Ausbau intelligenter Messsysteme, sogenannter Smart Meter.
„Reformen der politischen Rahmenbedingungen erforderlich“
„Um das Potenzial des bidirektionalen Ladens voll auszuschöpfen, sind Reformen der politischen Rahmenbedingungen erforderlich“, sagt Fanny Tausendteufel, Projektleiterin bei Agora Verkehrswende. „Es gilt, ein effizientes Regelwerk zu schaffen, das tragfähige Geschäftsmodelle für Vehicle-to-Grid-Anwendungen ermöglicht. Wer die Flexibilität seines E-Autos für das Stromsystem zur Verfügung stellt, sollte davon auch finanziell profitieren.“
Für die Analyse wurden vorhandene wissenschaftliche Daten und Erkenntnisse zusammengeführt und ausgewertet sowie Interviews mit Experten geführt. Das Papier nennt Handlungsoptionen für eine breite Nutzung des bidirektionalen Ladens sowie Berechnungen für mögliche Erlöse im Jahr 2030 für drei verschiedene Fälle: Private E-Pkw ohne Photovoltaikanlage, private Pkw mit Photovoltaikanlage und gewerbliche Lkw mit Photovoltaikanlage.
Die Analyse „Bidirektionales Laden. Wie es sich finanziell auszahlen kann, die Antriebsbatterien von Elektrofahrzeugen als Speicher für das Stromnetz einzusetzen.“ ist online hier verfügbar.

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