Die Händler von Volkswagen und Audi erwarten in diesem Jahr weiter steigende Autopreise. „Wir sehen zunehmenden Preisdruck, gleichzeitig steigen die Kosten“, sagte Alexander Sauer-Wagner, Vorsitzender des VW- und Audi-Partnerverbands, dem Handelsblatt.
Gestiegene Zinsen, höhere Energie- und Personalkosten sowie wachsende Bürokratie lasteten auf den Autohäusern, erklärte Sauer-Wagner. „Wir arbeiten heute mehr, dokumentieren mehr, berichten mehr – aber am Ende bleibt weniger hängen.“
Für das vergangen Jahr zieht der Vorsitzende des VW- und Audi-Partnerverbands eine gemischte Bilanz. Der Absatz der VW-Kernmarke sei auf einem „ordentlichen Niveau“, der Marktanteil liege wieder bei rund 20 Prozent – mit Verbrennern wie Elektroautos. Bei Audi spüre man aber eine deutliche Kaufzurückhaltung im Premiumsegment. Der intensive Wettbewerb führe dazu, dass Kunden genau vergleichen. Die Listenpreise würden „in der Tendenz deshalb eher steigen“.
Für elektrische Autos sieht Sauer-Wagner dennoch Verkaufspotenzial. Maßgeblich sei nicht primär der Listenpreis, sondern die monatliche Leasingrate. „Elektromobilität läuft heute fast ausschließlich über Leasing. Wenn wir mit der Rate unter das Niveau eines vergleichbaren Verbrenners kommen, funktioniert der Verkauf.“ Für dieses Jahr halte er bei Audi und VW eine Annäherung der Leasingraten von E- und Verbrenner-Modellen für möglich.
„Auf dem ID.Polo liegen für uns große Hoffnungen“
Bei VW liegen laut Sauer-Wagner vor allem auf dem bald startenden Elektro-Kleinwagen ID. Polo „große Hoffnungen“. Die Marke stehe für bezahlbare Mobilität, mit diesem Modell löse man dieses Versprechen endlich wieder ein.
Darauf angesprochen, dass die Einstiegsvariante des ID. Polo für 25.000 Euro Insidern zufolge erst später bestellbar sein könnte, wurde Sauer-Wagner nicht konkret. Er verwies lediglich auf die hohe Komplexität von Produktionsanläufen. „Aber jeder Tag, den der ID. Polo eher in unseren Verkaufsräumen steht, ist für uns ein guter Geschäftstag. Mit der Einstiegsvariante wollen und können wir dann die Käufer zurück zur Marke holen, die in den vergangenen Jahren bei anderen Marken zugegriffen haben.“
Die geplante Lockerung vom „Verbrenner-Aus“ durch die EU sieht Sauer-Wagner nicht als hinderlich an. „Langfristig denke ich, dass sich die Elektromobilität durchsetzen wird. Aber ohne klare politische Linie verschiebt sich die Entscheidung vieler Kunden.“ Eigentlich sollten in der EU ab 2035 nur noch Fahrzeuge neu zugelassen werden können, die nicht fossil angetrieben werden. Das will Brüssel aber nun aufweichen, darauf haben die Autobranche und auch Politiker zunehmend gedrängt.
VW hat die Händlermarge bei Elektroautos gekürzt. Dieser Effekt werde überschätzt, sagte Sauer-Wagner. Spätestens nach einem Jahr hätten sich die Händler daran gewöhnt, dann sei man wieder auf dem alten Niveau. „Entscheidend sind weniger die Margen für uns Händler als vielmehr die Verkaufshilfe-Budgets des Herstellers. Die sind um ein Vielfaches höher.“ Trotzdem setze so eine Kürzung setzt falsche Anreize. „Wir müssen mehr E-Autos verkaufen – schon allein wegen der CO₂-Compliance.“
In diesem Jahr wird der Elektro-Anteil angesichts der voraussichtlich weniger strengen EU-Vorgaben für die Automobilhersteller nach Meinung von Sauer-Wagner weiter steigen, „aber nicht explosionsartig“. Verbrenner blieben wichtig, ebenso Plug-in-Hybride. „Wir werden alle Antriebe nebeneinander anbieten, um dem Kunden eine echte Wahl zu ermöglichen.“
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