Anfang März stehen bei Tesla im deutschen Werk Grünheide nahe Berlin Betriebsratswahlen an. CEO Elon Musk hat sich per Videobotschaft an die Belegschaft in Brandenburg gewandt. Darin droht er mit einem Ende der Werkserweiterung, wenn der Standort nicht „frei von externen Einflüssen“ bleibe. Damit meinte er laut Medienberichten unter Berufung auf Teilnehmer der internen Veranstaltung in Grünheide die IG Metall. Einen Mitschnitt des Videos gibt es nicht.
„Nun, die Dinge werden sicherlich schwieriger, wenn es sozusagen externe Organisationen gibt, die Tesla in die falsche Richtung drängen“, wird Musk zitiert. „Wir werden die Fabrik nicht schließen, aber realistisch gesehen werden wir auch nicht erweitern.“
Dass Musk gewerkschaftlich organisierte Arbeit ablehnt, ist schon länger bekannt. In Grünheide verfolgt diese Linie für ihn der deutsche Werkleiter André Thierig. Die Lage zwischen dem Management und der Gewerkschaft hat sich vor der anstehenden Wahl zuletzt dramatisch zugespitzt: Eine angebliche heimliche Laptop-Aufnahme sorgte im deutschen Tesla-Werk für Wirbel und könnte rechtliche Konsequenzen haben. Die IG Metall wehrt sich juristisch gegen die Vorwürfe.
Der Spiegel schreibt von einem „Kulturkampf“: Auf der einen Seite stehe mit Tesla ein libertär geprägter US-Techkonzern, der die Gewerkschaft aus dem Unternehmen raushalten will. Auf der anderen Seite sei eine deutsche Arbeitnehmervertretung, die Mitbestimmung gewohnt ist und diese auch in der Gigafabrik einfordert. Die IG Metall stellt derzeit im Tesla-Betriebsrat die größte Fraktion, es haben sich aber andere Listen zusammengeschlossen und verfügen so über eine Mehrheit.
Die jüngste Aussage des Tesla-CEO zum Standort Grünheide ist Berichten zufolge während eines Videointerviews mit Musk vor der Belegschaft gefallen. Das vorab aufgezeichnete Gespräch führte Werkleiter Thierig zusammen mit Musk in Austin in Texas, am Mittwoch wurde es – in Anwesenheit von Thierig – in der deutschen Fabrik vorgespielt. Nach „einer Weile“ im Gesprächsverlauf soll Thierig dann Musk gefragt haben: „Hast du einen Rat für das Team in ‚Giga Berlin‘, wie wir auf deine Vision hinarbeiten können?“ Daraufhin soll der CEO die obigen Aussagen getätigt haben.
„Eine der coolsten Fabriken der Welt“
Im weiteren Verlauf sprach Musk von „einer der coolsten Fabriken der Welt“. „Giga Berlin ist eine fantastische Fabrik“, wird er zitiert. „Die Stimmung dort ist cool. Wenn man herumläuft, wissen Sie, es ist sehr sauber, es ist innen und außen ziemlich schön.“ Tesla habe „gerade damit begonnen, die Produktion der Batteriezellen hochzufahren“. Zuletzt hieß es eigentlich, das Unternehmen sehe die schon länger geplante Akkufertigung in Brandenburg erst ab 2027 vor.
Auch die Fertigung des Mittelklasse-SUV Model Y soll Musk zufolge skaliert werden, „besonders sobald wir die Genehmigung für mehr überwachte Full-Self-Driving-Funktionen bekommen“. Das nächste große Produkt werde „höchstwahrscheinlich das Tesla Cybercab“, also Teslas neues Robotaxi. Aber es gebe auch Möglichkeiten für den humanoiden Roboter Optimus und den E-Lkw Semi. „Tesla hat also viele Produkte in der Pipeline, es gibt viel Potenzial. Ich denke, wenn die Dinge gut laufen, würden wir Giga Berlin so weit wie möglich ausbauen“, erklärte der CEO.
Auf den Einwand Thierigs, dass man in Grünheide „viel Platz“ habe, soll Musk geantwortet haben: „Nun, vorausgesetzt, dass die Behörden unterstützend sind und die Menschen unterstützend sind. Dann würden wir wahrscheinlich erweitern, um es zum größten Fabrikkomplex in Europa zu machen.“
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