Der Übergang zu noch nachhaltigeren Elektroautos gewinnt an Dynamik. Das zeigt die vierte Ausgabe des „Lead the Charge Auto Supply Chain Leaderboard“, das 18 globale Automobilhersteller danach bewertet, wie konsequent sie ihre Lieferketten für Elektrofahrzeuge nachhaltiger, gerechter und fossilfrei gestalten. Dem Bericht zufolge zeichnen sich Fortschritte ab: Eine Mehrheit der Hersteller beginnt damit, ihre Lieferketten systematisch zu verbessern.
Das Ranking wurde von einem Netzwerk aus Klima-, Menschenrechts- und Investorengruppen veröffentlicht. Es bewertet Automobilkonzerne anhand von 88 Indikatoren. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass ein besonders umweltfreundliches Elektroauto bereits in greifbarer Nähe liegt. Würden alle Hersteller die jeweils besten Praktiken ihrer Wettbewerber übernehmen, ließe sich eine Gesamtbewertung von 86 Prozent erreichen. Damit zeige sich, dass „ein noch saubereres Elektrofahrzeug der Zukunft in Reichweite ist“.
Fünf Hersteller setzen Maßstäbe bei nachhaltigen Lieferketten
An der Spitze des Rankings steht eine Gruppe von fünf Herstellern: Ford, Mercedes, Tesla, Volvo und Volkswagen. Diese Unternehmen haben seit der ersten Ausgabe der Rangliste Fortschritte erzielt, die doppelt so schnell sind wie bei den übrigen 13 Herstellern. Sie setzen verstärkt Maßnahmen um, um Materialien zu dekarbonisieren und Umwelt- sowie Menschenrechtsprobleme in ihren Lieferketten zu reduzieren.
Ein Beispiel dafür sind Investitionen in emissionsärmere Metalle. Volvo und Mercedes haben erhebliche Mittel in die Dekarbonisierung von Stahl und Aluminium investiert und veröffentlichen inzwischen konkrete Mengenangaben zu CO₂-ärmeren Materialien in neuen Elektrofahrzeugen wie dem Mercedes CLA und dem Volvo ES90. Zudem legen Mercedes, Volkswagen und Tesla detaillierte Berichte über Rohstoffe vor und dokumentieren ihre Fortschritte beim Umgang mit Risiken in Lieferketten etwa für Lithium, Kobalt und Nickel.
Lieferketten für Elektroautos werden transparenter
Viele der dokumentierten Fortschritte betreffen gezielt Elektrofahrzeuge. Hersteller konzentrieren ihre Dekarbonisierungsmaßnahmen bei Stahl und Aluminium häufig auf E-Modelle, während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor weniger im Fokus stehen. Gleichzeitig erhöhen Unternehmen Transparenz, Recycling und verantwortungsvolle Beschaffung in den Lieferketten für Batterien.
Der Bericht wertet diese Entwicklung als positives Signal für die Branche – gerade in einer Phase, in der Politik und Industrie in den USA und Europa teilweise Rückzieher bei Klimamaßnahmen machen. Die Fortschritte könnten auch für Verbraucher zusätzliche Argumente liefern, Elektroautos zu kaufen, da deren Vorteile über das bloße Vermeiden von Auspuffemissionen hinausgehen.
Auffällig sind zudem Fortschritte bei chinesischen Herstellern. Geely verzeichnete in diesem Jahr die größten Verbesserungen und ist inzwischen der bestplatzierte ostasiatische Hersteller. Das Unternehmen habe einige der branchenweit fortschrittlichsten Ansätze zur Dekarbonisierung und zum Recycling von Batterien entwickelt und zugleich Fortschritte im Bereich Menschenrechte gemacht, heißt es.
Auch BYD, der im letzten Jahr erstmals weltweit größte Hersteller von Elektroautos, hat Schritte unternommen. Dazu gehören ein neuer Verhaltenskodex für Zulieferer sowie ein Beschwerdemechanismus innerhalb der Lieferkette. Gemeinsam mit Geely und BYD verzeichnete Renault einen der größten Punktzuwächse im Ranking, nachdem das französische Unternehmen seine Standards in verschiedenen Menschenrechtsbereichen verbessert hatte.
Bei weiteren Themen zeigt sich ebenfalls Bewegung. 12 der 18 Hersteller haben inzwischen erste Maßnahmen zur Achtung der Rechte indigener Gemeinschaften ergriffen, 2023 waren es erst sechs. Mehr als die Hälfte der Unternehmen verbesserte außerdem ihre Bewertungen beim Recycling und bei der Weiterverwendung von Batterien, etwa durch neue Designkonzepte, Kooperationen zur Nutzung ausgedienter Batterien als stationäre Speicher oder durch Investitionen in neue Recyclingtechnologien.
In der Gesamtwertung bleibt Tesla zwar auf Platz eins, doch andere Hersteller führen einzelne Kategorien an: Volvo liegt bei der Dekarbonisierung der Lieferketten vorne, Ford beim verantwortungsvollen Rohstoffbezug. Aufgrund der Leistungen von Tesla und Ford schneiden US-Unternehmen insgesamt am besten ab.
Ranking zeigt weiterhin große Lücken
Trotz dieser Fortschritte zeigt der Bericht deutliche Defizite. Kein Unternehmen erreicht auch nur 50 Prozent der maximal möglichen Punktzahl. Und selbst die führenden Hersteller zeigen laut Analyse „lückenhafte Leistungen“. In einigen Fällen kam es sogar zu Rückschritten. Tesla hat mit 49 Prozent die höchste Wertung, gefolgt von Ford und Volvo mit 45 beziehungsweise 44 Prozent. Chinas SAIC hat mit nur 3 Prozent die niedrigste Punktzahl.
Besonders schlecht schneidet Toyota ab. Der japanische, weltweit größte Autobauer gilt weiterhin als Nachzügler bei der Bereinigung seiner Lieferketten und rangiert am Ende der Liste – gemeinsam mit den chinesischen Staatskonzernen GAC und SAIC, die bei der Dekarbonisierung von Stahl und Aluminium oder beim verantwortungsvollen Rohstoffbezug kaum Fortschritte erzielt haben. Auch General Motors verlor deutlich an Boden und fiel im Ranking zurück, nachdem das US-Unternehmen als einziger Hersteller keinen jährlichen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht hat.
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