Joachim Post verantwortet seit Juni 2025 die Konzernentwicklung bei BMW. Zuvor war er als Vorstand fr Einkauf und Lieferantennetzwerk ttig und mit der Entwicklung der Elektroauto-Plattform Neuen Klasse vertraut. Im Interview mit der Automobilwoche beschreibt er seinen Einstieg in die neue Fhrungsposition als besonders intensiv und betont seine frhere Einbindung in das Projekt. Fr ihn sei es eine auergewhnliche Aufgabe gewesen, das Automobil grundlegend neu zu denken und zentrale technologische Weichenstellungen vorzunehmen.
Post widerspricht der Annahme eines lockeren Einstiegs nach der bereits erfolgten Fertigentwicklung der Neuen Klasse und erklrt: Mein Start htte aufregender nicht sein knnen. Die Arbeit an der Elektroauto-Architektur sowie den mit ihr antriebsbergreifend entwickelten Technologien sei fr ihn ein geschlossener Kreis und zugleich der spannendste Einstieg seiner Laufbahn gewesen. Dabei hebt er die grundlegende Neuausrichtung in der Fahrzeugentwicklung hervor.
Diese Vernderung zeigt sich laut Post vor allem in der Gewichtung der Entwicklungsthemen. Whrend frher Plattformen und Architekturen strker durch Karosserieformen und Motoranordnung geprgt waren, stehen heute digitale Funktionen, Elektronik und Software im Mittelpunkt. Auch knstliche Intelligenz sei aus Fahrzeugfunktionen sowie aus Entwicklungsprozessen nicht mehr wegzudenken. Die Gewichtung habe sich radikal verndert, entscheidend bleibe jedoch ein erfolgreicher Produktionsanlauf.
Die Umsetzung eines softwaredefinierten Fahrzeugs beschreibt Post als komplexe Aufgabe. Es reiche nicht aus, neue Funktionen einfach per Over-the-Air-Update bereitzustellen. Vielmehr sei es eine Herausforderung, die gesamte Fahrzeugsoftware stabil in die Serienproduktion zu bringen. BMW verfge jedoch ber die notwendige Kompetenz, dies zu leisten.
Als zentralen Faktor nennt Post die Integrationskompetenz des Unternehmens. BMW entwickle Software und Architektur zu groen Teilen selbst und lehne die Integration unverstandener Drittanbieterlsungen ab. Die Entwicklungsarbeit erfolge mit mehr als 10.000 Softwareentwicklern weltweit, die mit KI-gesttzten Tools in einer eigenen Cloud-basierten Umgebung arbeiten. Diese Plattform ermgliche eine hohe Anzahl tglicher Software-Builds und verarbeite umfangreiche Codebasen.
3er „Kern der Marke“
Mit Blick auf das zweite Modell der Neuen Klasse, den kommenden i3 (Artikelbild), betont Post die besondere Rolle der Mittelklasse-Baureihe fr BMW. Der 3er stehe im Zentrum der Marke und msse sowohl Alltagstauglichkeit als auch hohe Fahrdynamik erfllen. Die Entwicklung sei insbesondere aufgrund der Anforderungen an Proportionen und Bauraum anspruchsvoll, vor allem bei der Limousine im Vergleich zu anderen Fahrzeugtypen.
Technologische Entwicklungen der Neuen Klasse sollen dem gesamten Markenportfolio zugutekommen. Unterschiede zwischen Marken wie MINI und Rolls-Royce blieben bestehen, dennoch wrden gemeinsame Plattformen und Technologien genutzt, erklrt Post. Dies zeige sich etwa bei Infotainmentsystemen, die technisch hnlich, aber markenspezifisch gestaltet seien.
Auch bei den Antrieben verfolgt BMW weiterhin Technologieoffenheit. Innovationen sollen unabhngig vom Art des Antriebsstrangs allen Modellen zugutekommen. Verbrennungsmotoren wrden weiterhin entwickelt und seien so ausgelegt, dass sie aktuelle Emissionsanforderungen erfllen.
Als zustzliche Herausforderung nennt Post geopolitische Entwicklungen. Ein global einheitlicher Technologie-Stack werde zunehmend schwieriger umzusetzen. Besonders in China seien bereits groe Teile der Software lokal angepasst. BMW reagiere darauf mit regionaler Entwicklung und Kooperationen, etwa bei Fahrerassistenzsystemen.
Kritisch uert sich der Manager zur EU-Initiative Made in Europe, er sieht die bisher geplanten Local-Content-Anforderungen als problematisch. Man darf nicht davon ausgehen, dass Batteriefabriken in Europa pltzlich wie Pilze aus dem Boden wachsen. Das wird von heute auf morgen nicht passieren, so Post. Wenn eine Local Content Wunschliste formuliert wird, ohne zu bercksichtigen, was wir in Europa produzieren und exportieren, besteht das Risiko, dass man der Wirtschaft nicht hilft, sondern sie belastet. Das sei ein bisschen wie Planwirtschaft ohne Plan. Da bestehe ganz klar Bedarf fr Nachbesserung.
Automobile Magazine-Germany





















