Bosch-Arbeitsdirektor über E-Mobilität: „Die erwartete Nachfrage ist nicht vorhanden“

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Bosch, der weltgrößte Autozulieferer, streicht in Deutschland 22.000 Stellen. Erst kürzlich hatte das Unternehmen den Abbau von 13.000 Arbeitsplätzen angekündigt. Der Grund ist insbesondere, dass die schleppende Verbreitung der Elektromobilität den Wandel der Branche langsamer verlaufen lässt als erwartet.

Im vergangenen Jahr kündigte Bosch bereits 9.000 Streichungen in der Mobilitätssparte an, nun kommen 13.000 hinzu. Arbeitsdirektor Stefan Grosch erklärte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Die Marktdynamik im Autogeschäft ist weiter extrem groß. Und die Nachfrage ist zuletzt noch deutlicher zurückgegangen, als zu erwarten war – auch im Feld klassischer Verbrennertechnik.“

Es gelte die Faustregel: „Wenn wir zehn Mitarbeiter in der Dieselfertigung benötigen, sind es drei im Benzin-Einspritzungsbereich und nur einer in der Elektromobilität. Dieser Effekt, über den wir schon lange sprechen, entfaltet jetzt beschleunigt seine Wirkung.“

„Wir sehen nicht das erwartete Geschäft“

Seit Anfang 2024 habe sich zudem der Preiswettbewerb verschärft. Bestellungen für Elektronik-Architekturen und Komponenten für Elektromobilität sowie automatisiertes Fahren würden sich deutlich nach hinten verschieben. „Die erwartete Nachfrage ist nicht vorhanden. Wir haben sehr viel investiert und sehen jetzt nicht das erwartete Geschäft“, sagte Grosch. Das wirke sich erheblich auf den zur Sicherung des Unternehmens erforderlichen Gewinn aus.

Um die Kosten zu senken, will Bosch in der Mobilitätssparte bis 2030 jährlich 2,5 Milliarden Euro einsparen. Neben den Personalkosten sollen auch Material- und Sachkosten erheblich reduziert werden. Die Einschnitte durch den Stellenabbau treffen vor allem deutsche Standorte im Mobilitätsbereich, einschließlich der Zentralfunktionen. Besonders betroffen sind die Werke in Feuerbach mit 3.500 und in Schwieberdingen mit 1.750 Stellen. Beide Standorte sind stark in der klassischen Einspritztechnologie tätig und damit besonders vom Rückgang der Nachfrage im Antriebsbereich betroffen.

Bosch will mit den Arbeitnehmervertretern über sozialverträgliche Lösungen beraten. Grosch erklärte, es gehe darum, die richtige Balance zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung zu finden. Nur so könne das Unternehmen weiter in neue Technologien investieren und zugleich wettbewerbsfähige Standorte erhalten.

Bosch für angepasste EU-Vorgaben

Die Autoindustrie fordert Anpassungen in der europäischen Regulierung, etwa beim von der EU geplanten „Verbrenner-Aus“. Grosch unterstützt dies: „Es ist richtig, dass wir Änderungen in der CO2-Flottenregelung und mehr Technologieoffenheit fordern, so dass Hybridantriebe, Range Extender und Antriebssysteme für erneuerbare Kraftstoffe auch nach 2035 genutzt werden dürfen.“ Die Herausforderungen seien akut, Abwarten sei keine Option. Eine strikte Regulierung schränke den Handlungsspielraum des Zulieferers deutlich ein.

Auf die Frage nach dem baden-württembergischen Wirtschaftsmodell räumte Grosch ein, dass sich die Strukturen ändern. Die Innovationskraft in der Mobilität verschiebe sich derzeit in Richtung China, wo Bosch ebenfalls stark vertreten sei. Gleichwohl wolle das Unternehmen seine Position mit einer soliden Basis in Baden-Württemberg sichern.

Das Fazit von Grosch: Bosch muss sich dem Wettbewerb stellen und konsequent an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Nur durch eine Rückbesinnung auf Innovationskraft könne das Unternehmen – und mit ihm die deutsche Wirtschaft – stark bleiben. „Wenn jetzt Unternehmen und Arbeitnehmer weiter machen wie bisher, wird das nicht klappen.“

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