Leasinganbieter-Chef: „Heute ist Elektromobilität kein Experiment mehr“

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Max Nastold fährt seit Jahren Elektroauto und leitet mit der Kazenmaier Leasing GmbH einen auf Elektromobilität spezialisierten Leasinganbieter. Im Gespräch mit dem Portal Electrive erläutert er seine Erfahrungen aus mehr als einem Jahrzehnt unternehmerischer Tätigkeit im Bereich E-Mobilität – und erklärt, warum er konsequent auf reine Stromer setzt.
Geschäftsführer von Kazenmaier ist Nastold seit 2020, unternehmerisch im Bereich Elektromobilität aktiv jedoch bereits seit 2011. Mit seiner ersten Firma, der e-Motion Line GmbH, setzte er frühe Praxisprojekte um, darunter das Schaufenster Rheinmobil gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie, Siemens und Michelin. 2015 folgte in Berlin das Taxi-Projekt e-city cab.
In den Anfangsjahren suchte Nastold gezielt nach Anwendungen in sozialen Diensten, im Taxi-Bereich, im Handwerk und bei Dienstwagen. Diese frühen Erfahrungen bildeten aus seiner Sicht die Grundlage für den heutigen Markthochlauf. Elektromobilität sei inzwischen „kein Experiment mehr“. In vielen betrieblichen Flotten, insbesondere bei Sozialstationen, liege der Elektroanteil bereits bei 90 bis 100 Prozent.

„Enorme Reichweite und Alltagstauglichkeit“
Wirtschaftlich sieht Nastold klare Vorteile. Reichweiten seien längst kein Problem mehr. Bei ideologiefreier Berechnung der Gesamtbetriebskosten sei Elektromobilität oft günstiger. Seine eigenen Fahrzeuge hätten seit 2019 bei adjustierten Energiekosten zwischen 4,2 und 5,5 Euro netto pro 100 Kilometer unter vergleichbaren Verbrennern gelegen.
Neue Modelle wie BMW iX3, Mercedes GLC oder Volvo EX60 erfüllten inzwischen genau die Anforderungen, die Dienstwagenfahrer lange gestellt hätten. Einen weiteren Schub für Elektroautos erwartet Nastold jedoch weniger durch einzelne Fahrzeuge als durch steuerliche Rahmenbedingungen, die stark ausgebaute Ladeinfrastruktur und reale Alltagserfahrung. Er selbst sei innerhalb von 35 Tagen rund 6.500 Kilometer gefahren, mehrfach 500 bis 1000 Kilometer am Tag. Dass er an einem Sonntag am Schnelllader warten musste, wertet er als Beleg dafür, dass die Infrastruktur vorhanden ist und genutzt wird.
Bei den Kunden unterscheidet sich die Fahrzeugwahl nach Einsatzbereich: In Handwerk, Sozialdiensten und Pflege dominieren Klein- und Kompaktfahrzeuge, im klassischen Dienstwagenbereich bleiben SUV und Limousinen führend. Im Premiumsegment beobachtet Kazenmaier Interesse an außergewöhnlichen Marken wie Cadillac oder Lucid Motors.
„Wir sehen Elektromobilität als klare Systementscheidung“
Plug-in-Hybride schließt das Unternehmen grundsätzlich aus. Elektromobilität versteht Nastold als „klare Systementscheidung“ mit entsprechendem Ökosystem und Ladeinfrastruktur. Die Anhebung der Bemessungsgrenze für die Besteuerung von Elektro-Dienstwagen auf 100.000 Euro habe die Nachfrage im Premiumsegment deutlich steigen lassen, insbesondere bei Geschäftsführern und Unternehmern. Die steuerliche Regelung schaffe Planungssicherheit.
Als markenneutraler Anbieter ist Kazenmaier zugleich Leasingpartner von Lucid und Cadillac. Die Elektroautos dieser in Deutschland noch seltenen Marken seien besonders und erzeugten Aufmerksamkeit. Nastolds eigener Lucid werde regelmäßig fotografiert und angesprochen und sei eine „Lead-Maschine“, sorgt also für Kontakt zu möglichen Kunden. Zugleich beobachtet Nastold einen intensiven Preiskampf der deutschen Captive-Gesellschaften mit hohen Subventionen der Hersteller, in der Branche als „Phaeton“-Leasingraten bezeichnet.
Unternehmen, die in die Elektromobilität einsteigen wollen, rät Nastold, nicht bei der Ladeinfrastruktur zu beginnen, sondern bei der Führung. Wenn Vorstand oder Geschäftsführung elektrisch fahren, ziehe die Organisation nach. Für den Start reiche oft eine Wallbox zu Hause oder im Unternehmen. Elektromobilität sei kein Technikprojekt, sondern ein Führungs- und Kulturthema.
Kritisch äußert sich Nastold zum angekündigten Förderprogramm für Privatkunden. Im gewerblichen Markt sei die Bewegung geringer, dieser sei konstanter. Das neue Programm bezeichnet er als „bürokratisch überfrachtet“ und als Setzung falscher Marktanreize. Es werde viel Geld bewegt, aber ineffizient. „Der Privatkundenmarkt benötigt junge gebrauchte E-Fahrzeuge und keine hochsubventionierte Neufahrzeuge. Der Markt braucht verlässliche Rahmenbedingungen, keine kurzfristigen Impulse. Es ist ein Trauerspiel.“

Automobile Magazine-Germany

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