Europas Automobilzulieferer stehen unter massivem Druck. Laut dem europäischen Zulieferverband CLEPA bedroht eine „Polykrise“ bis 2030 rund 350.000 Arbeitsplätze. Gemeint ist das Zusammentreffen mehrerer Belastungen: eine schleppende Verbreitung von E-Fahrzeugen, wachsende Konkurrenz aus China, steigender Preisdruck durch die Hersteller und eine fragmentierte Regulierung in Europa. Bereits zwischen 2024 und 2025 wurden 104.000 Stellenstreichungen angekündigt, wie CLEPA-Generalsekretär Benjamin Krieger laut Automotive News mitteilte.
Auch wirtschaftlich geraten die Unternehmen zunehmend ins Hintertreffen. Die Beratung Oxford Economics erwartet, dass die jährlichen Investitionen der Zulieferer bis 2030 bei 35,6 Milliarden Euro stagnieren werden – deutlich weniger als frühere Prognosen von 39,6 Milliarden Euro vorsahen. Gleichzeitig planen rund 50 Prozent der Zulieferer, ihre Produktionskapazitäten in Westeuropa in den kommenden fünf Jahren weiter zu reduzieren. Mehr als 75 Prozent rechnen mit Gewinnmargen unterhalb der für langfristig nachhaltige Investitionen nötigen Schwelle von fünf Prozent.
Die Unsicherheit rund um Elektroautos verschärft die Lage. Große Hersteller verbuchen milliardenschwere Abschreibungen wegen geringerer als erwarteter Nachfrage. So gab Stellantis im Februar Belastungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt, vor allem im Zusammenhang mit einer Kehrtwende bei der Stromer-Strategie, einschließlich Abschreibungen auf Forschung und Entwicklung sowie gestrichener Fahrzeugprogramme.
Zwar steigen die E-Auto-Verkäufe in Europa weiter, doch die Gesamtnachfrage bleibt laut Krieger „fragil“. 2025 erreichte die europäische Produktion von elektrischen Autos 3,3 Millionen Einheiten – deutlich unter den einst erwarteten 4,8 Millionen. Die Verlangsamung sorge für eine „holprige Erholung“ der Zulieferer, geprägt von erheblichen Jobverlusten und veränderten Investitionsschwerpunkten, wie aus einer Studie von Deloitte hervorgeht.
Chinas Preisdruck und schwächelnde Batterieindustrie verschärfen die Krise
Hinzu kommt massiver Preisdruck durch die Hersteller. So fordert etwa Chinas Stromer-Riese BYD von seinen Zulieferern eine Preisreduzierung um zehn Prozent, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig berichten 69 Prozent der Zulieferer bereits von direkter Konkurrenz durch chinesische Importe.
Ein weiteres strukturelles Problem ist Europas schwächelnde Batterieindustrie. Von 16 geplanten, europäisch geführten Batteriefabriken wurden elf verschoben oder ganz gestrichen. Das erhöht die Abhängigkeit europäischer Hersteller von chinesischen und koreanischen Anbietern.
Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, beschreibt die Lage als komplexe Mehrfachbelastung: „Auf der einen Seite haben wir einen schleppenden europäischen Markt. Dann die Kosten der Transformation zur Elektromobilität, wobei klar wird, dass es schwierig ist, die nötigen Stückzahlen zu erreichen. Außerdem belasten US-Zölle die Exporte. Und die Hersteller versuchen, Kosten zu senken und sehen die Zulieferer als Kostenfaktor.“
Vor diesem Hintergrund fordern Branchenvertreter politische Klarheit. Ein EU-Vorhaben, der Industrial Accelerator Act (IAA), soll unter anderem vorsehen, dass 70 Prozent der Wertschöpfung eines Elektrofahrzeugs in Europa erfolgen müssen, um Förderungen zu erhalten. Gleichzeitig richten viele Zulieferer ihren Fokus verstärkt auf Hybridkomponenten. Hybride seien „jetzt und in Zukunft“ essenziell, so CLEPA-Generalsekretär Benjamin Krieger.
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