Der Umstieg auf schwere elektrische Nutzfahrzeuge (eHDVs) gewinnt europaweit an Dynamik. Doch unterschiedliche politische Rahmenbedingungen und Marktgegebenheiten drohen die groflchige Einfhrung auszubremsen. Als Betreiber des eigenen Angaben zufolge grten ffentlichen Schnellladenetzes fr schwere Nutzfahrzeuge in Europa bewertet Milence die Marktreife. Das Papier soll aufzeigen, welche Schritte ntig sind, um den Wandel hin zu emissionsfreiem Straengterverkehr zu beschleunigen.
Milence ist ein Joint Venture, das Mitte 2022 von den drei groen Nutzfahrzeugherstellern Daimler Truck, Traton Group – zu der Volkswagentochter gehren MAN und Scania – sowie der Volvo Group gegrndet wurde.
Die jngste Energiekrise hat laut den Autoren des Milence-Reports deutlich gemacht, welche strukturellen Risiken Europas Abhngigkeit von importierten fossilen Brennstoffen birgt. Schwankende l- und Gaspreise htten die Betriebskosten fr Lkw um 9 bis 11 Cent pro Kilometer in die Hhe getrieben und fr erhebliche Planungsunsicherheit bei Flottenbetreibern gesorgt.
Die Elektrifizierung biete hier einen klaren Ausweg. Sie knne nicht nur Kosten senken, sondern auch Europas Energiesicherheit strken und fr widerstandsfhigere Lieferketten sorgen. Voraussetzung dafr sei allerdings ein zgiger Ausbau sowohl der Fahrzeugflotten als auch der Ladeinfrastruktur.
Das Whitepaper Elektrifizierung des europischen Straengterverkehrs. Marktstatus, Rahmenbedingungen und der Weg nach vorne untersucht 14 europische Lnder und bewertet die entscheidenden Faktoren fr die Verbreitung von Elektro-Lkw. Das Ergebnis: Vorreiterlnder wie die Schweiz, Dnemark und die Niederlande haben die Pilotphase bereits hinter sich gelassen viele andere stehen dagegen noch ganz am Anfang.
Erste Marktdynamik aber noch weit entfernt von der Skalierung
Die Analyse besttigt: Elektro-Lkw kommen zunehmend im Realbetrieb zum Einsatz. Erste Anwender belegen in immer mehr Einsatzszenarien, dass die Fahrzeuge zuverlssig und wirtschaftlich arbeiten.
Dennoch hat sich in Europa noch keine sich selbsttragende Dynamik entwickelt, bei der sich Fahrzeugabsatz, Infrastrukturausbau und Kostensenkungen gegenseitig verstrken. Die Verbreitung bleibt ungleichmig, zwischen den einzelnen Mrkten bestehen teils erhebliche Unterschiede.
Der politische Rahmen entscheidet ber den Markterfolg
Das Papier macht deutlich: Der Markterfolg hngt mageblich davon ab, ob ein schlssiger politischer Rahmen vorhanden ist mit mehreren aufeinander abgestimmten Manahmen statt einzelner Instrumente.
Als entscheidende Hebel erweisen sich:
Gnstige Energiepreisstrukturen, bei denen Stromkosten beeinflusst durch Steuern, Netzentgelte und Abgaben mit Dieselpreisen mithalten knnen
CO2-differenzierte Maut: Sie verschafft Elektro-Lkw einen sofortigen und sprbaren Betriebskostenvorteil
Langfristige Kaufprmien und Finanzierungshilfen: Sie federn die hheren Anschaffungskosten ab
Zuverlssige, Lkw-Ladeinfrastruktur entlang der wichtigsten Gterverkehrskorridore
Hinzu kommen neue Instrumente wie handelbare Erneuerbare-Energien-Zertifikate im Rahmen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III), die den wirtschaftlichen Vorteil von Elektro-Lkw weiter strken knnen. Auch wenn Umsetzung und Wertigkeit derzeit von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat stark schwanken.
Das Bild ist eindeutig: Lnder, die diese Elemente bndeln, verzeichnen bereits eine deutlich strkere Marktdurchdringung. Wo ein konsistenter Manahmenmix fehlt, hinkt die Entwicklung hinterher, so die Analyse.
Ladeinfrastruktur wchst doch Lcken bleiben
Der Ausbau der ffentlichen Ladeinfrastruktur kommt gut voran: Entlang wichtiger Gterverkehrskorridore stehen der Auswertung zufolge bereits knapp 1800 Lkw-geeignete Ladepunkte zur Verfgung. Milence betreibt aktuell 33 Ladeparks mit insgesamt 221 Ladepunkten in acht europischen Lndern.
Allerdings verluft der Ausbau nach wie vor ungleichmig. Fr eine groflchige Elektrifizierung muss das Tempo weiter steigen „untersttzt durch gezielte Finanzierung und schlankere Genehmigungsverfahren“, so die Studie.
Gesamtbetriebskosten werden in wichtigen Mrkten zunehmend wettbewerbsfhig
Eine detaillierte Analyse fr Deutschland, die Niederlande und Schweden zeigt: Die Gesamtbetriebskosten (TCO) von Elektro-Lkw nhern sich dem Dieselniveau und unterschreiten es teilweise bereits.
In den Niederlanden sind schwere elektrische Nutzfahrzeuge demnach in mehreren Einsatzszenarien schon heute die gnstigere Wahl. In Deutschland sorgen vollstndige Mautbefreiungen fr starke und verlssliche wirtschaftliche Anreize. In Schweden begnstigen niedrige Strompreise die Elektrifizierung, doch im Fernverkehr fehlen noch ergnzende betriebliche Anreize.
Mit Blick nach vorn wird das EU-Emissionshandelssystem ETS II den Business Case fr Elektro-Lkw weiter verbessern, da fossile Kraftstoffe dadurch teurer werden, erklren die Studienautoren.
Die Lcke schlieen: Was funktioniert, muss europaweit skaliert werden
Europa hat laut den Analysen kein Technologieproblem, sondern ein Politikproblem. Vorreitermrkte htten lngst bewiesen, dass Elektro-Lkw unter den richtigen Bedingungen wirtschaftlich tragfhig sind. Vielen anderen Mitgliedstaaten fehle jedoch nach wie vor ein schlssiger politischer Rahmen. Fehlende Mautdifferenzierung, geringe finanzielle Untersttzung und schleppender Infrastrukturausbau bremsten die Verbreitung.
Was die fhrenden Mrkte auszeichnet, ist das Zusammenspiel aus nachfrageseitigen Anreizen, klaren Betriebskostenvorteilen und verlsslicher Ladeinfrastruktur, heit es. Genau diesen bewhrten Manahmenmix gilt es jetzt europaweit auszurollen. Ohne zgige Angleichung droht eine Verkehrswende mit mehreren Geschwindigkeiten mit negativen Folgen fr den grenzberschreitenden Gterverkehr und die Klimaziele. Der Weg ist klar vorgezeichnet: Was in den Vorreitermrkten funktioniert, muss auf ganz Europa bertragen werden, um einen echten europischen Markt fr elektrischen Gterverkehr zu schaffen.
Elektrischer Gterverkehr ist nicht nur ein Schlssel zur Dekarbonisierung des Transportsektors er ist auch eine strategische Sule der europischen Energiewende und Energieunabhngigkeit, sagt Anja van Niersen, CEO von Milence. Diesen Markt jetzt hochzufahren heit: weniger Abhngigkeit von importierten fossilen Brennstoffen, mehr Resilienz, mehr Wettbewerbsfhigkeit. Die Technologie steht bereit, der Business Case zeichnet sich ab, die Infrastruktur entsteht. Jetzt kommt es auf Tempo und Konsequenz in der Politik an in allen Mitgliedstaaten.
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