VW-Nutzfahrzeuge-Chef Mecha: „Halten an Elektromobilität fest“

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Stefan Mecha ist seit Juli letzten Jahres Vorsitzender des Markenvorstands von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Ein zentrales Thema sei die CO2-Lenkungsabgabe, erklärte er im Interview mit der Automobilwoche. Als Hersteller leichter Nutzfahrzeuge sei man besonders betroffen, weil die Regulierung hier eine inverse Logik habe: Größere, schwerere Fahrzeuge hätten teilweise niedrigere Zielwerte als kleinere Pkw. Das führe zu möglichen Strafzahlungen, auch in der aktuell gültigen Drei-Jahres-Betrachtung.
Die Belastungen aus den daraus entstehenden Rückstellungen erreichten dreistellige Millionenbeträge. „Das ist enorm“, unterstrich Mecha. Ein weitere Herausforderung im zurückliegenden Jahr sei das „bucklige“ erste Halbjahr gewesen, sowohl mit Blick auf die Marktanteile als auch bei absoluten Verkaufszahlen. Die Gründe sei vielfältig: neue Wettbewerbsbedingungen mit neuen Marktteilnehmern und veränderten politischen Rahmenbedingungen, Verzögerungen beim Hochlauf neuer Modelle, aber auch ein insgesamt schwächerer Markt.

„Positiv ist: Bei den vollelektrischen Fahrzeugen haben wir in Europa fast 25 Prozent Marktanteil mit dem ID. Buzz in seinem Segment. Das zeigt die Strahlkraft der Produkte und der gesamten Marke Volkswagen Nutzfahrzeuge“, so Mecha. Marktanteil allein reiche aber nicht. Entscheidend für die Auslastung und die Kostenstruktur der Werke seien die absoluten Volumina – und die blieben hinter den Erwartungen zurück, wenn der Gesamtmarkt nicht wächst. Für das Unternehmen insgesamt zähle das Thema Marge – denn weder Marktanteil noch Stückzahl reichten aus, wenn man mit dem Ergebnis die Zukunft nicht finanzieren könne.
Ein besonders schwieriger Markt ist derzeit Nordamerika. Der elektrische Kleintransporter ID. Buzz sei in den USA „mit großer Euphorie“ gestartet, berichtete Mecha. Die Markteinführung sei „emotional, spektakulär“ gewesen. Jedoch hätten sich die Rahmenbedingungen massiv verändert: „Wegfall von Förderungen, Inflation Reduction Act, höhere Importzölle, ein insgesamt stark eingebrochener Elektroauto-Markt. Das hat unsere Erwartungen deutlich gedämpft. Und ich sehe kurzfristig keine grundlegende Trendwende.“
„Der Weg zur CO2-Neutralität führt nur über Elektromobilität“
„Aus Konzernsicht ist klar: Der Weg zur CO2-Neutralität führt nur über Elektromobilität. Daran halten wir fest. Auch wir als Marke“, betonte Volkswagens Nutzfahrzeug-Chef. Die Transformationsgeschwindigkeit sei zu optimistisch eingeschätzt worden – „aber der falsche Reflex wäre jetzt, den Kurs zu verlassen“. Es sei viel investiert worden, jetzt gehe es darum, diese Investitionen zu nutzen. Gleichzeitig habe VWN früh auf eine diverse Antriebsstrategie gesetzt, „ganz im Sinne unserer Kunden“: Verbrenner, Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge parallel.
Beim ID. Buzz habe sich der Hersteller mehr Volumen erhofft, räumte Mecha ein. Jetzt gehe es darum, mit den vorhandenen Volumina kostenoptimal und wettbewerbsfähig zu produzieren. Die E-Mobilität hat nach den Worten des Managers aber weiter eine zentrale Rolle bei VWN: „Mit Produkten wie dem ID. Buzz verbinden wir unsere Bulli-Heritage mit elektrischer und autonomer Zukunft. Das ist kein Verzicht, das ist echter Mehrwert für unsere Privat- und Gewerbekunden.“
Die Kunden bremsten vor allem noch die Gesamtbetriebskosten. „Nutzfahrzeugkunden rechnen sehr genau. Hohe Ladepreise an den Ladesäulen – insbesondere im öffentlichen Raum – sind ein echtes Hemmnis. Wenn Strom 50 Cent oder mehr pro Kilowattstunde kostet, wird Elektromobilität wirtschaftlich nicht attraktiv“, so Mecha. Hier brauche es bessere Rahmenbedingungen: günstigere Strompreise, mehr Ladeinfrastruktur, aber auch neue Geschäftsmodelle zum Beispiel mit bidirektionalem Laden. Wenn Kunden Strom flexibel einspeisen und laden könnten, entstünden ganz neue wirtschaftliche Perspektiven – gerade für Handwerksbetriebe.
Mit Blick auf den Handel sagte der VWN-Boss, dass Elektrofahrzeuge geringere Wartungsumfänge hätten. Die Händler hätten aber die Chance, Kunden länger, enger und digitaler zu betreuen. Fünf Jahre Garantie seien ein klares Signal: Man wolle langfristige Beziehungen. Ein engagierter, kundennaher Händler könne auch im E-Zeitalter sehr erfolgreich sein – gerade im Nutzfahrzeug-Geschäft.

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