Die Nervosität bei Tesla im Umgang mit der IG Metall ist offenbar groß. André Thierig, Leiter des einzigen europäischen Tesla-Werks im brandenburgischen Grünheide, reiste eigens in die USA, um mit Firmenchef Elon Musk ein Video aufzunehmen. Darin warnen beide vor den angeblichen Risiken einer erstarkenden Gewerkschaft für den Standort: Man werde die Fabrik dann zwar nicht schließen, aber wahrscheinlich auch nicht erweitern.
Gleichzeitig werfen neue Produktionszahlen ein kritisches Licht auf die Lage in Grünheide. Nach Informationen des Datendienstleisters Inovev, die dem Handelsblatt vorliegen, wurden dort 2025 nur noch 149.040 Tesla gebaut – fast 30 Prozent weniger als im ohnehin schwachen Vorjahr. 2024 war das Werk nahe Berlin laut Jahresabschluss lediglich zu 56,3 Prozent ausgelastet, bei einer Gewinnmarge von nur 0,74 Prozent. Mit der gesunkenen Stückzahl wäre die rechnerische Auslastung zuletzt sogar auf 39,7 Prozent gefallen.
Das Werk ist schätzungsweise auf 375.000 Elektroautos pro Jahr ausgelegt. Die Inovev-Daten können teilweise Schätzungen enthalten, die später angepasst werden. Tesla ließ eine Anfrage des Handelsblatts zu den Produktionszahlen unbeantwortet. Dauerhaft unterausgelastete Werke gelten in der Branche als besonders belastend für die Bilanzen von Autoherstellern.
Die Zahlen stehen im deutlichen Widerspruch zu öffentlichen Aussagen Thierigs. Der frühere Ford-Manager betont seit Monaten, dass der Standort, an dem ausschließlich das Mittelklasse-SUV Model Y gefertigt wird, floriere. „Wir fahren die Produktion hoch, nicht runter“, sagte der Werkleiter zuletzt und verwies darauf, dass schwächere Nachfrage in Europa durch andere Märkte wie die Türkei, Kanada oder Länder in Südostasien ausgeglichen werde.
Ein Blick auf die Zulassungsstatistiken zeichnet jedoch ein gemischtes Bild. Zwar konnte Tesla in Ländern wie Südkorea, Thailand, den Philippinen, Norwegen und der Türkei die Model-Y-Zulassungen um insgesamt fast 70.000 Einheiten steigern. In den drei größten Pkw-Märkten USA, China und Europa brach die Nachfrage jedoch um mehr als 155.000 Fahrzeuge ein, schreibt das Handelsblatt. Die Rückgänge in den etablierten Märkten lassen sich damit nicht kompensieren.
Als Gründe für den Einbruch in Europa gelten unter anderem das kontroverse politische Engagement von CEO Musk mit Unterstützung des US-Präsidenten Donald Trump sowie hierzulande der AfD. Zudem wächst der Wettbewerb durch traditionelle und aufstrebende chinesische Hersteller im Elektroautomarkt. Noch im September 2025 hatte Thierig betont, Tesla müsse keine vergleichbar schlechten Nachrichten verkünden wie andere deutsche Autowerke mit Stellenabbau. Der Jahresauftakt 2026 stimmt allerdings wenig optimistisch: Im Januar setzte Tesla europaweit nur rund 5700 E-Autos ab – mehr als 40 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
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