Die EU-Kommission will die von einigen als „Verbrenner-Aus“ bezeichneten CO2-Vorgaben für die Autoindustrie abschwächen. Die Hersteller müssen aber weiter strenge Klimaziele erfüllen. Eine Analyse der Umweltforschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) für das Handelsblatt zeigt, dass kaum ein Autobauer dafür im Plan ist. Vielen drohen daher Strafzahlungen.
BMW ist demnach der einzige deutsche Hersteller, der die Klimaziele der EU 2026 erreichen würde. Mercedes-Benz und der Volkswagen-Konzern verfehlen aktuell die Vorgaben. Diese sehen wegen der unterschiedlichen Fahrzeugtypen in den Flotten leicht unterschiedliche Grenzwerte für den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 je Hersteller vor.
Die bis Ende November in der EU neu zugelassenen Fahrzeuge von BMW und der zum Konzern gehörenden Marke Mini unterschreiten die Vorgaben dem Bericht zufolge: Sie stoßen im Schnitt 91 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Das EU-Ziel liegt bei 93 Gramm. Mercedes und Smart müssten einen Wert von 90 Gramm erreichen, sie liegen aber bei 108 Gramm – und stoßen damit sogar mehr CO2 aus als im Vorjahr. Der Volkswagen-Konzern kommt auf 103 Gramm, 92 sollten es jedoch sein.
Insgesamt muss die Autoindustrie in der EU 94 Gramm erreichen, aktuell stoßen die Pkw laut der ICCT-Analyse im Schnitt 99 Gramm aus. Die Angaben für das Gesamtjahr werden Mitte Februar erwartet.
Die Emissionsziele der EU sind relativ zum Referenzjahr 2021 errechnet. Im Vergleich dazu müssen Autohersteller in der Region ihren CO2-Ausstoß im Dreijahreszeitraum zwischen 2025 und 2027 um 15 Prozent senken. Bis 2035 muss das Minus nach den neuen, noch zu beschließenden Plänen der EU-Kommission bei 90 Prozent liegen – statt wie bislang vorgesehen 100 Prozent.
Strafzahlungen in Milliardenhöhe drohen
Erfüllen Autobauer die Ziele nicht, müssen sie Strafzahlungen in Milliardenhöhe leisten. Zum Ende des laufenden Jahres drohen sie allerdings noch nicht, hier ist Brüssel der Branche mit einem Beschluss im letzten Jahr bereits entgegengekommen. Die Automobilhersteller haben nun bis Ende 2027 Zeit, die ursprünglich für Ende 2025 gesetzten Ziele zu erreichen.
Jan Dornoff, leitender Wissenschaftler beim ICCT, kritisiert im Gespräch mit dem Handelsblatt, dass die EU von ihren Plänen zum „Verbrenner-Aus“ abgewichen ist. Ursprünglich wollten die Politiker, dass ab 2035 kein Neufahrzeug mit fossil betriebenem Verbrennungsmotor mehr in der EU zugelassen werden darf. Der Politikwechsel erzeuge Unsicherheit für Verbraucher und Investoren, sagt Dornoff. „Neben dem Klima ist auch der Hochlauf der Elektromobilität gefährdet – und damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie.“
Im Vergleich zum ursprünglichen Plan würden die Fahrzeuge in der EU nun ungefähr eine Gigatonne mehr CO2 ausstoßen, zeigen ICCT-Modellierungen. Das sei ungefähr die 1,4-fache Menge dessen, was Deutschland jedes Jahr an CO2 freisetzt. Zudem führe die Verschiebung der Fristen dazu, „dass Autohersteller erst im letzten Moment ihren CO2-Ausstoß reduzieren – und dann darüber klagen, wie schwer die Vorgaben doch zu erreichen sind.“
Auch auf Autokäufer hat die Streckung des 2025er-Ziels Auswirkungen: Bevor die Entscheidung dazu im Frühjahr fiel, gewährten Hersteller deutliche Rabatte für Elektroautos, um deren Absatz zu fördern und damit ihre Flottenemission zu senken. Die Preisnachlässe seien wieder zurückgegangen, berichtet Dornoff. „Wenn die EU das aktuelle Ziel nicht aufgeweicht hätte, wäre der CO2-Ausstoß im Verkehrssektor mutmaßlich stärker gesunken.“
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