Franois Provost hat nach dem Abgang von Luca de Meo im Sommer die Fhrung bei Renault bernommen und setzt strategisch klar auf Europa. Deutschland bezeichnet er im Gesprch mit dem Manager Magazin als Referenzmarkt, in dem der Wettbewerb besonders intensiv sei. Whrend andere Hersteller verstrkt auf Mrkte wie die USA blickten, bleibe Renault auf Europa fokussiert.
Deutschland spielt fr Provost eine zentrale Rolle in der Konzernstrategie. Er verweist darauf, dass sich die Renault-Tochter Dacia in den vergangenen Jahren stark entwickelt habe und viele Kunden gewinnen konnte. Nun gehe es darum, auch mit anderen Marken wieder strker zu wachsen. Das Fundament dafr sei bereits gelegt worden.
Konkrete Zielzahlen nennt er Manager nicht. Stattdessen betont er, Renault wolle stetig und nachhaltig zulegen. Grundlage dafr ist der neue mittelfristige Plan futuREady, der bis 2030 weltweit 36 neue Modelle vorsieht, davon 22 in Europa. Ziel sei es, eine europische Referenz mit globaler Reichweite zu werden.
Ein wichtiger Bestandteil der Strategie ist die strkere Fokussierung auf den Handel. Gleichzeitig will sich Renault von taktischen Zulassungen wie Tageszulassungen oder Mietwagenflotten fernhalten. Dies knne sich kurzfristig negativ auf die Verkaufszahlen auswirken, sei aber aus Sicht der Profitabilitt der richtige Ansatz.
Provost widerspricht der Annahme, Renault habe berkapazitten. Die Produktion sei stabil, die eigentliche Herausforderung liege in der Innovations- und Entwicklungsgeschwindigkeit. Ziel sei es, mit chinesischen Wettbewerbern Schritt zu halten oder sie zu bertreffen – insbesondere bei Elektromobilitt, vernetzten Fahrzeugen und knstlicher Intelligenz.
Neuer Twingo in 21 Monaten entwickelt
Als Beispiel nennt Provost die Entwicklung des neuen, rein elektrischen Twingo in 21 Monaten. Teile der Entwicklung fanden in China statt, mit weniger Zulieferern und schnelleren Entscheidungsprozessen. Knftig solle diese Geschwindigkeit auch in Europa mit europischen Zulieferern erreicht werden.
Die Zusammenarbeit mit Zulieferern, darunter auch deutsche Unternehmen, bleibt bestehen. Trotz Herausforderungen bei einigen Partnern betont Provost, dass mehrere deutsche Zulieferer weiterhin zu den wichtigsten gehren. Als Beispiel hebt er Bosch hervor, das fr seine Qualitt ausgezeichnet wurde.
Die Wiedereingliederung der Elektro- und Softwaresparte Ampere begrndet Provost mit dem Ziel, deren Arbeitsweise auf den gesamten Konzern zu bertragen. Renault solle knftig alle Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahren entwickeln knnen. Dies sei Teil eines beschleunigten Umbaus.
Trotz einer operativen Rendite von 6,3 Prozent plant Renault vorsichtiger. Grnde sind ein hherer Anteil an Elektrofahrzeugen in Europa, zustzliche Verkufe an Kooperationspartner sowie die Expansion in Mrkte auerhalb Europas wie Indien, Sdkorea und Sdamerika. Diese Schritte knnten kurzfristig die Marge belasten.
Provost hlt dennoch an klaren finanziellen Zielen fest: mittelfristig stabile Renditen zwischen fnf und sieben Prozent sowie ein freier Cashflow von mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die aktuelle Absatzmenge von 2,3 Millionen Fahrzeugen bewertet er im Kontext der starken Position in Europa als ausreichend.
„Tsunami an Regulierung“
Kritisch uert sich Provost zur Regulierung in Europa. Er spricht von einem Tsunami an Regulierung, der die Preise fr Autos erhhe und dazu fhre, dass sich Verbraucher weniger neue Fahrzeuge leisten knnten. Das Durchschnittsalter der Pkw sei gestiegen, wodurch die angestrebte Dekarbonisierung ins Stocken gerate.
Der Renault-Chef fordert eine realistischere politische Strategie, die neben Elektroautos auch Technologien wie Plug-in-Hybride und Range-Extender-Elektrofahrzeuge bercksichtigt. Zudem pldiert er dafr, die Regulierung fr zehn Jahre einzufrieren, da derzeit ein erheblicher Teil der Ingenieursarbeit in die Umsetzung von Vorgaben fliee.
Abschlieend betont Provost die Bedeutung von lokaler Wertschpfung. Chinesische Hersteller sollten in Europa investieren und mit lokalen Zulieferern zusammenarbeiten. Sollte dies nicht geschehen, warnt er vor einem Niedergang der europischen Autoindustrie. Gleichzeitig setzt Renault auf Wachstum auerhalb Europas, insbesondere in Indien, sowie auf eine projektbasierte Zusammenarbeit mit Nissan.
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