Jaguar befindet sich laut Managing Director Rawdon Glover am Beginn einer neuen Phase, die mit einem klaren Bruch zu bisherigen Konventionen verbunden ist. Im Interview mit Motor1 beschreibt er, dass die Marke bewusst nicht den blichen Regeln im Markt fr E-Autos folgen will. Stattdessen kndigt er eine deutliche Abkehr von der bisherigen Designsprache an, betont jedoch zugleich, dass das Fahrgefhl weiterhin den Markenkern widerspiegeln soll.
Im Zentrum dieser Neuausrichtung steht ein viertriger Elektro-GT, dessen Eigenschaften Glover zufolge aus einem Spannungsfeld heraus entwickelt wurden. Einerseits sei Reichweite fr eine elektrische Marke zentral, andererseits spielten Proportionen und Fahrzeughhe eine entscheidende Rolle. Mit einer Hhe von rund 55 Zoll (ca. 140 cm) stehe das Modell vor einem klassischen Zielkonflikt zwischen Batteriekapazitt und Fahrzeugdesign, der durch alternative technische Lsungen adressiert worden sei.
Konkret wurde ein Teil der Batterie vor den unteren Fahrzeugstrukturen positioniert. Dies erforderte laut Glover ein vollstndiges Umdenken beim Energiemanagement und beim Verhalten im Falle eines Aufpralls. Durch diesen Ansatz sei es gelungen, sowohl die niedrige Bauweise als auch Reichweite und Leistung zu erhalten. Gleichzeitig habe man die aerodynamische Effizienz deutlich verbessert und einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,23 erreicht.
Die Entwicklung sei jedoch komplex gewesen. Glover beschreibt den Prozess als herausfordernd und hebt hervor, dass Fortschritte insbesondere durch Zusammenarbeit entstanden seien. So sei der Luftwiderstandsbeiwert von etwa 0,30 auf 0,23 gesenkt worden, was durch rund 15.000 Tests und Anpassungen sowie die enge Kooperation verschiedener Teams ermglicht worden sei.
Als Zielgruppe nennt Glover Personen mit hoher Kaufkraft, da der durchschnittliche Preis in Europa ber 130.000 Euro liegen werde. Diese Kunden seien eher urban geprgt und offen fr Elektromobilitt. Entscheidend sei jedoch eine gemeinsame Haltung: Interesse an Design, Qualitt und Technologie sowie ein ausgeprgtes Bedrfnis nach Individualitt.
Fr die knftige Modellpalette kndigt Jaguar eine klare gestalterische Linie an. Alle Modelle sollen markante Proportionen und eine eigenstndige Identitt besitzen sowie insgesamt niedrig gebaut sein. Ein Einstieg in das Segment hoher SUVs sei nicht geplant, da dieses bereits durch die Schwestermarke im JLR-Konzern Range Rover abgedeckt werde.
„Jaguar macht etwas wirklich Radikales“
Die Entscheidung, alle frheren Modelle einzustellen und Programme zu beenden, begrndet Glover mit grundlegenden Problemen des bisherigen Geschftsmodells. Dieses sei weder profitabel gewesen noch gewachsen, zudem habe sich die Kundschaft beraltert und die Marke an Relevanz verloren. Ein einfacher Modellwechsel habe daher nicht ausgereicht, weshalb ein klarer Schnitt notwendig gewesen sei.
Die Kommunikationsstrategie rund um die erste Konzeptvorstellung fhrte laut Glover zu unerwartet starker, teils sehr negativer Resonanz. Ziel sei gewesen, ein Signal fr einen radikalen Wandel zu setzen: Schaut her: Jaguar macht etwas wirklich Radikales. Die hohe Aufmerksamkeit habe jedoch dazu gefhrt, dass die Kontrolle ber die ffentliche Darstellung zeitweise verloren ging, da soziale Medien komplexe Botschaften nur schwer abbilden knnten.
Jaguar habe daraufhin begonnen, die Inhalte differenzierter zu vermitteln und strker auf technische Aspekte wie Fahrverhalten einzugehen. Dadurch erffne sich mehr Raum fr detaillierte Kommunikation. Gleichzeitig habe das Interesse an der Marke deutlich zugenommen, was als positive Entwicklung bewertet wird.
Abschlieend bekrftigt Glover, dass Jaguar knftig ausschlielich auf E-Autos setzen wird. Hybridlsungen seien nicht geplant. Fr kommende Modelle werden Reichweiten von etwa 435 Meilen (700 km) angestrebt, wodurch die Bedeutung von Ladeangst aus Sicht des Managers abnimmt. Die Entwicklung weiterer Modelle sei bereits im Gange, wobei man bewusst Risiken eingehe und den eingeschlagenen Kurs fortsetzen wolle.
Automobile Magazine-Germany




















