Nach einem erneut enttäuschenden Jahr richtet der chinesische Elektroautohersteller Nio seine europäischen Aktivitäten neu aus und stellt seine Strukturen grundlegend um. Während das Unternehmen global Fortschritte erzielt, bleiben die Ergebnisse in Europa weit hinter den Erwartungen zurück – mit spürbaren Folgen für Organisation, Personal und Vertriebsstrategie, insbesondere in Deutschland.
Trotz der schwachen Entwicklung in Europa konnte Nio auf Konzernebene einen wichtigen Meilenstein erreichen: Im vierten Quartal gelang erstmals ein operativer Gewinn auf Quartalsbasis. Maßgeblich dazu beigetragen haben laut Marktexperten steigende Skaleneffekte durch wachsende Produktionszahlen. Insgesamt setzte das Unternehmen im Jahr 2025 weltweit mehr als 326.000 Fahrzeuge ab, was einem Wachstum von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Europa hingegen spielt für diesen Erfolg bislang kaum eine Rolle. In den sieben Kernmärkten – darunter Deutschland, Norwegen und die Niederlande – wurden laut der Automobilwoche im gesamten Jahr lediglich 1129 Fahrzeuge neu zugelassen. Das entspricht einem weiteren Rückgang von 31 Prozent im Vergleich zu 2024 und unterstreicht die anhaltenden Schwierigkeiten des Herstellers auf dem europäischen Markt.
Europa gilt laut der Unternehmensführung weiterhin als strategisch wichtig, auch wenn man sich offiziell bewusst Zeit bei der Entwicklung nimmt und nicht auf kurzfristige Absatzzahlen fokussiert. Angesichts der schwachen Verkaufszahlen scheint jedoch die Geduld zu schwinden. Nio hat der Automobilwoche zufolge eine umfassende Umstrukturierung seiner europäischen Aktivitäten eingeleitet, die in Kürze abgeschlossen sein soll. Die bisher länderspezifische Organisation werde durch eine funktionsorientierte Struktur ersetzt, um effizienter zu arbeiten und Wachstumspläne besser zu koordinieren. Gleichzeitig sollen Kosten gesenkt werden.
Die Konsequenzen sind laut dem Branchenportal bereits sichtbar: In Deutschland, wo 2025 nur etwas über 300 Fahrzeuge verkauft wurden, werde die bisherige Führungsstruktur als nicht mehr tragfähig angesehen. Landeschef David Sultzer verlasse das Unternehmen. Wie es für die rund 120 Mitarbeiter weitergehe, sei noch offen. Unverändert blieben das Münchner Entwicklungszentrum sowie zentrale europäische Führungspositionen und der Servicebetrieb.
Auch im Vertrieb soll ein Kurswechsel anstehen. Der Direktvertrieb in Europa wird demnach wohl in vielen Märkten aufgegeben und durch ein klassisches Händlermodell ersetzt. Ausnahmen sollen Länder sein, in denen das bisherige Modell funktioniert, etwa die Niederlande oder Norwegen. In Deutschland hingegen dürfte der Direktvertrieb vor dem Aus stehen.
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