Der chinesische Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden BYD war im letzten Jahr erstmals der erfolgreichste Verkäufer von reinen Stromern. Das gelang auch durch die verstärkte Expansion ins Ausland. Noch verkauft der Konzern vor allem im Heimatmarkt Fahrzeuge, insbesondere in Deutschland will man aber weiter wachsen.
„Wir haben sehr, sehr hohe Ambitionen für die nächsten Jahre“, erklärte Deutschlandchef Lars Bialkowski im Gespräch mit der Automobilwoche.Dem Handelsblatt sagte er: „Wir wollen das erreichen, was wir uns schon im vergangenen Jahr vorgenommen haben und die Marke von 50.000 knacken.“
BYD solle nicht nur die führende chinesische Marke in Deutschland werden, sondern der Markt auch innerhalb Europas für das Unternehmen eine Führungsrolle einnehmen. „Das ist unser Anspruch“, sagte Bialkowski der Automobilwoche.
Im letzten Jahr lag BYD mit laut Kraftfahrt-Bundesamt 23.306 Zulassungen hinter dem direkten Konkurrenten MG, der es auf 26.479 Zulassungen brachte. Allerdings ist die britische, heute zum chinesischen SAIC-Konzern gehörende Marke MG schon deutlich länger am Start.
Auf- und Ausbau des Händlernetzes
BYD hat nach einem enttäuschenden Start mit dem Importeur Hedin vor zehn Monaten damit begonnen, in Deutschland ein Händlernetz aufzubauen. In den vergangenen vier Monaten sei man bereits die stärkste chinesische Marke gewesen, berichtete der Deutschland-Chef. Ende des ersten Quartals will BYD mit 190 Händler-Standorten vertreten sein, an 150 bereits Autos verkaufen. Ende dieses Jahres sollen es dann mehr als 350 sein. Die Geschwindigkeit des Ausbaus dürfte allerdings etwas nachlassen. „Wir müssen jetzt auch in ländlichere Gebiete, wo die Anzahl der Händler schlicht nicht mehr so groß ist“, so Bialkowski.
Bei der Organisationsentwicklung habe man einen Stand von rund 40 Prozent erreicht. Ende März sollen für BYD Deutschland 120 Mitarbeiter tätig sein. „Wir wollen das schneller machen als so mancher Wettbewerber in der Vergangenheit“, unterstrich der Deutschland-Chef. Mit inzwischen elf Modellen decke BYD rund 90 Prozent des ganzen Marktes ab.
Hohe Rabatte sind eines der Mittel, mit denen BYD in Deutschland Marktanteile erobern will. „Natürlich fordern wir beim Markteintritt die Konkurrenz heraus“, erklärte Bialkowski. Aber man durchbreche nicht sensible Preispunkte, man sei ein wirtschaftlich getriebenes Unternehmen. Der derzeit hohe Anteil an Eigenzulassungen und Vermietungsgeschäft ist laut dem Deutschland-Chef eine bewusste Entscheidung. Der Anteil der „echten“ Verkäufe werde in den nächsten Monaten ansteigen.
BYD sieht in Europa großes Potenzial
In Europa sieht Bialkowski großes Potenzial. Bis 2030 wolle man als europäischer Anbieter wahrgenommen werden und die Wertschöpfungskette weiter lokalisieren. Man befinde sich auf einem durchgeplanten Wachstumskurs: „Wir haben eine bessere und breitere Produktpalette, da darf man auch selbstbewusst auftreten.“
Top-Managerin Stella Li sagte kürzlich mit Blick auf Europa, dass der Kontinent für BYD qualitativ der wichtigste Markt sei. Die dortige, als besonders anspruchsvoll geltende Kundschaft wirke als Antrieb für Innovation. „Wenn wir in Europa erfolgreich sind, wissen wir, dass wir überall auf der Welt erfolgreich sein können“, so Li.
BYD versteht sich dabei nicht nur als Autobauer, sondern als Technologieunternehmen. Der als Batteriehersteller gestartete Konzern produziert Komponenten für ein Drittel aller weltweit verkauften Smartphones und liefert Energiespeicher an zahlreiche westliche Marken. Mit mehr als 100.000 Ingenieuren, täglich 45 neuen Patentanmeldungen und rund 70.000 registrierten Patenten sieht Li die Innovationsorientierung als zentrale Stärke.
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