AutoScout24-Vertriebschef: Aufweichen des „Verbrenner-Aus“ könnte E-Auto-Markt helfen

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Stefan Schneck, Vertriebsleiter von AutoScout24 in Deutschland, sieht im geplanten Aufweichen des „Verbrenner-Aus“ in der EU ab dem Jahr 2035 ein paradoxes Potenzial für die Elektromobilität. Er kritisiert die emotional geführte Diskussion über das Verbot von Verbrennungsmotoren und betont, dass solche politischen Eingriffe das Marktgleichgewicht verzerren.
„Gerade bei so einer emotionalen Entscheidung, die acht oder neun Jahre in der Zukunft liegt, bringt ein Verbrennverbot viel Polemik und Irrationalität in das Thema, so dass bei vielen eine natürliche Abwehrhaltung entsteht“, sagt Schneck im Interview mit dem Handelsblatt. Laut ihm braucht es eine „Entemotionalisierung“. Es wäre sinnvoller, die Rahmenbedingungen zu verbessern, um eine kostengünstige und gut aufgestellte Infrastruktur zu schaffen. Das könnte den Umstieg auf Elektroautos erleichtern, da der hohe Spritpreis und die höheren Wartungskosten von Verbrennern in Zukunft nicht mehr attraktiv wären.

Schnecks Einschätzung zur neuen E-Auto-Kaufprämie des Bundes: Er sieht den größten Hebel im Flottengeschäft, insbesondere bei Mietwagenfirmen und Dienstwagenanbietern, da hier die großen Volumina entstehen. Die Kommunikation über die Fördermaßnahme sei zu Beginn unklar gewesen, was viele Privatkäufer davon abgehalten habe, Entscheidungen zu treffen. Mit der rückwirkenden Förderung seit Januar gebe es nun einen Aufholeffekt. Einige Hersteller kombinierten die staatliche Förderung zudem mit eigenen Verkaufsaktionen, was die Wirkung langfristig verstärken könnte.
„Die Förderung ist zu einseitig“
Dennoch kritisiert Schneck das Förderregime insgesamt als zu einseitig. Besonders die ausschließliche Fokussierung auf Neuwagen benachteilige den Gebrauchtwagenmarkt. Dies schade nicht nur den Restwerten gebrauchter E-Autos, sondern widerspreche auch einem sozial ausgewogenen Ansatz. „Nicht jeder denkt an einen Neuwagen. Für viele ist der Gebrauchte der realistische Einstieg,“ erklärt er. Eine nachhaltigere Lösung wäre seiner Meinung nach gewesen, auch gebrauchte Elektrofahrzeuge in die Förderung einzubeziehen und verstärkt in den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu investieren.
Für Autokäufer sieht Schneck momentan keinen Grund zu warten, wenn sie ohnehin in den nächsten Monaten ein Elektrofahrzeug anschaffen wollen. Viele Hersteller böten derzeit attraktive Leasingkonditionen, die durch die staatliche Förderung noch verstärkt würden. Allerdings warnt Schneck davor, dass der Markt für Elektromobilität noch nicht den Reifegrad von Verbrennerfahrzeugen erreicht hat. „Wir sehen fast monatlich starke Veränderungen. Da wird noch viel passieren.“ Besonders für Käufer, die die Risiken von Wertverlusten vermeiden möchten, sei Leasing derzeit eine attraktive Option.
Abschließend äußert Schneck Bedenken hinsichtlich der Dumping-Leasingraten, die es vor einigen Jahren aufgrund der E-Auto-Kaufprämie „Umweltbonus“ gab. Er erklärt, dass bei einigen Händlern Fahrzeuge mit zu optimistischen Restwerten zurückgekommen seien, was zu Verlusten geführt habe. Diese Verluste seien zwar nicht existenzgefährdend, könnten jedoch zu Problemen führen, wenn nicht ein „kerngesundes Geschäft“ vorhanden sei. Am Ende bleibe die Frage: „Wer zahlt es – Händler, Hersteller, Leasinggesellschaft oder Herstellerbank? Irgendwo landet das Risiko letztlich immer in den Büchern.“

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