Die Kaufentscheidung für E-Autos in Deutschland wird weniger vom Preis als von politischer Haltung geprägt. Das zeigt eine neue, der Zeit exklusiv vorliegende Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der TU Dresden. Demnach beeinflusst die Parteipräferenz die Kaufabsicht stärker als klassische Faktoren wie Alter, Bildung oder Einkommen – selbst obwohl deutsche E-Autos meist teurer sind als Modelle aus China oder den USA.
Besonders ausgeprägt ist die Kaufbereitschaft für deutsche E-Autos unter Grünen-Sympathisanten: Knapp 64 Prozent können sich den Kauf eines deutschen Modells vorstellen, während rund 32 Prozent auch chinesische Fahrzeuge in Betracht ziehen. Im AfD-Lager ist das Interesse deutlich geringer: Nur etwa 20 Prozent würden ein deutsches E-Auto kaufen, knapp 17 Prozent ein chinesisches. Entsprechend niedrig ist dort auch die Verbreitung von Stromern insgesamt: 12 Prozent der AfD-Anhänger besitzen einen, im Grünen-Lager sind es mit knapp 22 Prozent fast doppelt so viele.
Über Parteigrenzen hinweg herrscht hingegen Einigkeit bei einer Marke: Tesla verliert an Attraktivität. Zwar liegt der Anteil der Tesla-Interessierten unter AfD-Sympathisanten mit rund 15 Prozent noch vergleichsweise hoch, doch die offene Unterstützung von Elon Musk für die AfD hat laut Studie keine zusätzlichen Marktanteile gebracht. IW-Co-Autor Matthias Diermeier erklärt: „Unter AfD-Anhängern ist das E-Auto genauso wie Windräder und Wärmepumpen zum Schauplatz eines Kulturkampfes geworden.“ Selbst niedrigere Preise änderten in dieser Gruppe nichts am Kaufverhalten.
Um den Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen zu steigern – im vergangenen Jahr lag er laut Kraftfahrt-Bundesamt bei 30 Prozent inklusive Plug-in-Hybriden –, sieht Diermeier vor allem die Politik in der Pflicht. Ein zentrales Hemmnis sei die Ladeinfrastruktur, insbesondere in Städten. „Für viele Menschen, die in der Stadt wohnen, ist die umständliche Suche nach Ladesäulen eine große Hemmung“, sagt Diermeier. Eine stärkere staatliche Förderung sei hier notwendig.
Trotz des starken politischen Einflusses bleibt der Preis für den tatsächlichen Kauf entscheidend, vor allem für Menschen, die grundsätzlich auf E-Mobilität umsteigen wollen. Angesichts staatlich subventionierter chinesischer Hersteller hält Diermeier europäische Gegenmaßnahmen für legitim. Die neue E-Auto-Prämie von bis zu 6000 Euro könne den Markt beleben, nachdem der Wegfall von Kaufprämien zu deutlichen Nachfrageeinbrüchen geführt habe. Zugleich warnt er davor, den Gebrauchtwagenmarkt zu vernachlässigen, der für die Verkehrswende zentral sei und insbesondere Menschen mit niedrigeren Einkommen erreiche.
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