Die schwarz-rote Bundesregierung will mit einer neuen Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride die Verbreitung der Elektromobilität ankurbeln. Vorgesehen sind Zuschüsse zwischen 1500 und 6000 Euro, abhängig von Einkommen, Familienstand und weiteren Kriterien. Bei Experten stößt die neue Förderung auf Ablehnung, sie erwarten vor allem teure Mitnahmeeffekte zulasten der Steuerzahler.
Frank Schwope, Lehrbeauftragter für Automotive Management an der Fachhochschule des Mittelstands Köln, spricht gegenüber n-tv.de von „Kopfschütteln, wenn nicht Fassungslosigkeit“. Auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach, lehnt die Subvention ab. Er hätte „überhaupt keine Prämie aufgelegt“ und warnt, das Vorhaben werde „ein großes Strohfeuer erzeugen“, also keine nachhaltige Förderung der Elektromobilität bewirken.
„Ökonomisch macht eine Förderprämie keinen Sinn“, meint Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research. Auch Schwope kritisiert mangelnden wirtschaftlichen Sachverstand.
Die Experten rechnen mit erheblichen Mitnahmeeffekten, ähnlich wie bei der Abwrackprämie 2009. Käufer, die ohnehin ein Auto anschaffen wollten, würden profitieren, während Steuergelder unnötig ausgegeben würden. Gewinner seien vor allem die Hersteller. Dudenhöffer erwartet, dass Autobauer ihre zuletzt hohen Rabatte kürzen, die im Dezember bei rund 19 Prozent lagen. Der Preisabstand zwischen Verbrennern und E-Autos war zuletzt bereits auf durchschnittlich 1340 Euro gesunken.
Bratzel prognostiziert zudem sinkende Restwerte gebrauchter Elektroautos infolge der Prämie. Stattdessen hätte er eine staatliche Förderung des Ladens bevorzugt, etwa zeitlich begrenztes kostenloses Laden an öffentlichen Säulen. Das hätte aus seiner Sicht auch einen stärkeren sozialen Effekt, da Haushalte mit geringerem Einkommen häufiger auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen seien.
Die geplante Einkommensgrenze von 80.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen halten Bratzel und Schwope für zu hoch, zumal das durchschnittliche Haushaltseinkommen deutlich darunter liege. Bratzel bezeichnet das sozialpolitische Motiv als „schleierhaft“. Zusätzlich kritisiert er den hohen bürokratischen Aufwand.
Nach Einschätzung der Experten ist Elektromobilität ohnehin auf dem Vormarsch: Der Anteil reiner Stromer lag im vergangenen Jahr bei knapp 20 Prozent, im Dezember bei 22 Prozent. „Die Förderung ist längst nicht mehr nötig“, erklärte Schwope.
Dudenhöffer sieht zudem keine positiven Effekte für Arbeitsplätze oder Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Preisimpulse wirkten vor allem bei günstigeren Modellen, die überwiegend im Ausland produziert werden. Insgesamt stehen drei Milliarden Euro für die Prämie bereit. Umweltminister Carsten Schneider rechnet mit Fördermitteln für rund 800.000 Fahrzeuge in drei bis vier Jahren. Schwope hält das für unrealistisch und erwartet, dass das Geld höchstens zwei Jahre reicht. Danach drohe erneut ein massiver Einbruch des Marktes wie nach der Einstellung der früheren E-Auto-Kaufprämie Ende 2023.
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