Porsche hat seine ehrgeizige Elektroauto-Strategie zurückgefahren, weil der Markt nicht wie erwartet auf Stromantrieb umschwenkt. Die Stuttgarter werden nun noch länger und auch neue Verbrenner-Modelle anbieten, was für hohe Zusatzkosten sorgt. Laut Produktionschef Albrecht Reimold bereut der Sportwagenbauer die einstige Entscheidung zum zeitnahen Umstieg auf fast nur noch E-Autos aber nicht.
„Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der Wurm dem Fisch schmecken muss“, sagte der Manager in einem Interview mit der Automobilwoche. Er selbst sei ein großer Fan der Elektromobilität, insgesamt laufe der Hochlauf in vielen Regionen jedoch deutlich langsamer als gedacht. „Jetzt zu sagen, wir hätten einen Fehler gemacht, ist einfach. Wir waren mutig und sind es erneut, indem wir auf den Kundenwunsch reagieren und neue Verbrenner und Plug-in-Hybride nachschieben.“
Sollte die Nachfrage nach Elektromobilität doch schnell steigen, sei Porsche darauf vorbereitet: Denn man biete den Kunden in allen Segmenten die Wahl zwischen den drei Antriebsarten Verbrenner, Plug-in-Hybrid und rein elektrisch. Das Elektroauto-Angebot wächst gerade mit dem neuen Cayenne, der als Vollstromer konzipiert ist. Parallel wird nach der aktualisierten Strategie vorerst auch noch die bisherige Verbrenner-Generation des großen SUV angeboten.
Das mittelgroße SUV Macan ist seit 2024 in der jüngsten Generation exklusiv als reines E-Auto verfügbar. Angesichts der Marktentwicklung hat Porsche beschlossen, in dem Segment ein neues Angebot mit Verbrenner- und Plug-in-Hybridantrieb zu machen. Dazu wird ein neues Modell eingeführt, Berichten zufolge wohl mithilfe von Technik der Volkswagen-Konzernschwester Audi. Dieses Fahrzeug wird dem Produktionschef zufolge gegen Ende des Jahrzehnts auf den Markt kommen.
An Elektroautos verkauft Porsche neben dem Cayenne Electric und Macan Electric noch sein erstes reines Batterie-Modell Taycan. Diese Baureihe gibt es als Sportlimousine und im Shooting-Brake-Format.
Die kleinen Sportwagen der 718-Reihe sollten in Zukunft nur noch elektrisch angeboten werden. Auch Boxster und Cayman werden nun aber wohl noch länger zusätzlich als Verbrenner zu haben sein. Ein angekündigtes neues großes Luxus-SUV mit reinem Elektroantrieb soll nun zunächst als Verbrenner und Plug-in-Hybrid starten. Diese Baureihe wird frühestens 2027/2028 erwartet.
Nicht nur die schwächende Nachfrage nach Elektroautos macht Porsche Sorgen, auch das insgesamt für die Marke im Megamarkt China eingebrochene Geschäft belastet den erfolgsverwöhnten Autobauer. Hinzu kommen die erhöhten US-Zölle und trübe wirtschaftliche Aussichten wichtiger Absatzregionen. Der Produktionschef glaubt aber weiter an die Strahlkraft der Marke.
„Grundsätzlich gilt: Unsere Marke ist unverändert attraktiv und hat viele Fans weltweit. Darauf können wir aufbauen, zumal unsere Modellpalette unverändert unsere Kundinnen und Kunden begeistert“, so Reimold. „Aber natürlich müssen wir die Zölle auf dem US-Markt verarbeiten und das weiterhin rückläufige Luxussegment in China. Dennoch bleiben wir optimistisch und machen unsere Hausaufgaben.“
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