Nach massiven Einschnitten bereitet sich die europäische und nordamerikanische Autozulieferindustrie auf ein schwieriges Jahr 2026 vor. Nachdem in diesem Jahr mehr als 60.000 Stellen abgebaut wurden, rechnen viele Unternehmen mit weiterem Druck durch sinkende Abrufe der Autohersteller, hohe Zinsen und eine wachsende Konkurrenz aus China.
Vor allem der Rückgang der globalen Fahrzeugproduktion und die schwächere Nachfrage nach Teilen für Verbrennungsmotoren verschärfen die Lage, berichtet Automotive News Europe. Besonders kleinere Tier-3- und Tier-4-Zulieferer geraten dadurch in Liquiditätsprobleme und laufen Gefahr, zahlungsunfähig zu werden.
Doch auch größere Unternehmen sind nicht gefeit. Gartner-Analyst Pedro Pacheco warnt vor einem „inhärenten Risiko von Insolvenzen bei mittelgroßen oder sogar großen Zulieferern“, was zusätzliche Störungen in den Lieferketten der Hersteller auslösen könne. Die finanzielle Schwäche vieler Autobauer wirkt sich dabei direkt auf ihre Partner aus. Pacheco zufolge werden Hersteller mit schwachen Ergebnissen den Kostendruck weiterreichen und damit die Margen der Zulieferer zusätzlich belasten.
Die Ertragslage ist bereits angespannt. Laut einer vom Autozulieferer-Verband CLEPA und der Berater von McKinsey durchgeführten Umfrage erwarten sieben von zehn Zulieferern Gewinne von unter fünf Prozent – eine Schwelle, die als Minimum für Investitionen in Technologie, Qualifikation und Kapazitäten gilt. Ein Drittel rechnet sogar mit kaum oder gar keinen Gewinnen, was Arbeitsplätze, Forschung und Wachstum gefährdet.
E-Mobilität und Digitalisierung belasten die Finanzen
Gleichzeitig zwingt der Wandel hin zu Elektromobilität und Digitalisierung die Unternehmen zu hohen Investitionen. Die Modernisierung, etwa durch den Einsatz digitaler Technologien oder den Einstieg in höherwertige Segmente wie batterieelektrische Fahrzeuge, belastet die Finanzen zusätzlich.
Bereits 2025 meldeten mehrere Zulieferer Insolvenz an oder wurden finanziell schwer getroffen. Beratungsfirmen wie Roland Berger sehen nun einen Zwang zu Kostensenkungen, Effizienzprogrammen und Innovationen – andernfalls drohe der Verlust von Marktanteilen und eine Konsolidierung zugunsten technologisch starker Anbieter.
Auch die Branchengrößen reagieren mit drastischen Maßnahmen, darunter insbesondere deutsche: Bosch will bis 2030 rund 13.000 Stellen abbauen, um eine jährliche Kostenlücke von 2,5 Milliarden Euro zu schließen. ZF plant 14.000 Jobstreichungen bis 2028, Aumovio mehr als 10.000 Kürzungen im Forschungs- und Entwicklungsbereich.
CLEPA-Generalsekretär Benjamin Krieger sieht die Branche auf einem „gefährlichen Pfad“. Ohne entschlossene Schritte drohe die Teilefertigung in Europa zu verschwinden, da Unternehmen Produktionsverlagerungen oder Schließungen erwägen müssten.
Wettbewerbsdruck aus China
Der Wettbewerbsdruck aus China verschärft die Situation. Europäische Zulieferer liegen laut Roland Berger hinter chinesischen Konkurrenten zurück, die von Subventionen und niedrigeren Kosten profitieren. In einer aktuellen CLEPA-Umfrage nannten 86 Prozent der Unternehmen Wettbewerbsfähigkeit als größte Herausforderung.
Hinzu kommen geopolitische Spannungen und neue Zollregime, die globale Lieferketten verändern. Immer mehr Unternehmen verlagern ihre Produktion in kostengünstigere Regionen, was die industrielle Basis in Westeuropa schwächt.
So plant die Hälfte der CLEPA-Mitglieder, ihre Kapazitäten in Westeuropa in den kommenden fünf Jahren zu reduzieren; nur zehn Prozent wollen dort ausbauen. Wachstum erwarten viele hingegen in Nordamerika, Asien und China – ein weiterer Hinweis auf die strukturelle Verschiebung der Branche.
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