IG-Metall-Chefin Christiane Benner reagiert im Interview mit der Automobilwoche auf den umfangreichen Stellenabbau in der Autobranche und spricht sich fr eine weitere Aufweichung des Verbrenner-Verbots aus. Besonders die Lage der Zulieferer bereite ihr Sorge. Sie betont, dass die Gewerkschaft ihre bisherigen Positionen berprfe und alte Gewissheiten hinterfrage.
Angesichts tausender gestrichener Arbeitspltze zeigt sich Benner absolut alarmiert und verweist auf Konflikte um Abbauplne sowie auf Bemhungen zur Sicherung von Arbeitspltzen. Gleichzeitig stelle sich die Frage nach der zuknftigen Ausrichtung der Industrie, insbesondere bei strategischen Themen wie autonomem Fahren und Batterietechnologien.
Die IG Metall wolle zentrale Teile der automobilen Wertschpfungskette in Deutschland erhalten. Die Branche sei ein wesentlicher Pfeiler des Industriestandorts, dessen Bedeutung Benner ausdrcklich hervorhebt. Ohne Industrie, so ihre Aussage, verliere Deutschland erheblich an wirtschaftlicher Substanz.
Mit Blick auf die europische Industriepolitik erkennt Benner einen Kurswechsel hin zu strkerem staatlichem Eingreifen. Die Vorschlge der EU, etwa zur Strkung von Made in Europe, bewertet sie berwiegend positiv. Gleichzeitig kritisiert sie, dass dieser Ansatz teilweise aufgeweicht werde und zentrale Themen wie Halbleiter oder Batteriezellfertigung nicht ausreichend bercksichtigt seien.
Auch im Bereich Forschung und Entwicklung sieht sie Risiken fr Beschftigte. Arbeitspltze bei Entwicklungsdienstleistern und in der Forschung stnden ebenfalls auf dem Spiel, weshalb industrielle Wertschpfung umfassender gedacht werden msse. Engineering sei ein integraler Bestandteil dieser Kette.
„Die Hauptstrae ist die Elektromobilitt“
In der Debatte um CO-Regulierung bekrftigt Benner, dass Elektromobilitt der zentrale Weg bleibe. Die Hauptstrae ist die Elektromobilitt, stellt sie klar. Dennoch pldiert sie fr zustzliche Optionen und eine pragmatische Umsetzung, um Beschftigung zu sichern. Dazu zhlt unter anderem die weitere Anrechnung von Plug-in-Hybriden in der CO-Bilanz.
Ich wrde liebend gern einen klareren Kurs Richtung Elektro fahren. Aber ich sehe auch, was mit den Arbeitspltzen in der Automobil- und vor allem in der Zulieferindustrie passiert, so die IG-Metall-Chefin. Und ich sehe, dass die Nachfrage nach Elektroautos aktuell geringer ist als angenommen. Und das liegt ja nicht an mangelnden Investitionen der Industrie in Elektromobilitt. Wir haben als IG Metall unsere Position in den letzten Jahren durchaus hinterfragt und sind offen fr Diskussionen. Aber die Hauptstrae, das muss ich noch einmal betonen, ist elektrisch, und wir mssen weiteres Hin und Her und damit Verunsicherung verhindern.
Die von der EU geplanten Verschrfungen lehnt die IG Metall ab. Stattdessen fordert Benner mehr Flexibilitt, etwa durch die Einbeziehung von E-Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren als Range Extender sowie durch Anreize fr klimafreundliche Materialien wie grnen Stahl. Auch Recycling und klimafreundlich produziertes Aluminium sollten strker bercksichtigt werden.
Die Sicherung von Arbeitspltzen sieht Benner als zentrale Herausforderung. Zwar gebe es wachsende Branchen, in die Beschftigte wechseln knnten, doch der Wandel sei anspruchsvoll. Besonders bei Zulieferern drnge die IG Metall auf tragfhige Zukunftskonzepte und eine bessere Absicherung von Beschftigten.
Kritisch uert sie sich zu Standortverlagerungen innerhalb und auerhalb Europas. Zwar entstnden auch in Deutschland neue Modelle, dennoch fordert sie bessere Rahmenbedingungen wie niedrigere Energiekosten, schnellere Genehmigungen und weniger Brokratie. Zudem verlangt sie ein Ende der Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungsarbeitspltzen ins Ausland.
Abschlieend betont Benner die Notwendigkeit einer konsequenten Industriepolitik angesichts globaler Unsicherheiten und rcklufiger Produktionszahlen in Europa. Diese Entwicklung msse gestoppt werden, um industrielle Kerne in Deutschland zu erhalten und knftig wieder Wachstum zu ermglichen.
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