„China Speed“: Warum chinesische Autohersteller schneller und günstiger sind

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Chinesische Industrieunternehmen setzen weltweit Maßstäbe bei Entwicklungsgeschwindigkeit und Kosten. Im Automobilsektor entwickeln sie neue Fahrzeuge heute 25 bis 30 Prozent schneller als europäische Wettbewerber und halten gleichzeitig einen Kostenvorteil von 20 bis 30 Prozent. In anderen Industrien sind die Unterschiede teils noch größer. Das zeigt die aktuelle Analyse „China Speed“ der Unternehmensberatung Roland Berger.

Entgegen der weitverbreiteten Annahme liegt Chinas Kostenvorsprung laut den Beratern nur zu einem Teil an niedrigeren Löhnen. Ihre Analyse zeigt: Rund 60 Prozent des Kostenvorteils entstehen durch Design‑ und Systementscheidungen, etwa durch konsequente Standardisierung, reduzierte Variantenvielfalt und ein „fit‑for‑purpose“-Engineering – also Fokus auf marktrelevante Leistung. Weitere Treiber sind wettbewerbsfähige Lieferantenstrukturen und operative Effizienz, nicht primär Personalkosten.
„China Speed ist kein kulturelles Phänomen“
„China Speed ist kein kulturelles Phänomen, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen bezüglich Produktdesign, Portfoliokomplexität und der Lieferantenbasis. Und genau deshalb ist ein Teil davon auch in Europa umsetzbar,“ sagt Oliver Knapp, Partner bei Roland Berger.

(Zum Vergrößern anklicken) Bild: Roland Berger
Die Unternehmensberatung identifiziert Geschwindigkeit in China als Ergebnis eines konsequent integrierten Entwicklungsansatzes. Chinesische Hersteller verkürzen Entwicklungszeiten vor allem durch deutlich kürzere Strategie‑ und Entscheidungsphasen, einen hohen Anteil virtueller Tests von bis zu 80 Prozent, parallele Entwicklung von Software und Hardware sowie frühe, systematische Einbindung von Lieferanten.
Ein konkretes Fallbeispiel der Studie (ENG/PDF) aus der Automobilindustrie zeigt: Ein chinesischer Hersteller von Personenfahrzeugen konnte seine Entwicklungszeit um 14 Monate im Vergleich zum globalen Referenzwert reduzieren. Das gelang hauptsächlich durch organisatorische und prozessuale Anpassungen, ohne Abstriche bei Marktfähigkeit oder Produktreife.
Die Analyse zeigt, dass „China Speed“ auch in Europa möglich ist – wenn auch in einer abgespeckten Version. Noch verfügen europäische Unternehmen laut den Beratern über wichtige Stärken: tiefe Kundenkenntnis, regulatorische Expertise, starke Marken und hohe Qualitätsreputation. „Doch sie verlieren an Wirkung, wenn Kostenlücken und Entwicklungszeiten nicht deutlich verkleinert bzw. verkürzt werden. Europäische Unternehmen können aber gezielt Elemente der chinesischen Produktionsweise übernehmen und an die eigenen Systeme anpassen“, so Roland Berger.

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