Ionity-CEO: „E-Mobilität lohnt sich trotz teurerem Laden unterwegs“

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Ionity baut seit 2017 an einem europäischen Schnellladenetz. Nach anfänglichem Fokus auf Stromtankstellen an Autobahnen kommen jetzt auch die Städte dran. In einem Interview mit Firmenauto.de spricht CEO Jeroen van Tilburg über seine aktuelle Sicht auf die Ladeinfrastruktur für Elektroautos.
„Das Bild von der schlechten Ladeinfrastruktur stimmt so nicht mehr, zumindest nicht überall“, sagt Van Tilburg. Gerade auf Autobahnen funktioniere Schnellladen heute sehr zuverlässig. Europaweit gebe es inzwischen über eine Million öffentliche Ladepunkte, davon knapp 130.000 Schnelllader mit mindestens 150 kW.
Fahrer von E-Autos finden laut dem Ionity-Chef entlang wichtiger europäischer Verkehrskorridore alle 120 bis 150 Kilometer eine Station des Unternehmens. Die Daten zeigten ein deutliches Ungleichgewicht: Etwa 70 Prozent der europäischen Schnellladeparks würden noch zu wenig genutzt, im Durchschnitt unter 2,5 Ladevorgängen pro Tag. Die Ladeinfrastruktur sei also in vielen Regionen besser als ihr Ruf und weiter als die heutige Zahl an E-Autos.

„Dennoch bestehen Unterschiede zwischen Autobahnen und Städten. Dort bauen wir aktuell gezielt aus, um E-Fahrer ohne eigene Wallbox besser zu erreichen, an Orten wie Supermärkten, Gastronomie und Pendlerstrecken“, so der Lade-Manager. „Unser Ziel ist, das schnelle Laden verlässlicher und komfortabler in den Alltag zu integrieren.“
Wartezeiten an Ladeparks seien selten und entstünden vor allem an wenigen Tagen in der Urlaubssaison – ähnlich wie Staus an Tank- oder Mautstellen. Meist fänden E-Auto-Fahrer heute also problemlos eine freie Ladesäule. Reservierungen hält Van Tilburg für eher schwierig, denn Reisesituationen seien unvorhersehbar: „Wenn jemand im Stau steht oder später losfährt, blockiert ein reservierter Ladepunkt eine Säule für eine Person, die noch gar nicht da ist – während jemand vor Ort sie nicht nutzen darf.“ Das sorge für Frust statt für Entlastung.
„Ankommen, einstecken, weiterfahren“
„Wir wollen, dass man gar nicht reservieren muss, weil die Ladeinfrastruktur gut genug ist. Wir bauen daher gezielt aus und arbeiten mit dedizierter, nicht geteilter Leistung pro Ladepunkt. Das heißt: Jede Säule liefert ihre volle Power, ohne dass sich Fahrzeuge die Leistung teilen müssen“, erläutert der Ionity-Chef. Dadurch verkürze sich die reale Ladezeit deutlich und die verfügbare Anzahl an Ladevorgängen pro Standort steige.
Für klar planbare Segmente wie Lkw-Verkehr mit festen Ruhezeiten könnte eine Reservierung sinnvoll sein. Aber für den Pkw-Bereich, wo Reisen spontan blieben, sei die beste Lösung: „ankommen, einstecken, weiterfahren“. Auch intelligentes Routing, das E-Fahrern frühzeitig freie Alternativen vorschlägt sowie dynamische Preismodelle könnten helfen, Lastspitzen besser zu verteilen.
Schnellladen unterwegs ist oft teuer. „Die 79 Cent, die man oft liest, beziehen sich auf den Preis für spontane Einzelnutzung. Viele E-Fahrer laden aber über Abos oder spezielle Tarife deutlich günstiger“, betont der Ionity-Boss. Wer regelmäßig unterwegs lade, spare damit spürbar. Man könne die Preise für das Laden zu Hause nicht mit den Preisen für das Schnellladen unterwegs vergleichen. An einer HPC-Säule (High Power Charging) bekomme man heute bis zu 500 kW Leistung. Diese Infrastruktur sei technisch anspruchsvoll und kostenintensiv im Aufbau und Betrieb, das spiegele sich auch in den Preisen wider.
„E-Mobilität lohnt sich“
Aber trotz der höheren Preise fürs Unterwegsladen lohne sich E-Mobilität, sagt Van Tilburg. Hochgerechnet über fünf Jahre seien drei von vier E-Autos in Europa günstiger im Besitz und Betrieb als Diesel oder Benziner. Und je mehr Menschen unterwegs laden, desto effizienter könne man die Infrastruktur nutzen. Jede zusätzliche Kilowattstunde helfe, die Fixkosten zu verteilen. Mit steigender E-Auto-Flotte könnten die Preise daher sinken.
Das Laden müsse noch einfacher werden, räumt der Ionity-Chef ein. Daran müsse man als Branche, von den Ladepunktbetreibern bis zu den Automobilherstellern und Netzbetreibern, sorgen. „Wir sind hier auf einer Reise. Die Reife, die man vom Tanken kennt, entsteht nicht über Nacht“, merkt der Manager an. Laden sei ein digitales Produkt, vieles könne langfristig einfacher werden – etwa durch Plug-and-Charge, intelligentes Routing zur nächsten freien oder günstigeren Säulen.
Mit modernen High-Power-Chargern würden viele Elektroautos in rund 15 Minuten Energie für 300 bis 400 Kilometer laden können – „im Prinzip eine kurze Kaffeepause“, so der Ionity-Chef. „Und mit unseren kommenden 600-kW-Systemen werden neue Fahrzeuggenerationen diese Reichweite sogar in unter acht Minuten erreichen. Wir bewegen uns also klar in Richtung ‚so schnell wie tanken’.“

Automobile Magazine-Germany

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