Das Bundesumweltministerium hat Details zum neuen staatlichen E-Auto-Förderprogramm veröffentlicht. Privatpersonen, die ihr Elektroauto oder bestimmte Plug-in-Hybride sowie Elektroautos mit Reichweitenverlängerer ab dem 1. Januar 2026 neu zugelassen haben oder zulassen und unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen, können je nach Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße Fördermittel in Höhe von 1.500 bis 6.000 Euro beantragen.
Förderfähig sind sowohl Kauf als auch Leasing von Neuwagen. Für die Förderung maßgeblich ist das Datum der Neuzulassung ab dem 1. Januar 2026. Die Förder-Anträge können rückwirkend gestellt werden. Die ersten Reaktionen von Politikern und Verbänden:
CDU/CSU & SPD
„Das Auto wird auch künftig eine wichtige Rolle für unsere Mobilität spielen. Um beim Klimaschutz im Verkehr voranzukommen, müssen die Fahrzeuge deshalb Schritt für Schritt sauberer werden. Dafür gibt es unterschiedliche Wege, ein wachsender Anteil von Elektroautos ist eine wichtige Säule dabei. Die Zulassungen sind in den letzten Monaten gestiegen, aber es ist noch mehr drin. Nachdem es Anreize für Dienstwagen schon gibt, soll die neue Förderung Privatpersonen mit geringen und mittleren Einkommen den Erwerb eines Elektroautos erleichtern“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Andreas Jung.
„Das Auto muss überzeugen. Die Ladeinfrastruktur muss noch besser und der Betrieb durch geringere Stromkosten attraktiver werden. Aber hohe Anschaffungskosten sind eben auch oft noch eine Hürde. Hier setzt der Bonus an. Damit bei klimafreundlichen Autos jetzt noch mehr PS auf die Straße kommt, sind jetzt unbürokratische Umsetzung, Verlässlichkeit und ein verlässliches Gesamtkonzept entscheidend.“
„Wir wollen mit diesem Förderprogramm etwas für die Umwelt tun, für unsere europäische Automobilindustrie und für die Haushalte, die sich ohne Unterstützung noch kein Elektroauto leisten konnten“, so Bundesumweltminister Carsten Schneider von der SPD. „Nachdem die Bundesregierung bereits viel getan hat, um E-Autos als Firmenwagen attraktiv zu machen, unterstützt dieses Förderprogramm gezielt Privatleute. Die Mittel reichen für geschätzt 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren. Das ist ein starker Anschub für die Elektromobilität in Deutschland. Und es ist ein Anschub für unsere heimische Automobilwirtschaft, die starke Elektroautos im Angebot hat.“
Nach Einschätzung von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies ist die neue Kaufprämie für Elektroautos wegen der sozialen Staffelung überzeugend. „Umstieg auf Elektromobilität muss für alle bezahlbar sein“, sagte der SPD-Politiker, der für das Land im VW-Aufsichtsrat sitzt. Niedersachsen habe sich dafür eingesetzt, dass etwa einkommensschwächere Familien mit Kindern deutlich höhere Zuschüsse bekommen.
Für Lies ist nun entscheidend, dass die Förderung konsequent an europäische Produktions‑ und Lieferketten gebunden wird. „Nur so sichern wir gute Arbeit, faire Löhne und mehr Wertschöpfung in Europa“, sagte der Regierungschef. Gleichzeitig brauche es auch mittelfristig starke Impulse für den Kauf und das Leasing junger gebrauchter E‑Autos – damit auch Familien mit geringerem Einkommen Zugang zu bezahlbarer, klimafreundlicher Mobilität erhalten.
Grüne
Die Grünen im Bundestag lehnen die neue E-Auto-Prämie als sozial unverträglich ab und haben einen eigenen Punkteplan vorgelegt. „Die von der Bundesregierung vorgeschlagene Förderung ist eine unsoziale Mogelpackung“, sagte die verkehrspolitische Fraktionssprecherin Swantje Michaelsen.
Große Verbrennungsmotoren für Gutverdienende benötigten keine Steuergelder, so die Abgeordneten. Die neue Förderung gilt auch für Plug-in-Hybride, die Verbrenner- und Elektrotechnik kombinieren. In ihrem Plan fordert die Fraktion, ausschließlich emissionsfreie Elektroautos zu fördern. Kinderlose Haushalte sollten zudem nur bis zu einem Jahreseinkommen von 45.000 Euro Zuschüsse erhalten, Haushalte mit Kindern bei bis zu 70.000 Euro.
Neben einer Basisförderung von 4.000 Euro schlagen die Grünen zudem 500 Euro zusätzlich für jedes Kind vor. „Kinderreiche Familien würden besonders profitieren, weil sich die Fördersumme pro Kind erhöht“, erklärte Michaelsen.
Auch sollte die Förderung sich auf Autos aus Europa und einen Listenpreis von höchstens 35.000 Euro beschränken, bei Familien auf 45.000 Euro. „Wir wollen kompakte, bezahlbare E-Autos fördern“, heißt es in dem Plan, den Michaelsen gemeinsam mit dem grünen Wirtschaftsexperten Julian Joswig verfasst hat. Mitnahmeeffekte bei teuren Modellen dürften nicht riskiert werden.
VDA, VDIK & ZDK
„Das Förderprogramm schafft die benötigte Planungssicherheit für die Verbraucher sowie die deutsche Automobilindustrie. Im Vordergrund muss aber weiterhin die Verbesserung der Rahmenbedingungen stehen, insbesondere im Bereich der Ladeinfrastruktur mit den begleitenden Stromnetzen und der Senkung der Ladestrompreise“, kommentierte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) Hildegard Müller.
„Wesentliche Eckpunkte des Programms sind grundsätzlich geeignet, den Erfolg der E-Mobilität in Deutschland zu unterstützen. Dazu zählen insbesondere der rückwirkende Start des Programms, sowie die Einbeziehung von Plug-in-Hybriden und der Verzicht auf wettbewerbsverzerrende Preisschwellen.“
Die Regeln des neuen Förderprogramms gelten zunächst bis Mitte 2027. „Dabei darf nicht unberücksichtigt bleiben: Gebrauchtwagen können ebenfalls zur Stärkung der Elektromobilität und zum Erreichen der Klimaziele einen wichtigen Beitrag leisten. Daher sollte das Förderprogramm – im Zuge der Evaluation im Jahr 2027 – dann auch Gebrauchtwagen berücksichtigen“, so Müller.
„Dass das Zulassungsdatum als maßgeblicher Stichtag für die Förderung gilt, ist ein Fehler. Die Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen unbedingt bereits beim Kauf des Autos Gewissheit darüber, ob sie die Förderung erhalten – sie brauchen Planungssicherheit. Hier ist schon heute klar: Diesen Webfehler muss die Koalition beim Förderprogramm 2027 unbedingt beheben.“
Klar sei: „Die neue E-Auto-Förderung ist ein weiterer grundsätzlich positiver Schritt, kann aber nur ein Baustein zur Unterstützung des Markthochlaufs sein. Für den nachhaltigen Hochlauf der Elektromobilität bleiben entscheidend: eine gute Verfügbarkeit der Ladeinfrastruktur, günstiger Ladestrom und weitere Nutzervorteile sowie darüber hinaus gute Standortbedingungen für die Unternehmen. Das darf niemand aus dem Blick verlieren, sonst bleibt die Förderung ein Strohfeuer ohne nachhaltige Wirkung.“
Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht im Programm der Bundesregierung „grundsätzlich ein positives Signal für den Markthochlauf der Elektromobilität“. Die geplante Unterstützung ermögliche zukünftig auch Haushalten mit kleinen und mittleren Einkommen den Umstieg auf ein E-Auto. Dabei begrüßt der VDIK, dass die Förderung nun rückwirkend für Zulassungen ab dem 1. Januar in Kraft treten soll. Gleichzeitig sieht der Verband jedoch „erheblichen Nachbesserungsbedarf“, etwa bei der Einbeziehung von batterieelektrischen Gebrauchtwagen und der Förderhöhe für Plug-in-Hybride.
Kritisch sieht der VDIK auch den komplexen Nachweis für die Höhe des Haushaltseinkommens, insbesondere bei mehreren zur Steuer veranlagten Haushaltsmitgliedern. Ein neues Portal, das frühestens ab Mai 2026 zur Verfügung gestellt werden könnte, dürfe nicht zu Unklarheiten und Verzögerungen bei der Bereitstellung der Förderung führen.
Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) begrüßte die vom Umweltministerium vorgestellten Eckpunkte zur Förderung von Elektrofahrzeugen. Die geplanten Maßnahmen setzen aus Sicht des Verbands wichtige Impulse für den Hochlauf der Elektromobilität und schafften zugleich mehr Planungssicherheit für Verbraucher sowie für den Kfz-Handel.
„Die vom Bundesumweltministerium vorgesehenen Förderstufen sind aus unserer Sicht sinnvoll und setzen die richtigen Anreize. So wird ein klares und nachvollziehbares Signal gesetzt, das vielen Kundinnen und Kunden den Einstieg in die E-Mobilität erleichtert“, erklärte ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. “Entscheidend ist jetzt eine zügige und unbürokratische Umsetzung, damit der Kfz-Handel sowie die Kundinnen und Kunden schnell von der neuen Förderung profitieren können.”
Positiv bewertet der ZDK die soziale Staffelung der Förderung. „Dass Haushalte mit geringerem Einkommen sowie Familien gezielt stärker unterstützt werden, ist der richtige Ansatz“, so Peckruhn. „Im Idealfall können bis zu 6.000 Euro Förderung erreicht werden. Das macht Elektromobilität für breite Bevölkerungsschichten attraktiver und sollte helfen, das Kaufinteresse nachhaltig zu steigern.“
Kritisch bewertet der ZDK, dass Förderanträge voraussichtlich erst im Frühjahr gestellt werden können. Dann sei mit einem hohen Antragsaufkommen zu rechnen, das beim für die Bearbeitung zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zu Verzögerungen führen könnte. Dadurch drohe sich auch die Wirkung der Förderung zu verzögern – insbesondere für Personen mit geringerem Einkommen, für die eine zeitnahe Auszahlung der Prämie ein wichtiger Kaufanreiz wäre.
Der ZDK kritisierte weiter, dass gebrauchte Elektrofahrzeuge von der neuen Förderung ausgeschlossen sind. Eine Einbeziehung würde nicht nur den gesamten E-Automarkt beleben und die Nachfrage verbreitern, sondern die Elektromobilität auch für weitere Käufergruppen attraktiver machen. Zugleich könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Restwerte von Elektrofahrzeugen leisten.
Damit Elektroautos für weitere Zielgruppen tatsächlich attraktiv und praktikabel werden, müssten flankierende Maßnahmen Hand in Hand mit der Förderung greifen. Ein schneller Ausbau der Ladeinfrastruktur, niedrigere Stromkosten und klare Preistransparenz an Ladesäulen sind aus Sicht des ZDK entscheidend, um die Akzeptanz und Nutzung von E-Autos nachhaltig zu steigern.
IG Metall
Die IG Metall forderte, dass der Umstieg auf ein Elektroauto für mehr Menschen möglich werden müsse. Es sei richtig, dass es bei niedrigen Einkommen eine höhere Förderung gebe, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Sie sprach sich zudem dafür aus, Unterstützung bald auch Gebrauchtwagen auszuweiten.
Deutsche Umwelthilfe (DUH)
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte die von der Bundesregierung vorgestellten Kaufprämien für E-Autos und „klimaschädliche“ Plug-In-Hybride (PHEV) sowie Fahrzeuge mit Range-Extender (REX) als milliardenschweres Geschenk für Autohersteller ohne Lenkungswirkung.
„Wieder bringt die Bundesregierung ein milliardenschweres Hilfsprogramm für die Autohersteller und auf Kosten der Steuerzahler auf den Weg. Einen Beitrag zum klima- und industriepolitisch dringend erforderlichen Hochlauf der Elektromobilität leistet die Bundesregierung mit diesem Programm nicht, da sie Verbrenner-Hybride mit hohem CO2-Ausstoß ebenfalls einbezieht. Gefördert werden Plug-In-Hybride und Fahrzeuge mit Range-Extender, die offiziell mit bis zu 60 g CO2/km angegeben sind, obwohl die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass diese Werte irreführend sind. Plug-In-Hybride stoßen in der Praxis bis zu fünfmal mehr CO2 aus und bieten somit kaum Klimavorteile gegenüber konventionellen Verbrennern“, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
„Ohne jegliche Effizienzvorgaben werden auch schwere E-SUV mit hohem Stromverbrauch mit Steuergeldern subventioniert – dem Klimaschutz bringt das nichts. E-Auto fahren wird mit diesem Förderprogramm nicht attraktiver: Während die Bundesregierung energieintensive Industrien beim Strompreis subventioniert, zahlen E-Auto-Fahrer bis zu 89 Cent pro Kilowattstunde Strom. Diese Kaufprämie legt erneut offen, wie planlos die Verkehrspolitik der Bundesregierung ist. Trotz milliardenschwerer Förderung lässt die Bundesregierung weiter eine wirksame Klimaschutzpolitik im Verkehrssektor vermissen.“
Transport & Environment (T&E)
Susanne Goetz, Referentin für E-Mobilität in Deutschland bei der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E), sagte zum neuen E-Auto-Förderprogramm: “Das Förderprogramm passt weder zur Bevölkerung noch zum Klima. T&E begrüßt, dass es endlich eine Einkommensgrenze für Förderungen gibt, allerdings liegt diese mit 80.000 Euro viel zu hoch und kommt vor allem den Besserverdienenden zugute. Damit subventioniert gerade die SPD an ihrem Ziel vorbei, E-Mobilität für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen zugänglich zu machen. Es ist fraglich, ob bei den aktuellen Neuwagenpreisen 4.500 Euro Förderung viele Familien mit einem Kind und einem Jahreseinkommen von 45.001 bis 60.000 Euro wirklich zu einem Neukauf bewegen werden? Außerdem gilt das Förderprogramm nur für Neuwagenkäufe. Dabei erwerben sieben von acht Privatpersonen ihre Autos gebraucht.“
Gleichzeitig fördere das Programm Plug-in-Hybride, obwohl sie nach aktuellen T&E-Analysen im Realbetrieb fast so viele Emissionen ausstoßen würden wie herkömmliche Verbrenner. Dass es jetzt auch Range-Extender kurzfristig auf die Liste der Geförderten geschafft hätten, sei industriepolitisch unklug. Die Technologie werde nämlich von chinesischen Marken dominiert.
„Unter dem Strich will die Bundesregierung also mit den 3 Milliarden Euro aus dem Klimatransformationsfonds, zum Teil Autos fördern, die klimaschädlich sind. Angesichts der ständig steigenden Emissionen im Verkehr können wir es uns nicht leisten, noch mehr Geld für dreckige Fahrzeuge zu verschwenden“, so Goetz. Die wichtigste Maßnahme, die sowohl der deutschen Autoindustrie, als auch dem Klima helfen würde, werde demnächst auf EU-Ebene entschieden: Der Gesetzesvorschlag zu sauberen Unternehmensflotten. Wolle Bundesumweltminister Carsten Schneider der E-Mobilität wirklich einen Anschub geben und Jobs in Deutschland sichern, dann müsse er seinen Koalitionspartner davon überzeugen, dass elektrische Flotten der richtige Weg sind.
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