Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektroautos in Deutschland hat laut der Marktanalyse von Cirrantic, erstellt für das Portal Edison, im Dezember 2025 einen Meilenstein erreicht. Mit insgesamt 201.642 Ladepunkten wurde die Marke von 200.000 überschritten – die Stationen des Tesla-Supercharger-Netzwerks sind dabei nicht berücksichtigt. Die aktuelle Auswertung zeigt jedoch: Entscheidend ist nicht nur das Wachstum, sondern vor allem die strukturelle Verschiebung innerhalb des Netzes.
Während das Wechselstrom-Netz (AC) kontinuierlich auf nun knapp 150.000 Ladepunkte ausgebaut wurde, verzeichnete insbesondere das High-Power-Charging (HPC) ein überdurchschnittliches Wachstum. Mehr als 41.300 Anschlüsse ermöglichen inzwischen besonders Laden mit Gleichstrom von über 50 Kilowatt. Der Hochlauf der Elektromobilität, so die Analyse, bekommt damit ein zunehmend „muskulöseres“ Rückgrat.
Besonders deutlich wird der Wandel beim Blick auf die Nutzung. Von 6,8 Millionen registrierten Ladevorgängen im Dezember 2025 – ohne Tesla – entfielen gut 4 Millionen auf das Gleichstrom-Schnellladen (DC) und rund 2,8 Millionen auf das klassische AC-Laden. Damit hat das DC-Laden das bisher dominierende AC-Laden überholt. Das vierte Quartal mit vielen Neuzulassungen, höherem Ladebedarf im Winter und dem Weihnachtsreiseverkehr verstärkte diesen Trend zusätzlich.
Cirrantic führt den Boom beim DC-Laden auf mehrere Faktoren zurück. Schnelllader stehen längst nicht mehr nur an Autobahnen, sondern zunehmend auch in urbanen Räumen, an Supermärkten, Baumärkten, Fachmarktzentren und Tankstellen. Das Laden erfolgt immer häufiger nebenbei beim Einkaufen. Zudem binden große Betreiber wie EnBW, Aral Pulse oder Ionty ihre Kunden mit attraktiven Preisen an eigene Netzwerke.
DC-Laden dominiert zunehmend
Auch bei der Auslastung zeigt sich eine klare Verschiebung. Im AC-Netz stagniert die Nutzung bei durchschnittlich 0,63 Ladevorgängen pro Tag und Ladepunkt. Im DC- beziehungsweise HPC-Netz liegt die Auslastung dagegen bei über 2,5 Ladevorgängen pro Tag und Anschluss – ein deutlicher Unterschied in der Wirtschaftlichkeit der Standorte.
Zugleich offenbart der Markt eine starke Konzentration: 80 Prozent der DC- beziehungsweise HPC-Ladevorgänge finden an nur 30 Prozent der Standorte statt, vor allem an Autobahnen und in dicht besiedelten Städten. Ebenso werden 80 Prozent der DC-Ladevorgänge von rund 20 der „Charge Point Operator“ abgewickelt, die mit starken Marken und Premium-Standorten präsent sind.
Bei den Preisen zeigt sich 2025 hingegen Stabilität. Nachdem im November 2024 teilweise bis zu 1,37 Euro pro Kilowattstunde (kWh) am Schnelllader verlangt wurden, blieb eine weitere Preisspirale aus. Anpassungen betrafen laut Cirrantic vor allem selten genutzte Hochpreissegmente wie Ad-hoc-Tarife oder B2B-Roaming.
Mit einer neuen Gewichtung der Daten (75 % Standardnutzung, 25 % Extremwerte) ergeben sich durchschnittliche Preise von 0,57 Euro pro kWh für AC-Laden und 0,65 Euro pro kWh für DC-Laden. Zuvor lagen die Werte bei 0,63 Euro (AC) und 0,73 Euro (DC). Der Preisabstand zwischen langsamem und schnellem Laden ist damit deutlich geschrumpft.
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