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Berater warnen vor Krise der europäischen Autoindustrie

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AlixPartners fordert europäische Automobilhersteller, Zulieferer und Regierungen zu „dringenden“ Maßnahmen auf, um die Zukunft der europäischen Autoindustrie zu sichern. In ihrer Analyse „Can Europe Still Build Cars into the 2030s?“ benennt die Unternehmensberatung strukturelle Herausforderungen, die sich nicht allein durch Zölle, Handelsausnahmen oder bestehende industriepolitische Maßnahmen bewältigen lassen.

Dazu zählen insbesondere der Kostennachteil gegenüber chinesischen Herstellern, Rückstände bei der Softwareentwicklung und hohe Investitionen in neue Fahrzeugtechnologien. Ein Elektroauto einer chinesischen Marke kostet demnach in der Herstellung rund 20.000 Dollar (ca. 17.800 Euro), während für ein vergleichbares europäisches Modell etwa 31.000 Dollar (27.600 Euro) anfallen. Zugleich entwickeln Hersteller der Volksrepublik softwaredefinierte Fahrzeuge schneller und bringen neue Modelle zügiger auf den Markt.

Während europäische Autobauer durchschnittlich weniger als ein Drittel ihres Umsatzes mit Modellen erzielen, die innerhalb der vergangenen drei Jahre eingeführt wurden, liegt dieser Anteil bei chinesischen Wettbewerbern zwischen 76 und 100 Prozent. Die Entwicklung neuer elektrifizierter und softwaredefinierter Fahrzeugplattformen erfordert zudem Investitionen in Milliardenhöhe.

Regionale Plattformen nötig

Weitere Belastungen entstehen durch unterschiedliche Vorschriften in China, Europa und den USA für Fahrzeugvernetzung, automatisierte Fahrsoftware und Datenspeicherung. Nach Einschätzung von AlixPartners können vernetzte Fahrzeuge nicht mehr mit einer einzigen Plattform alle drei regulatorischen Anforderungen erfüllen, weshalb die meisten europäischen Hersteller drei regionale Plattformen entwickeln und finanzieren müssen.

Besonders schwierig ist der Analyse zufolge zudem die Kostenproblematik bei Batterien, da rund 80 Prozent der Raffineriekapazitäten für Kathodenmaterialien und Materialien in Batteriequalität außerhalb Europas liegen. Auch europäische Batteriefabriken bleiben deshalb von Vorprodukten abhängig, deren Preise und Kontrolle außerhalb Europas liegen.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zeigen sich laut den Beratern bereits in der Auslastung europäischer Automobilwerke. Derzeit arbeiten 15 Fabriken mit weniger als 60 Prozent ihrer Kapazität, wodurch Produktionsmöglichkeiten für jährlich rund 2,5 Millionen zusätzliche Fahrzeuge ungenutzt bleiben. Chinesische Hersteller versuchen nach Angaben von AlixPartners, einen Teil dieser Kapazitäten für ihren Markteintritt in Europa zu nutzen. Gleichzeitig sind die EBITDA-Margen europäischer Autobauer von 13,2 Prozent im Jahr 2021 auf 6,9 Prozent im Jahr 2025 gesunken.

„Zeitfenster schließt sich“

AlixPartners fordert die Hersteller deshalb auf, ihre Aktivitäten zusammenzulegen, Standorte umzunutzen oder gegebenenfalls Werke zu schließen. Die Politik soll industrielle Energiekosten senken und langfristige Planungssicherheit bei der Regulierung von Elektrofahrzeugen schaffen. Berater Andrew Bergbaum warnt vor einem zunehmend engeren finanziellen Handlungsspielraum und betont: „Das Zeitfenster, um aus einer Position finanzieller Stärke heraus zu handeln, schließt sich.“

„Die gute Nachricht ist, dass dies keine Geschichte mit einem vorbestimmten Ende ist“, sagt Bergbaum. „Die Unternehmen und Regierungen, die jetzt mutige Engagements eingehen, werden die europäische Automobilindustrie im nächsten Jahrzehnt prägen. Diejenigen, die weiterhin zögern, werden feststellen, dass diese Entscheidungen für sie getroffen werden – und zwar zu den Bedingungen anderer. Der Weg in die Zukunft ist klar, aber es bleibt abzuwarten, welche Unternehmen – und welche Regierungen – bereit sind, ihn einzuschlagen.“

Deutschland, Europas größter Automobilmarkt, verdeutlicht laut Xing Zhou, DACH-Co-Leiter des Bereichs Automotive & Industrial bei AlixPartners, die europäische Herausforderung besonders anschaulich. China sei lange Zeit der zweitwichtigste Heimatmarkt für die Autobauer der Bundesrepublik gewesen, doch die chinesischen Verbraucher böten den Herstellern nicht mehr dieselben Chancen wie früher. Auf ihrem Heimatmarkt hätten chinesische Marken den westlichen Herstellern innerhalb weniger Jahre zehn Prozent des Absatzvolumens abgenommen und damit die Erwartungen der Verbraucher in Bezug auf Preis, Technologie und Innovation grundlegend neu definiert.

„Eine schrittweise Reaktion ist keine Option. Die Hersteller müssen sich neu aufstellen, ihre Zulieferer unterstützen und bei Technologiepartnerschaften schneller vorgehen, als die meisten bisher bereit waren“, so Zhou.

Automobile Magazine-Germany

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