Florian Kraft, Managing Director der Marke Renault und Länderchef der Renault Group in Deutschland, skizziert im Gespräch mit dem Portal Elektroauto-News die strategische Rolle des neuen elektrischen Twingo und ordnet ihn in die E-Mobilitäts-Strategie des Konzerns ein. Der Kleinstwagen solle zentrale Werte wie Einfachheit, Kundennähe und Emotionalität bewahren und zugleich konsequent elektrisch positioniert sein.
Nach Krafts Darstellung knüpft die vierte Generation bewusst an die ursprüngliche DNA des Modells an. Neben Erschwinglichkeit gehe es um ein leicht zugängliches Fahrzeug mit eigenständigem Charakter. Mit dem Zusatz „E-Tech Elektrisch“ werde zugleich deutlich, dass der Twingo als rein mit Strom betriebenes Auto konzipiert ist und zur urbanen Elektromobilität passen soll.
Im Rahmen der Strategie „Renaulution“ sieht Kraft den Twingo E-Tech Elektrisch nicht als Kompromissprodukt. Retro-Elemente im Design seien gewollt, technisch hingegen sei das Fahrzeug auf dem aktuellen Stand. Auf der AmpR-Small-Plattform teile sich der Twingo die Basis mit den etwas größeren Elektroautos Renault 4 und Renault 5.
Besonders hebt Kraft die Innenausstattung und die digitale Vernetzung hervor. Mit dem OpenR-link-System und zwei großen Bildschirmen sieht Renault sich im B-Segment führend. Der Anspruch sei klar formuliert: „erschwinglich, ja – aber keine Kompromisse beim Produkt“. Dazu gehörten auch praktische Lösungen wie eine verschiebbare Rückbank und ein variabler Kofferraum.
Preislich ist der Twingo klar positioniert: Ziel sei ein Einstiegspreis unter 20.000 Euro, was durch Kostensenkungen innerhalb der Elektro-Sparte Ampere ermöglicht werden soll. Im A-Segment erwartet Kraft keine relevanten Abstriche für die Kundschaft, da Reichweite, Platzangebot und Nutzung klar auf den urbanen Alltag zugeschnitten seien.
Im Vergleich zu Renault 4 und 5 fällt die Batterie des Twingo kleiner aus. Während die größeren Modelle mit bis zu 52 kWh über 400 Kilometer WLTP-Reichweite erreichen, akzeptiert Renault beim Twingo zugunsten des Preispunkts eine geringere Reichweite von 262 Kilometern.
„Der Markt hat sich bereits deutlich weiterentwickelt“
Zur Rolle staatlicher Förderung betont Kraft, dass sich der Markt weiterentwickelt habe. Nach einem Rückgang der Elektro-Neuzulassungen 2024 sieht Renault 2025 trotz weggefallener BAFA-Prämien wieder ein starkes Wachstum. Die neue, stärker individualisierte staatliche deutsche Elektroauto-Prämie ab 2026 wertet er als zusätzliche Unterstützung für einen grundsätzlich etablierten Markt.
Als größtes Hemmnis für Elektromobilität nennt Kraft die Intransparenz und Höhe der Ladepreise. Nicht die Infrastruktur, sondern Kosten von bis zu 1,20 Euro pro Kilowattstunde an Schnellladesäulen sorgten für Verunsicherung. Die Sorge der Kunden richte sich weniger auf den Fahrzeugpreis als auf fehlende Planbarkeit beim Laden.
Mit dem „Mobilize Charge Pass“ bietet Renault nach eigenen Angaben eine Antwort auf dieses Problem. Für eine monatliche Gebühr können Kunden zu festen Konditionen, etwa an Ionity-Schnellladern, laden. Eigene Ladeinfrastruktur will Renault künftig nicht mehr betreiben, den Charge Pass aber stärker vermarkten.
Weitere Herausforderungen sieht Kraft in der Umstellung von Verbrenner auf Elektroantrieb, die eine Lernphase erfordere, sowie in der wachsenden Komplexität der Beratung. Händler spielten dabei eine Schlüsselrolle, müssten aber zunehmend auch Themen wie Konnektivität und digitale Dienste abdecken.
Zum Abschluss betont Kraft den Anspruch, ein breites Antriebsportfolio anzubieten. Mut zeige Renault nicht nur mit Elektroautos, sondern auch mit neuen Verbrennern wie dem Clio. Nach einem erfolgreichen Jahr 2025 solle sich dieser Ansatz 2026 mit Twingo und Clio in allen Antriebsarten erneut in Stückzahlen beweisen.
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