Martin Sander verantwortet als Mitglied des Markenvorstands Volkswagen den Bereich Vertrieb, Marketing und After Sales. Er zeigt sich im Gespräch mit der Automobilwoche zufrieden mit den Auslieferungszahlen im Jahr 2025. Insgesamt wurden 4,73 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert. Damit lag man nur leicht unter dem Vorjahreswert von 4,8 Millionen, laut Sander „ein solides Ergebnis“ angesichts der aktuellen Marktbedingungen.
In Europa habe Volkswagen dank eines gestärkten Produktportfolios seine führende Rolle ausgebaut und sei trotz „massiven Wettbewerbsdrucks“ – vor allem durch chinesische Hersteller – um 5,1 Prozent auf 1,32 Millionen Fahrzeuge gewachsen. Im Heimatmarkt Deutschland trage jedes fünfte Auto ein VW-Logo. Gleichzeitig sei man auch in Südamerika mit plus 18,5 Prozent auf 568.000 Fahrzeuge deutlich gewachsen und liege – außer in China – in den asiatischen Märkten in Summe ebenfalls im Plus.
In China habe Volkswagen die zwei Millionen Auslieferungen geknackt und sei weiterhin mit Abstand Marktführer bei den Verbrennern. Bei den New Energy Vehicles (NEV), also Hybriden und Elektrofahrzeugen, starte man jetzt „die größte Produktoffensive, die wir jemals hatten“. Das erklärte Ziel sei, wieder Marktanteile zu gewinnen.
„In Europa haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben“
Den Absatz vollelektrischer Fahrzeuge konnte die Marke Volkswagen 2025 vor allem in Deutschland und in Europa deutlich erhöhen. Die Auslieferungen stiegen auf 93.800 Fahrzeuge im Heimatmarkt (+60,7 %) sowie in Gesamteuropa auf rund 247.900 Einheiten (+49,1 %). Weltweit lag der Anteil mit rund 382.000 vollelektrischen Fahrzeugen bei 8,1 Prozent.
„In Europa haben wir erreicht, was wir uns vorgenommen haben – wir haben dort schließlich rund 50 Prozent mehr E-Autos ausgeliefert als noch im Vorjahr“, erklärt der Vertriebsvorstand. „Weltweit haben wir ein stabiles Auslieferungsniveau gehalten, obwohl sich die Transformation in den Regionen unterschiedlich entwickelt. Im zweiten Halbjahr gab es beispielsweise eine unerwartete Veränderung der Regulatorik in den USA, die die Nachfrage spürbar negativ beeinflusst hat.“
Das weltweite Ziel für dieses Jahr sei, den Elektro-Anteil im Portfolio weiter auszubauen. Die Grundlage dafür seien in diesem Jahr auf den Markt kommende „starke“ Produktneuheiten. Mit dem ID. Polo erschließe Volkswagen 2026 in Europa erstmals attraktive Preisregionen, die den Zugang zu neuen Kundensegmenten ermöglichen. Der für 25.000 Euro angekündigte E-Kleinwagen sei „hoch wettbewerbsfähig“ und spiele eine Schlüsselrolle für die Wachstumsziele der Marke. Zusätzlich erwarte VW durch den Relaunch des komplett überarbeiteten Elektro-Kompakten ID.3 und zahlreicher neuer vollelektrischer Modelle in China einen deutlichen Schub. In den USA bleibe die Nachfrage aktuell „verhalten“.
„Müssen die Nummer eins im Elektromarkt in Europa sein“
Das wohl abgesagte „Verbrenner-Aus“ in der EU ab 2035 beeinflusse lediglich die Detailplanung, erläutert Sander. „Am Big Picture ändert sich nichts. Die Zukunft ist rein elektrisch – davon sind wir überzeugt. Daran werden die Entscheidungen nichts ändern.“ E-Autos überzeugten mit ihrer Technologie und böten den Kunden ein besseres Fahrerlebnis. Zudem könne der Hersteller die Kosten der E-Fahrzeuge kontinuierlich senken, wodurch die Autos für Kunden mit jedem Jahr attraktiver würden. „Wollen wir die Nummer eins in Europa bleiben, müssen wir auch die Nummer eins im Elektromarkt sein“, so der Vertriebsvorstand.
„Der ID. Polo und der ID. Cross werden für uns echte Gamechanger – nicht nur in Bezug auf die Marktperformance, sondern auch für die Skalierung von batterieelektrischen Fahrzeugen“, unterstreicht Sander. Mit den höheren Stückzahlen, die diese Modelle ermöglichten, schaffe man zusätzliche Spielräume, um Kosten zu senken und sich der Margenparität über die Laufzeit der Modelle anzunähern. Das sei ein entscheidender Schritt hin zu Preisparität. Deshalb seien der ID. Polo und dessen SUV-Derivat ID. Cross zentrale Bausteine der Strategie, ein nachhaltiges und profitables Elektrogeschäft aufzubauen. „Nochmals, wir sind überzeugt: Die Zukunft ist elektrisch.“
Reduzierung der Komplexität im Handel
Die Abkehr vom Agenturmodell für E-Autos im Privatkundengeschäft und die Rückkehr ins klassische Händlermodell begründet der Manager vor allem mit der Reduzierung der Komplexität. Es gebe nicht mehr zwei verschiedene, parallel laufende Geschäftsmodelle. Dies habe hohe Kosten verursacht, die man jetzt abgestellt habe. Zudem habe das Unternehmen Klarheit über den weiteren Weg und die Rolle der Händler geschaffen. „Das ist mit Sicherheit ein positiver Impuls für die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen“, glaubt Sander.
Die Händlermarge bei Elektroautos ist niedriger als die von Verbrennern. „Unsere Margen und Boni sind grundsätzlich je nach Modell und Markt unterschiedlich. Entscheidend ist, dass wir aus Produkteigenschaften, Preisgestaltung und Händlermarge eine ausgewogene Kombination schaffen, die Nachfrage generiert und den Absatz sichert“, so der Vertriebsvorstand. „Das ist uns gelungen: Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen bleibt auch in Märkten, in denen wir das Agenturmodell bereits abgeschaltet haben, nahtlos stabil.“
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