Toyota fordert von der europäischen Politik mehr Pragmatismus, technologieoffene Regelungen und stärkere Partnerschaften, um die Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie zu sichern. Hintergrund sind die Beratungen der EU über den Industrial Accelerator Act (IAA) und das Automobilpaket sowie die Überprüfung des Zero Emission Vehicle (ZEV) Mandate in Großbritannien.
Man entwickele und produziere seit mehr als 60 Jahren Fahrzeuge, Motoren und Hybridsysteme in Europa und investiere gemeinsam mit europäischen Zulieferern in Kompetenzen und Know-how, unterstreichen die Japaner. „Toyota ist in Europa kein Gast. Wir sind ein europäischer Hersteller und wir wollen, dass die europäische Automobilindustrie erfolgreich ist“, sagt Yoshihiro Nakata, President und CEO von Toyota Motor Europe.
Toyota unterstützt die europäischen Klimaziele „uneingeschränkt“, fordert jedoch eine Verbindung von politischen Ambitionen und realistischen Rahmenbedingungen. Regulierungen sollten sich an der tatsächlichen Kundennachfrage orientieren und sämtliche Technologien berücksichtigen, die zur CO₂-Reduktion beitragen. Beim Industrial Accelerator Act begrüßt der weltweit größte Autohersteller das Ziel, die industrielle Basis Europas zu stärken, warnt jedoch vor einer Beschränkung der Fertigung auf die EU. Gemeinsam mit Großbritannien, der Türkei und Japan umfasst der relevante Markt nach Unternehmensangaben rund 31 Millionen Fahrzeuge.
Unter dem Leitgedanken „Made with Europe“ setzt sich Toyota dafür ein, eine begrenzte Anzahl von Freihandels- und Zollunionspartnern auf Grundlage vollständiger Gegenseitigkeit anzuerkennen. Der vorgeschriebene europäische Wertschöpfungsanteil soll schrittweise eingeführt werden und nach drei Jahren 70 Prozent erreichen, wobei wesentliche Vorgaben erst ab 2030 gelten sollen. Als Berechnungsgrundlage schlägt Toyota den Ab-Werk-Wert einschließlich Engineering, Forschung und Entwicklung sowie Endmontage vor. Damit sollen neben der Herkunft der Bauteile auch weitere Bestandteile der europäischen Fahrzeugproduktion berücksichtigt werden.
Toyota fordert Augenmaß bei der Regulierung
Für den Gesamtfahrzeugabsatz hält Toyota eine Schwelle von 70 Prozent für realistisch, während das Unternehmen die vorgeschlagenen 85 Prozent ablehnt. Bei öffentlicher Beschaffung, Förderanreizen und Firmenflotten fordert der Hersteller einheitliche Regelungen. Brennstoffzellenfahrzeuge sollen zunächst ausgenommen werden, bis sich Markt und Lieferkette weiterentwickelt haben.
Auch bei den CO₂-Vorgaben für das Jahr 2035 fordert Toyota mehr Flexibilität für die Automobilhersteller. Prognosen zufolge werden batterieelektrische Fahrzeuge bis 2030 rund 45 Prozent der Neuzulassungen ausmachen, während die geltenden Vorschriften einen Anteil von mehr als 55 Prozent voraussetzen. Bei leichten Nutzfahrzeugen fällt die Abweichung noch größer aus. Toyota warnt davor, dass ohne entsprechende Spielräume Investitionen in die Erfüllung regulatorischer Vorgaben statt in benötigte Technologien fließen könnten.
Konkret schlägt Toyota einen fünfjährigen Erfüllungszeitraum von 2028 bis 2032 sowie ein CO₂-Reduktionsziel von 90 Prozent für 2035 vor. Ergänzend sollen erneuerbare Kraftstoffe und grüner Stahl durch flexible Regelungen berücksichtigt werden. Für leichte Nutzfahrzeuge fordert das Unternehmen eigenständige Reduktionsziele von 35 Prozent bis 2030 und 80 Prozent bis 2035, jeweils auf Grundlage einer fünfjährigen Durchschnittsberechnung.
Fahrzeuge, die ausschließlich mit zulässigen erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden, sollen nach einer einheitlichen EU-Definition gemäß RED III regulatorisch als emissionsfrei gelten. Entwickeln sich Nachfrage oder Infrastruktur langsamer als erwartet, fordert Toyota regelmäßige Überprüfungen der Zielvorgaben.
„Abschottung schwächt uns. Europa hat die Fähigkeiten, die Menschen und die vertrauenswürdigen Partner, um eine Führungsrolle einzunehmen. Die Gesetzgebung muss jedoch dem Tempo Rechnung tragen, in dem Kunden bereit und in der Lage sind, diesen Wandel mitzugehen. ‚Made with Europe‘ ist unser zentrales Anliegen, denn gemeinsam sind wir stärker“, sagt Matt Harrison, Chief Corporate Officer von Toyota Motor Europe.
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