Der Global Electric Mobility Readiness Index (GEMRIX) 2026 der Managementberatung Arthur D. Little sieht das Ökosystem und nicht mehr allein die Technologie als entscheidend für die Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Unterschiede zwischen den Märkten führt eine Studie auf unterschiedlich weit entwickelte Ökosysteme und strukturelle Lücken zurück. China und Norwegen haben demnach den Punkt überschritten, an dem E-Fahrzeuge bei der Marktreife mit Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor gleichziehen.
Die dritte Ausgabe des GEMRIX untersucht 31 Märkte und berücksichtigt unter anderem Makrofaktoren, E-Fahrzeug-Markt und Wettbewerb, Kundenbereitschaft, öffentliche Ladeinfrastruktur, Gesamtbetriebskosten und Regulierung. Ein Wert von 100 steht für eine breite Marktreife-Parität zwischen Stromern und Verbrennern. China erreicht 106 Punkte, Norwegen 103, gefolgt von Singapur mit 96 und den Niederlanden mit 90 Punkten.
Die Untersuchung beschreibt die Entwicklung als Übergang mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Wegen. In Europa hat das Wachstum zugenommen, während Türkei, Thailand, Vietnam, Indonesien und Brasilien durch unterschiedliche Kombinationen aus Bezahlbarkeit, Infrastruktur, Industriepolitik und lokalen Anbietern an Dynamik gewinnen. Batterieelektrische Fahrzeuge werden demnach nicht überall im gleichen Tempo wachsen. Plug-in-Hybride oder Elektrofahrzeuge mit Verbrennungsmotor als Stromgenerator (Range Extender) bleiben in mehreren Märkten eine Brückentechnologie.
China setzt den Maßstab durch die Verbindung von Fahrzeugtechnologie, Fertigungsgröße, Batterie- und Komponentenlieferketten, softwaredefinierten Fahrzeugfunktionen, Ladeinfrastruktur, Energieökonomie, Anreizen und Regulierung. Die Expansion chinesischer Hersteller in Schwellenmärkten zeigt der Studie zufolge, dass Ökosystem-Passung, Bezahlbarkeit und Geschwindigkeit die Stärke etablierter Marken überwiegen können.
„Die Welt wird nicht auf einen Schlag oder auf einem einzigen Weg zu 100 % elektrifiziert werden; die Gewinner werden jedes Ökosystem genau analysieren und handeln, noch bevor sich die Marktchance deutlich abzeichnet“, sagt Alexander Krug von Arthur D. Little.
Während China den Index anführt, liegen die USA auf Rang 25 und Japan auf Rang 23. Singapur, die Niederlande, Österreich und Hongkong erreichen aufgrund der engen Abstimmung von Infrastruktur, Regulierung, Produktpassung und Verbraucherökonomie deutlich höhere Werte. „Beim E-Rennen geht es nicht mehr nur um Fahrzeugtechnologie“, so Philipp Seidel von Arthur D. Little.
Die Studienergebnisse unterteilen die Länder in vier Kategorien:
- Die Gruppe „Global Benchmark“ (Globaler Maßstab) umfasst in diesem Jahr China, Norwegen, Singapur und die Niederlande.
- Die Gruppe „Ambitious Followers“ (Ambitionierte Verfolger) wird hauptsächlich von europäischen Märkten angeführt, darunter Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, Österreich, Schweden, Belgien, Italien, Spanien, die Schweiz und Polen.
- Zur Gruppe der „Emerging EV Markets“ (Aufstrebende Märkte für E-Fahrzeuge) gehören die Türkei, Thailand, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indonesien, Brasilien, Indien, Australien und die USA – Länder, in denen sich das Angebot an Elektrofahrzeugen zwar verstärkt, aber noch nicht vollständig etabliert hat.
- Zur Gruppe der „Starter Markets“ („Einstiegsmärkte“) gehören Länder, die weiterhin mit der Frage der Erschwinglichkeit konfrontiert sind.
„Beim Wettlauf um Elektrofahrzeuge geht es längst nicht mehr nur um Fahrzeugtechnologie“, erklärt Berater Philipp Seidel. „Der Erfolg Chinas zeigt, was passiert, wenn Produkt, Fertigung und Lieferketten, Infrastruktur, Energie und Politik als ein System aufeinander abgestimmt werden. Dank dieser Synergie dominieren chinesische Automobilhersteller nun zunehmend den Weltmarkt durch den gezielten Export nicht nur von Fahrzeugen, sondern von kompletten Ökosystemen für Elektrofahrzeuge.“
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