Beim Neujahrsgipfel des Marktbeobachters Deutsche Automobil Treuhand (DAT) und des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) sah sich Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder Kritik aus der Automobilbranche ausgesetzt. Anlass ist die von der Bundesregierung für dieses Jahr verkündete neue Elektroauto-Kaufprämie, die nach Einschätzung von Marktbeobachtern und Händlern erhebliche Nebenwirkungen haben könnte.
DAT-Geschäftsführer Jens Nietzschmann warnte, „der Wertverlust der Elektroautos dürfte höher ausfallen als das Förderbudget von drei Milliarden Euro“. Nach Ansicht der Branche macht der staatliche Zuschuss Neuwagen zwar attraktiver, schwächt jedoch zugleich den Gebrauchtwagenmarkt. Vor allem junge gebrauchte Stromer verlieren an Attraktivität und Wert. Besonders betroffen sind Fahrzeuge, die Händler in den vergangenen Monaten zugelassen haben und die nun zum Weiterverkauf auf ihren Höfen stehen.
Welche Auswirkungen Förderprogramme haben können, zeigt laut DAT ein Rückblick auf frühere Maßnahmen. Der Ende 2023 eingestellte „Umweltbonus“ von bis zu 9000 Euro habe die Restwerte innerhalb eines Jahres um rund zehn Prozent nach unten gezogen, erinnerte DAT-Analyst Martin Weiß. In welchem Ausmaß die neue Prämie die Restwerte beeinflusst, ist jedoch noch offen.
Denn im Unterschied zur früheren E-Auto-Subvention ist die Zielgruppe der neuen Förderung enger gefasst. Sie richtet sich ausschließlich an Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen von weniger als 80.000 Euro, was die Reichweite der Maßnahme deutlich begrenzt.
Kritik kommt aus dem Handel nicht nur wegen möglicher Wertverluste, sondern auch wegen der Ausgestaltung der Prämie. ZDK-Präsident Thomas Peckruhn bezeichnete sie zwar als „optimistisches Signal“ und als wichtigen Impuls für Privatkunden, bemängelte jedoch die langsame Umsetzung. Die erst für Mai geplante Freischaltung der Online-Plattform zur Antragstellung bedeute wochenlange Unsicherheit nach Bekanntgabe der Förderdetails.
Ende Januar wüssten Kunden noch immer nicht, welche Nachweise erforderlich seien. Für den Automobilstandort Deutschland sei jedoch entscheidend, wann die Prämie tatsächlich verfügbar ist, um sie in Finanzierungsentscheidungen einzubeziehen. „Was wir jetzt nicht brauchen, ist weitere Unsicherheit und Kaufzurückhaltung“, sagte Peckruhn. Diese Verunsicherung sei bereits in den Autohäusern spürbar, weshalb die Politik nun schnell verlässliche Rahmenbedingungen schaffen müsse.
Gelten soll die E-Auto-Kaufprämie rückwirkend ab 1. Januar 2026. Sie unterstützt beim Kauf oder beim Leasing eines neuen, erstmals in Deutschland zuzulassenden vollelektrischen oder extern aufladbaren Hybridfahrzeugs. Förderfähig sind Käufer, deren zu versteuerndes Haushaltsjahreseinkommen maximal 80.000 Euro beträgt. Die Einkommensgrenze erhöht sich für bis zu zwei Kinder um 5000 Euro je Kind. Unter dem Strich kann die Förderung bis zu 6000 Euro betragen.
Automobile Magazine-Germany



























