Porsche hat im Rahmen eines Recycling-Pilotprojekts Batteriezellen hergestellt, deren Kathodenaktivmaterial vollständig aus recyceltem Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan besteht. Zu den Partnern gehört der deutsche Recycler Cylib. Die Analysten von GlobalData sehen darin einen Schritt in eine neue Phase der Lokalisierung von Lieferketten für Elektrofahrzeuge in Europa.
Für das Recycling werden ausgediente Hochvoltbatterien zurückgewonnen, in neue Aktivmaterialien umgewandelt und anschließend in neue Akkus integriert. Diese Batteriezellen werden in Porsche-Fahrzeugen getestet. Seit Mai 2026 verarbeitet Cylib ausgediente Batterien aus Porsche-Zentren in Deutschland mit einem wasserbasierten Recyclingverfahren.
Porsche plant zudem ein eigenes „Materialkonto“, über das die zurückgewonnenen Materialien erfasst werden sollen. Die entsprechenden Mengen sollen ab 2028 für die Zellfertigung verfügbar sein. Wettbewerber wie Tesla, BMW und Mercedes-Benz verfolgen ebenfalls Recycling-, Beschaffungs- oder Partnerschaftsmodelle, um Metalle zu sichern und die Abhängigkeit von geopolitischen Risiken zu verringern.
EU-Batterieverordnung erhöht Druck auf Hersteller
GlobalData verweist zugleich auf die EU-Batterieverordnung, die höhere Anforderungen an Angaben zum CO₂-Fußabdruck und an die Rückgewinnung recycelter Materialien stellt. Analystin Madhuchhanda Palit beschreibt Porsches Vorgehen als Teil eines Branchenwandels von „Recycling als Compliance“ zu „Recycling als Beschaffung“. Ein geschlossener Materialkreislauf kann nach ihrer Einschätzung unter anderem gegen Lieferengpässe absichern und bei der Bilanzierung von Emissionen über den Lebenszyklus helfen.
Für Deutschland kann das Projekt nach Einschätzung von GlobalData die Position in der Batterie-Wertschöpfungskette unterstützen, während asiatische Anbieter die Verarbeitung von Kathoden und Vorprodukten dominieren. Der Ausbau hydrometallurgischer Kapazitäten und die Integration von Demontage und Raffination könnten Kompetenzen in der chemischen Verarbeitung stärken. Falls Betriebstests vergleichbare Leistung und gleichbleibende Qualität bestätigen, könnten sich laut Palit auch Lieferverträge deutscher Hersteller stärker auf Abnahmemodelle für recycelte Metalle ausrichten.
Vollständig aus recyceltem Kathodenmaterial hergestellte Zellen befinden sich weiterhin im Pilotstadium. Als zentrale kurzfristige Faktoren nennt GlobalData reproduzierbare Qualität bei größeren Mengen, die Wirtschaftlichkeit gegenüber Primärmaterialien und eine durchgängige Dokumentation der Recyclinganteile. Diese Faktoren sollen darüber entscheiden, ob der Ansatz von Testflotten in die Serienproduktion übergeht und Deutschlands Rolle in der globalen Batterielieferkette stärkt.
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