Der weltweite Absatz der globalen Automobilhersteller ist nach drei Quartalen des Jahres 2026 insgesamt rückläufig, berichten die Analysten des Center of Automotive Management (CAM). Die 15 untersuchten Automobilkonzerne verkaufen demnach weltweit rund 49,5 Millionen Fahrzeuge, was einem Rückgang von 1,8 Prozent zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Die deutschen Automobilhersteller verlieren dabei überdurchschnittlich. Volkswagen weist mit einem Rückgang von 9,4 Prozent neben General Motors (-9,7 %) die höchsten Absatzverluste des Samples von Januar bis September 2026 aus.
Toyota behauptet mit 8,05 Millionen Fahrzeugen (−2,7 %) seine weltweite Spitzenposition und profitiert von seiner breiten internationalen Aufstellung sowie der starken Nachfrage nach Hybridmodellen. Volkswagen folgt mit 5,78 Millionen Fahrzeugen (−9,4 %), wobei insbesondere der intensive Wettbewerb und die Absatzverluste in China belasten. Die Hyundai Motor Group auf Platz 3 zeigt sich mit 5,37 Millionen Fahrzeugen (−2,1 %) dank ihrer breiten Modellpalette und starken Position bei SUVs und Hybriden vergleichsweise stabil. Deutliche Rückgänge verzeichnet neben General Motors (−9,7 %) auch Ford (−8,5 %), insbesondere aufgrund der Schwäche in China und Nordamerika.
Einige wenige Hersteller können ihr Absatzvolumen steigern: SAIC (Eigenmarken) (+12,7 %), Suzuki (+10,3 %), Chery (+9,9 %) und Stellantis (+7,1 %) zeigen deutliche Zuwächse, die auf unterschiedlichen Wachstumstreibern beruhen: Während SAIC insbesondere von neuen elektrifizierten Modellen und der internationalen Expansion profitiert, wird Suzukis Wachstum maßgeblich vom dynamischen indischen Automobilmarkt getragen. Chery erzielt seine Zuwächse vor allem durch stark steigende Exporte und ein wachsendes Angebot elektrifizierter Fahrzeuge. Bei Stellantis ist das Absatzplus dagegen auch auf das sehr niedrige Vorjahresniveau zurückzuführen.
Beim Stromer-Riesen BYD und seinem Elektroauto-Konkurrenten Tesla zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen. Während BYD beim gesamten Pkw-Absatz einen Rückgang von 4,6 Prozent verzeichnet, steigert Tesla seine Auslieferungen um 8,8 Prozent. Im reinen Elektroautogeschäft (BEV) bleibt BYD mit rund 1,63 Millionen Fahrzeugen (+1,5 %) vor Tesla mit 1,32 Millionen (+8,8 %). BYD leidet insbesondere unter dem intensiven Preiswettbewerb und der rückläufigen Nachfrage im chinesischen Heimatmarkt, die durch die starke internationale Expansion bislang nicht vollständig kompensiert werden können. Tesla profitiert dagegen von einer Erholung der europäischen Nachfrage, attraktiveren Modell- und Finanzierungsangeboten sowie einer niedrigen Vorjahresbasis.
Auch die deutschen Premiumhersteller Mercedes-Benz Group (−7,2 %) und BMW Group (−4,8 %) verzeichnen weltweite Absatzrückgänge. Beide Konzerne leiden insbesondere unter dem intensiven Wettbewerb im chinesischen Premiumsegment. Während BMW von einer breiteren Modellpalette, steigenden Verkäufen in Europa und den USA sowie der starken Position bei elektrifizierten Fahrzeugen profitiert, steht Mercedes-Benz noch stärker unter Druck. Die Absatzverluste in China fallen bei Mercedes mit rund 29 Prozent deutlich höher aus als bei BMW mit rund 22 Prozent. Trotz wachsender Elektroautoabsätze können beide Hersteller die Rückgänge in China bislang nicht kompensieren.
Regionale Automobilmärkte 2026: Europa wächst, China und USA schrumpfen
Die Absatzentwicklung der vier untersuchten Automobilmärkte nach 9 Monaten des Jahres 2026 zeigt ein zunehmend uneinheitliches Bild: Während Europa und insbesondere Indien deutliche Zuwächse erzielen, verzeichnen China und die USA rückläufige Neuwagenverkäufe. In China bricht der Pkw-Markt um 21,7 Prozent ein, vor allem bedingt durch ein schwaches generelles Nachfrageklima, geringere Förderimpulse und den deutlichen Rückgang klassischer Verbrenner.
Gleichzeitig steigt der Marktanteil elektrifizierter Fahrzeuge weiter. In den USA sinkt der Neuwagenabsatz um 2,2 Prozent, insbesondere aufgrund hoher Fahrzeugpreise, wirtschaftlicher Unsicherheit und vorgezogener Elektroautokäufe im Vorjahr infolge des ausgelaufenen staatlichen Steuerbonus.
Europa (EU+EFTA+UK) wächst um 6,3 Prozent, insbesondere getragen durch die steigende Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen, eine größere Modellvielfalt, staatliche Fördermaßnahmen und Nachholeffekte aus den Vorjahren. Der zunehmende Preiswettbewerb durch neue, insbesondere chinesische Hersteller verstärkt die Marktdynamik. Indien entwickelt sich mit einem Plus von 22,7 Prozent zum dynamischsten der vier betrachteten Märkte. Steuerliche Entlastungen, günstigere Finanzierungskosten, eine starke SUV-Nachfrage und Nachholeffekte aus dem schwächeren Vorjahr treiben das Wachstum.
„Die zunehmenden regionalen Unterschiede stellen die Automobilkonzerne vor neue strategische Herausforderungen. Entscheidend wird, wie erfolgreich sie ihre Modellportfolios, Kostenstrukturen und Vertriebsstrategien an die jeweiligen Marktbedingungen anpassen können“, so das CAM.
„Die globale Automobilindustrie befindet sich in einer Phase tiefgreifender Marktverschiebungen“, sagt Studienleiter Stefan Bratzel. „Während Europa und Indien wachsen, schrumpfen die Märkte in China und den USA. Gleichzeitig verlieren viele etablierte Automobilhersteller weltweit deutlich an Absatz, insbesondere die deutschen Konzerne. Die deutschen Automobilhersteller stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie verlieren in China an Boden und müssen gleichzeitig ihren europäischen Heimatmarkt gegen neue Wettbewerber verteidigen.“
Die jüngste Verständigung zwischen der EU und China zur Begrenzung chinesischer Hybridexporte könnte den europäischen Herstellern kurzfristig eine gewisse Verschnaufpause verschaffen, erklärt Bratzel. „Diese Zeit müssen sie jedoch nutzen, um ihre Innovationsgeschwindigkeit zu erhöhen, Kostenstrukturen zu verbessern und attraktive, bezahlbare Fahrzeuge schneller auf den Markt zu bringen.“
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