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Studie: Autoindustrie weiter mit größtem Restrukturierungs- und Transformationsbedarf

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Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase anhaltender struktureller Schwäche – und der Druck auf Unternehmen nimmt weiter zu. Das zeigt die neue Restrukturierungsstudie der Berater von Roland Berger, für die 130 Experten aus dem deutschsprachigen Raum befragt wurden.

Knapp zwei Drittel der befragten Restrukturierungsexperten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine unveränderte Wirtschaftsleistung, weitere 29 Prozent ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt. 6 Prozent rechnen mit Wachstum.

Die Belastungen sind vielfältig: 65 Prozent der Befragten nennen Bürokratie und Regulierung als besonderes Risiko für die deutsche Wirtschaft. Energiepreise und Versorgungssicherheit folgen mit 53 Prozent – ein Anstieg um 22 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Jeweils 51 Prozent sehen geopolitische Spannungen sowie den technologischen Wandel als zentrale Gefahren. Gleichzeitig attestiert mehr als die Hälfte der Experten den deutschen Unternehmen eine schlechte Vorbereitung auf eine weitere Konjunktureintrübung, nur 8 Prozent bewerten sie als gut vorbereitet.

Restrukturierungsdruck steigt, Autoindustrie bleibt besonders gefordert

Die angespannte Lage schlägt sich unmittelbar im Restrukturierungsgeschehen nieder: 83 Prozent der Praktiker berichten von einer Zunahme der Fälle. 21 Prozent beobachten einen starken Anstieg – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Zugleich sagen 61 Prozent, dass Restrukturierungsprozesse länger dauern, 56 Prozent sehen komplexere Finanzierungsstrukturen und 42 Prozent komplexere Stakeholder-Strukturen. Konsensuale Lösungen werden dadurch schwieriger, langsamer und liquiditätsintensiver.

„In einer Phase anhaltender Stagnation reicht es nicht mehr aus, lediglich durchzuhalten“, sagt Alexander Müller, Senior Partner bei Roland Berger. „Unternehmen müssen den Schritt zur konsequenten Anpassung gehen und die akute Krisenbewältigung zugleich als Ausgangspunkt für die notwendige strukturelle Erneuerung nutzen.“

Mit 87 Prozent weist die Automobilindustrie aus Sicht der Experten weiterhin den größten Restrukturierungs- und Transformationsbedarf auf, gefolgt vom Maschinen- und Anlagenbau mit 54 Prozent. Besonders stark steigt der Handlungsdruck in Pharma, Gesundheit und Krankenhauswesen auf 26 Prozent sowie in der Chemiebranche auf 31 Prozent. Auch transaktionale Sanierungen gewinnen an Bedeutung: 72 Prozent erwarten eine moderate oder starke Zunahme von Verkäufen und anderen strukturellen Lösungen.

Belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen bleiben mit 61 Prozent der wichtigste Erfolgsfaktor. Deutlich an Bedeutung gewinnen ein ambitioniertes und realistisches Maßnahmenprogramm sowie eine zielgerichtete Stakeholder-Kommunikation: Beide legen gegenüber dem Vorjahr um jeweils 11 Prozentpunkte auf 38 beziehungsweise 32 Prozent zu. Die reine Krisendiagnose genügt daher laut den Beratern nicht mehr – entscheidend seien Geschwindigkeit, Verständigung und konsequente Umsetzung.

KI beschleunigt Prozesse, der Mensch behält die Verantwortung

Künstliche Intelligenz (KI) eröffnet dabei neue Möglichkeiten, Restrukturierungsprozesse effizienter zu gestalten. 89 Prozent sehen das größte Unterstützungspotenzial in der Datenanalyse, 60 Prozent in der Recherche. 74 Prozent erwarten durch KI eine schnellere Diagnose und Umsetzung, 65 Prozent geringere Prozesskosten. Eine höhere Erfolgsquote bei der Umsetzung erwarten dagegen bislang nur 4 Prozent – denn Urteilsvermögen, Vertrauen, Verhandlung und Führung blieben menschliche Aufgaben.

Der tatsächliche Einsatz bleibt jedoch begrenzt: Kein Befragter sieht KI bereits breitflächig in Restrukturierungsprozessen verankert. 45 Prozent berichten von einzelnen Pilotprojekten, 26 Prozent von ersten Diskussionen und weitere 26 Prozent von etablierten Anwendungen in spezifischen Bereichen. Für den Einsatz setzen die Experten klare Leitplanken: 56 Prozent fordern nachweislich hohe Qualität, 50 Prozent höchste Datensicherheit und Vertraulichkeit, 49 Prozent vollständige Transparenz.

„KI verändert die Arbeit der Restrukturierer, nicht ihre Verantwortung“, sagt Adrian Pielken, Senior Partner bei Roland Berger. „Sie kann Daten schneller auswerten und Routinen automatisieren. Den entscheidenden Freiraum müssen Unternehmen und Berater für Kommunikation, Stakeholdermanagement und Umsetzung nutzen.“

Für 89 Prozent bleibt der Mensch auch künftig klar in der Führungsrolle. 71 Prozent favorisieren eine Arbeitsteilung, bei der KI Daten liefert und Routineaufgaben automatisiert, während der Mensch entscheidet. Die Studie versteht sich deshalb als Weckruf: Wer KI jetzt kontrolliere, transparent und systematisch integriere, gewinne Zeit, Erfahrung und Handlungsspielraum – in einem Umfeld, in dem Warten keine Option mehr sei, so die Berater.

Automobile Magazine-Germany

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