Hakan Samuelsson wird den Posten des Vorstandschefs bei Volvo an Klaus Zellmer übergeben, der dafür als CEO der Volkswagen-Tochter Skoda zurücktritt. Im Vorfeld dieses Wechsels erläuterte der 75-Jährige in einem Interview mit dem Handelsblatt die künftige Ausrichtung des schwedischen Premiumherstellers bei der Elektromobilität und bezeichnete das bisherige globalisierte Geschäftsmodell als nicht mehr tragbar. Darunter würden auch die anderen in der Industrie leiden.
Volvo setzt künftig auf eine regionalisierte Strategie. Während in den USA große Fahrzeuge für den dortigen Markt entwickelt werden, liegt der Fokus in Europa auf einer schnellen Elektrifizierung. In China erfolgt die Zusammenarbeit mit dem von dort stammenden Mutterkonzern Geely. Bis Ende 2030 plant Volvo die Einführung von 13 neuen Modellen, wobei sieben für westliche Märkte und sechs für den chinesischen Markt vorgesehen sind.
Ziel ist eine Verdoppelung des Marktanteils sowie eine Ebit-Marge von acht Prozent. Hinsichtlich der Rendite zeigt sich das Unternehmen zurückhaltend, was Samuelsson mit dem Schutz vor externen Schocks begründet. Er verwies auf Herausforderungen wie Zölle, Krieg und Inflation. Ein weiteres Ziel ist die Nutzung des Trends zur Elektrifizierung, wobei in den USA Hybride als Brückentechnologie eingesetzt werden sollen.
Zur Kostenstruktur und zum Personalbestand gab der Vorstandschef an, dass man Kosten ständig prüfe. Weitere Stellenabbauprogramme seien derzeit aber nicht angekündigt. Bezüglich der Arbeitsbedingungen in Europa forderte Samuelsson eine Steigerung der Leistungsbereitschaft: „Wenn wir erfolgreicher werden wollen, müssen wir härter arbeiten.“ Zudem müssten Energie und Arbeit günstiger werden. „Wir in der Industrie müssen auch härter an uns selbst arbeiten“, so der Branchenveteran. „Wir dürfen uns nicht noch mal technologisch abhängen lassen, sondern müssen innovative und gute Autos bauen.“
Im Umgang mit dem chinesischen Mutterkonzern Geely betont Samuelsson die Eigenständigkeit von Volvo als schwedisches Unternehmen. Trotz der Nutzung der Elektroarchitektur von Geely für den chinesischen Markt bleibe die Marke eigenständig. Das Unternehmen sei in Stockholm gelistet und der Hauptsitz sowie das Entwicklungszentrum lägen in Göteborg.
Hinsichtlich der Strafzölle der EU auf in China gebaute Elektroautos äußerte sich Samuelsson offen für chinesische Hersteller, die ein Lieferantennetzwerk aufbauen und Arbeitsplätze schaffen könnten. Zu der sportlich orientierten schwedisch-chinesischen Geely-Marke Polestar, an der Volvo 20 Prozent hält, erklärte er mit Blick auf deren Herausforderungen, man bleibe als loyaler Aktionär und versuche zu helfen.
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