Eine Studie des Karlsruher Instituts fr Technologie (KIT) soll zeigen, welche Mengen flssiger Energietrger in der EU aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen werden knnen. Denn flssiger Kraftstoff bleibe trotz E-Mobilitt wichtig, erklren die Forscher. Europa knnte laut der Auswertung seinen gesamten Kraftstoffbedarf fr den Straenverkehr bis zum Jahr 2040 aus erneuerbaren Quellen decken bis 2030 bereits mehr als zur Hlfte.
Demnach verfgt die EU ber ausreichend Rest- und Abfallstoffe, um den gesamten Straenverkehr mit klimaneutralen flssigen Energietrgern zu versorgen. Fr die Studie untersuchten die Autoren, welche Mengen biogener Rohstoffe also pflanzliche Reststoffe, Holzreste oder Bioabflle in Europa vorhanden sind, wie sie sich technisch zu erneuerbaren Kraftstoffen umwandeln lassen und welchen Kraftstoffbedarf der Straenverkehr knftig haben wird.
Europa verfgt langfristig ber ausreichend nachhaltige Ressourcen, um ohne fossiles l mobil zu sein, sagt Thomas Hirth, Vizeprsident Transfer und Internationales des KIT. Angesichts der aktuellen Unsicherheiten auf den internationalen Energiemrkten ist das eine gute Nachricht. Wenn wir Rest- und Abfallstoffe effizient nutzen, knnen wir den Straenverkehr unabhngiger von Energieimporten machen und gleichzeitig CO-Emissionen senken.
Vielfalt erneuerbarer Rohstoffe macht Europa unabhngiger
Der im Auftrag von BMW durchgefhrten Studie wurden Rahmenbedingungen fr eine ambitionierte Erfllung des Pariser Klimaschutzabkommens zugrunde gelegt. Sie bezieht sich auf ein gnstiges Szenario, dessen Voraussetzungen von Politik und Gesellschaft zum Teil noch geschaffen werden mssen. Die Analyse zeigt, dass besonders groe Mengen an Rest- und Abfallstoffen genutzt werden knnen zum Beispiel Stroh aus der Landwirtschaft, Holzreste aus der Forstwirtschaft oder biogene Abflle. Hinzu kommen Zwischenfrchte, also Pflanzen, die zwischen zwei Ernten angebaut werden, sowie Energiepflanzen, die auf wenig ertragreichen Bden wachsen und nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren.
Diese Vielfalt sorgt dafr, dass die Rohstoffbasis stabil bleibt und nicht von einem einzelnen Stoff abhngt, so die Forscher. Viele glauben, dass Alt-Speisel die zentrale Quelle fr erneuerbare Kraftstoffe ist. Tatschlich macht es nur etwa ein Prozent des Rohstoffportfolios aus, erklrt Thomas Koch vom Institut fr Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT, der die Studie geleitet hat. Die wirklich groen Potenziale liegen beispielsweise in Pflanzenresten und Holzfasern. Diese Stoffe fallen ohnehin an und knnen ausreichend klimafreundliche Kraftstoffe liefern. Das kann aber nur gelingen, wenn der Herstellung von fortschrittlichen reFuels-Biokraftstoffen von Politik und Gesellschaft die notwendige Prioritt eingerumt wird.
Vom Reststoff zum Kraftstoff
Die Forscher untersuchten mehrere technische Wege, um aus Biomasse nutzbare Kraftstoffe herzustellen. Dazu zhlt das HVO-Verfahren (HVO steht fr Hydrotreated Vegetable Oil), bei dem lhaltige Reststoffe zu Dieselersatz hydriert werden, sowie methanolbasierte Verfahren. Bei diesen entsteht aus Pflanzenresten als Zwischenprodukt zunchst ein Gas, das anschlieend zu Benzin- oder Dieselersatz weiterverarbeitet wird. Mit diesen Verfahren knnen wir aus sehr unterschiedlichen Reststoffen hochwertige Kraftstoffe herstellen, sagt Nicolaus Dahmen vom Institut fr Katalyseforschung und -entwicklung des KIT. Das ist wichtig, weil Europa ber eine breite Palette an Biomassen verfgt. Die Technologien funktionieren auch dann, wenn der Rohstoffmix sich ndert.
Whrend es HVO schon an der Zapfsule gibt, sind Kraftstoffe aus anderen Verfahren noch in der Entwicklung. Sie werden am KIT bereits hergestellt und in Autos getestet. Mit den erprobten Verfahren lassen sich den Angaben zufolge auch groe Mengen Kraftstoff erzeugen. Die Studie zeigt auerdem: Wenn zustzlich Wasserstoff zugefhrt wird, steigt die Ausbeute nochmals deutlich.
Trotz Elektromobilitt bleibt flssiger Kraftstoff wichtig
Auch wenn Europa sehr ambitioniert elektrifiziere, bleibe ein groer Bedarf an flssigen Kraftstoffen bestehen, sagt Olaf Toedter vom IFKM. Viele Fahrzeuge bleiben noch lange im Einsatz. Fr diese Bestandsflotte bieten erneuerbare Kraftstoffe eine direkte Mglichkeit, CO-Emissionen zu vermeiden.
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