Im Interview mit dem Nachrichtenportal T-Online spricht Martin Endress, Chief Commercial Officer (CCO) bei E.ON Energie Deutschland, über die Rolle der Grundversorger – und betont, welch große Rolle innovative Technologien wie das bidirektionale Laden künftig für die Stabilität des Energiesystem spielen werden.
In der aktuellen Reformdebatte rund um das System der Grundversorgung zeigt sich Endress offen für Weiterentwicklungen, widerspricht jedoch der Kritik vereinzelter Wettbewerber und warnt vor überzogenen Erwartungen. Weniger Bürokratie und effizientere Abwicklungsprozesse seien im Hinblick auf die Grundversorgung grundsätzlich sinnvoll.
„Aber wir sollten die Stärken der heutigen Grundversorgung nicht unterschätzen, sie garantiert Sicherheit und faire Teilhabe“, betont Endress. „Gerade jetzt müssen wir sicherstellen, dass die Bürger weiterhin Vertrauen in die Energieversorgung im Land haben. Daher ist unsere klare Empfehlung: Reform, ja. Revolution, nein.“
Insbesondere in Krisenzeiten spiele die Grundversorgung weiterhin eine zentrale Rolle im Energiemarkt. Während zahlreiche Discountanbieter etwa während der Energiekrise ihre Kunden kurzfristig im Stich ließen oder insolvent gingen, habe die Grundversorgung Millionen Haushalten Sicherheit gegeben. Viele Wettbewerber machten es sich daher mit ihrer pauschalen Kritik an der Grundversorgung zu einfach.
Für die nächsten Jahre stellt laut dem E.ON-Geschäftsführer insbesondere das bidirektionale Laden eine der bedeutendsten Technologien für die Energiezukunft dar. Elektroautos könnten dabei eine Doppelfunktion übernehmen – als emissionsfreies Fortbewegungsmittel und zugleich flexible Stromspeicher. Indem sie überschüssige Energie in Zeiten hoher Erzeugung aufnehmen und in Stunden hoher Nachfrage dem Haushalt oder dem Netz flexibel wieder bereitstellen, könnten sie Schwankungen im System ausgleichen.
„Man könnte damit den eigenen Haushalt je nach E-Auto Modell rund eine Woche mit Strom versorgen, zum Beispiel wenn gerade Dunkelflaute und der Strom aus dem Netz sehr teuer ist. Und mit der Einspeisung ins Stromnetz können Autofahrer zusätzlich Geld verdienen. Das gibt der Wirtschaftlichkeit von Elektroautos eine ganz neue Dimension“, erläutert Endress.
Zuletzt hatte E.ON die neue E-Auto-Kaufprämie des Bundesumweltministeriums als ein positives Signal für die E-Mobilität in Deutschland begrüßt. Denn es sei klar: „Elektrisch fahren ist heute in den meisten Fällen schon günstiger als der Betrieb eines Verbrenners, geht jedoch häufig mit höheren Anfangsinvestitionen einher.“
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