T&E: Technologieneutralität nicht die Lösung für die Probleme der Autoindustrie

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Die Europäische Union steht kurz vor einer Entscheidung, die die Zukunft der europäischen Automobilindustrie maßgeblich bestimmen wird. Im Zentrum steht die Revision des CO2-Gesetzes für Autos und das Ziel, ab 2035 ausschließlich emissionsfreie Fahrzeuge zuzulassen. Diese Entscheidung wird laut der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) darüber entscheiden, ob Europa im globalen Wettbewerb mit China und den USA bestehen kann.
Lucien Mathieu, Director von Cars Brussels bei Transport & Environment, warnt, dass die Industrie und ihre politischen Unterstützer versuchen, das Prinzip der „Technologie-Neutralität“ durchzusetzen. Dies würde es Autoherstellern erlauben, nach 2035 weiterhin klassische Verbrennerfahrzeuge zu verkaufen. „In einer Welt, in der nahezu jeder weiß, dass Batteriefahrzeuge die Zukunft sind, ist dies eine kurzfristige Strategie, die verheerende Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit haben wird“, sagt Mathieu.

Die Probleme der europäischen Autoindustrie liegen laut Mathieu nicht am 2035-Ziel. Vielmehr seien Rückgänge bei den Verkaufszahlen und steigende Preise die Ursache. Seit 2019 wurden demnach drei Millionen weniger Autos verkauft, während der Durchschnittspreis von Massenmarktfahrzeugen zwischen 2018 und 2024 um 40 Prozent von 22.000 auf 30.700 Euro stieg. Viele Hersteller erzielten in dieser Zeit Rekordgewinne, doch diese Entscheidungen hätten nun negative Folgen: Die meisten Europäer könnten sich kein neues auto mehr leisten.
Zudem verliere Europa in China zunehmend Marktanteile und Margen an die starke lokale Konkurrenz bei Elektrofahrzeugen. Die vorgeschlagene Lösung der Industrie, Biokraftstoffe und Plug-in-Hybride nach 2035 zuzulassen, verschaffe nur kurzfristigen Komfort und sei strategisch ein Fehler.
„Ziele sind der Kompass für Investitionen“
Mathieu nennt drei Gründe, warum Technologie-Neutralität in der CO2-Gesetzgebung gefährlich ist. Erstens: Klare Ziele seien der Kompass für Investitionen. Ein Schwächen des 2035-Ziels würde die bereits getätigten Investitionen in Höhe von Hunderten Milliarden Euro in Batterien, Ladeinfrastruktur, Leistungselektronik und Komponenten gefährden. Mehr als 200 CEOs hätten die EU-Kommission bereits aufgefordert, an den Zielen festzuhalten.
Zweitens: Technologie-Neutralität widerspreche der Bezahlbarkeit. Elektroautos seien bereits die günstigsten Fahrzeuge im Betrieb und würden zunehmend auch beim Kauf preislich attraktiv. Im Vergleich dazu seien Plug-in-Hybride mit durchschnittlich 55.000 Euro teuer und für Gebrauchtwagenbesitzer bis zu 0,92 Euro pro Liter teurer im Unterhalt als Benziner. Synthetische Kraftstoffe würden 6 bis 8 Euro pro Liter kosten, und auch fortschrittliche Biokraftstoffe blieben aufgrund ihrer geringen Verfügbarkeit teuer.
Drittens: Die Welt bewege sich ohnehin in Richtung Elektromobilität. Besonders in China und schnell wachsenden Märkten wie Thailand und Vietnam würden die Verkaufszahlen von E-Fahrzeugen schneller als in Europa steigen. Auch hierzulande verzeichneten zahlreiche Länder neue Rekorde bei den Elektroauto-Verkäufen, allein im dritten Quartal 2025 in zehn europäischen Staaten.
Europa am Scheideweg
Europa stehe nun an einem Scheideweg. Halte die EU an den Zielen fest, könne die europäische Industrie ein global wettbewerbsfähiger E-auto-Akteur werden. Schwächelt sie jedoch und erlaubt ein Festhalten an Verbrennungstechnologie, werde die Branche dauerhaft zurückfallen. „Die Zukunft ist elektrisch. Jede Verzögerung bedeutet, dass China seinen Vorsprung weiter ausbaut“, so Mathieu.
Ein Zurückweichen der EU würde die größte industrielle Umstellung dieser Generation verpassen. Europa würde die Chance verlieren, eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zu beherrschen, und die wirtschaftlichen, industriellen und sozialen Vorteile der Elektrifizierung nicht nutzen können.
Mathieu appelliert an die Entscheidungsträger, Kurs zu halten und Führung zu zeigen. Diskussionen über Biokraftstoffe, E-Fuels, Hybride und „effiziente“ Verbrenner seien Ablenkungen, die Europa nicht die nötige Zeit verschafften, um mit China zu konkurrieren. Stattdessen solle der Branche jede Chance gegeben werden, bei der Technologie der Zukunft aufzuholen.

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